Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Dienstag, 28. April 2015

KiGa Eingewöhnung

Ich bin immer wieder entsetzt, wenn heutzutage Kinder immer noch weinend die Eingewöhnung in den KiGa erleben müssen. Wenn ich eine Einrichtung gefunden habe, in der ich mich als Elternteil wohl fühle und meine Kinder die Chance hatten, ihre Erzieher eine Zeit lang kennen zu lernen, bevor das erste Mal gehe (ich würd sie im "normalen" Leben ja auch nie bei Fremden lasse!), sollte kein Kind weinen müssen... und wenn doch, sollte man zuerst versuchen, herauszufinden woran es liegt, bevor man seinem Kind vermittelt: dein Weinen nützt nichts, dein Schmerz ist nicht relevant. Also bitte: ich weiß, die meisten tun sich mit der Entscheidung, ihre Kinder abzugeben, nicht leicht, haben wir auch nicht, aber: nehmt euch BITTE genug Zeit für eine entspannte Eingewöhnung!!

Wir hatten zig verschiedene Modelle durch - und das bevor unser Ältester überhaupt in den Kindergarten kam.

Wir waren bei ihm in der Lage, dass er nicht vor dem KiGa fremdbetreut werden musste - ui, waren wir stolz darauf. Bis er ca. 1,5 Jahre alt war und es vehement einforderte. So viel hielt er nämlich von unseren Idealen.
Also haben wir ihm in einer Musikschule zwei Vormittage die Woche eine betreute Spielgruppe gesucht (ca. 6 Kinder, 2-3 Betreuerinnen). Eingewöhnung? Unser Kind rannte am ersten Tag los und - war weg. Nach fünf Minuten fragte uns die Erzieherin, ob es für uns auch ok sei, im Warteraum zu warten. Da er es offensichtlich nicht bräuchte, müsse er ja gar nicht erst dran gewöhnt werden, dass wir da seien. Nach weiteren fünf Minuten fragten wir, ob wir auch im Café nebenan warten könnten. Zwei Stunden später holten wir ihn wieder ab - er war schwer beleidigt, dass er gehen sollte und die anderen bleiben durften. Es dauerte ca drei Wochen, in denen wir die Zeit langsam auf die möglichen fünf Stunden vormittags ausdehnten. Das war unsere erste "Eingewöhnung".

Ein halbes Jahr später ging es dann darum, wo er im Sommer einen Kindergartenplatz bekommen könne - und mir kam das Gerücht zu Ohren, dass unser KiGa nebenan alle Kinder aus ihrer Nachmittagsspielgruppe (2x wöchentlich 2 Std.) eh in den Kindergarten aufnehmen würde (was ja auch Sinn macht, wenn sie den KiGa schon kennen). Und - es waren noch Plätze frei. Also, schnell zur Spielgruppe angemeldet und los. Die Eingewöhnung lief etwas langsamer ab. Mama blieb den ersten Nachmittag dabei, alles unkompliziert, wie erwartet. Am zweiten Nachmittag ging ich schon kurz vor die Tür usw. - in der dritten Woche konnte ich während der zwei Stunden gehen. Ab da brachte ihn unser AuPair problemlos zur Spielgruppe.

Aber nach nur sieben Wochen in der Spielgruppe, konnten wir sechs Wochen wegen Krankheit und Kuraufenthalt nicht kommen. Gleichzeitig fand er Kur an sich und die Betreuung dort im speziellen furchtbar - nur das Wort "Kindergarten" wurde zum Unwort, bei dem er weg lief. Zusätzlich fuhr unser AuPair weg und Papa fing nach der Elternzeit wieder an zu arbeiten. Alles in allem eine anstrengende Zeit für den kleinen Mann. Danach waren die beiden Spielgruppen für ihn nicht mehr das Vergüngen wie vorher - was nun? Wenn Mama blieb, bis er von alleine anfing zu spielen, führte das nur dazu, dass er immer länger bei Mama blieb, denn sonst ging sie ja weg. Wir sind dann zweigleisig gefahren:

In der Musik-Spielgruppe (die klein war, die er lang kannte, wo er seine Bezugsperson hatte) wurde ein kurzer, konsequenter Abschied zelebriert, dann ging Mama. Er meckerte zwar kurz mal, das war aber schnell auf dem bekannten Arm vorbei und er war stets gut gelaunt, wenn ich ihn abholte.

In der Kindergarten-Spielgruppe hatten wir dann eine komplett neue Eingewöhnung, die sich dem Modell der sanften Eingewöhnung von Rüdiger Posth anlehnte. Im KiGa hatte es keine richtige "Bezugs-Erzieherin" gegeben und die Haupterzieherin trat auch kurz nach unserer Rückkehr aus der Kur eine neue Stelle an, so dass das noch zusätzlich neu war. Gleichzeitig muss man sich unserem Sohnemann etwas als Bezugsperson aufdrängen, sonst wuselt er relativ lange allein und problemlos vor sich hin, solange Mama im Raum ist - und meckert dann eben doch, wenn Mama gehen will, weil er nicht weiß, an wen er sich wenden soll. Die neue Betreuerin lies sich auf meine Bitte hin auf dieses Modell ein.
Ich blieb also erstmal dort. Er konnte auf Mamas Schoß sitzen und gucken und die Sicherheit zurück gewinnen, die ihm offensichtlich fehlte. Die ausgewählte Bezugsperson bemühte sich dabei um ihn und sein Vertrauen. Da er die Gruppe an sich aber schon kannte, versuchte ich so langweilig wie möglich zu sein, damit er schnell wieder Spaß daran fand, zu spielen, z. B. saß ich dort und las derweilen.
Nachdem er zwei Mal problemlos den ganzen Nachmittag allein gespielt hatte und ohne Mama mit nach draußen ging (das ging relativ schnell), wollte ich mal kurz rausgehen, das ging ihm dann aber doch zu schnell. Also blieb ich weitere sechs Termine im Raum sitzen, in der Hoffnung, dass er sich wohlfühlte ohne Sorge, Mama würde dann gehen. Dann ging ich "mal kurz auf´s Klo" und dehnte meine Abwesenheit langsam wieder aus. Es ging langsamer als wir es kannten, aber auch im Hinblick darauf, dass er dort ja bald fünf Tage die Woche sechs Stunden bleiben sollte (und das zu einem Zeitpunkt, zu dem auch seine kleine Schwester ihre Ankunft angekündigt hatte) war es mir lieber, dass er sich dort ganz sicher und glücklich fühlte, ohne jegliche negative Belastungen. Obwohl ich mir zwischendurch schon Sorgen gemacht habe, ob es aufgrund der Gruppengröße usw. wirklich schlau war, ihm mit 2,5 Jahren im Kindergarten statt in der Krippe anzumelden. Und obwohl es mich jedes Mal total verunsicherte, wenn die Kindergärtnerin z. B. meinte, ich müsse konsequenter gehen o. ä . Wir unterscheiden normalerweise zwischen Fragen ("Ist es ok, wenn Mama jetzt geht?") und klaren Ansagen ("Mama geht jetzt kurz und kommt gleich wieder."). Bei Fragen akzeptieren wird beide Antwortmöglichkeiten, wollen wir eine bestimmte Antwort, wird nicht gefragt, sondern Mama/Papa sagt an und dann wird das konsequent durchgehalten. Leider neige ich dazu, mich verunsichern zu lassen - und mich dann tagelang zu ärgern, falls ich eingeknickt bin, wenn auch nur kurz. Also: achtet auf eure Bedürfnisse und die eures Kindes. Lasst euch nicht von Erziehern verunsichern - ihr seid die Experten für euer Kind. Aber sprecht mit den Erziehern! Erstens ist es besser, gemeinsam für das Kind da zu sein. Zweitens werden sich eure Kinder kaum wohl fühlen, wenn ihr das nicht tut.

Bei unserer Kleinen lief es dann nach genau diesem Modell innerhalb vin drei Wochen problemlos ab. Sie jauchzt inzwischen schon freudig, sobald wir durch die Tür hinein gehen. :)

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