Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Sonntag, 26. April 2015

Konsequent sein

Wenn mein "ja" nicht ja und mein "nein" nicht nein heißt - was heißt dann mein "ich liebe dich"?!

Stell dir vor, du spielst ein Spiel und dein Gegenüber ändert alle fünf Minuten die Regeln - ohne dir Bescheid zu geben und völlig willkürlich.

Konsequent sein ist nicht das gleiche wie Strenge. Konsequent sein heißt, ich bin verlässlich, mein Kind hat das Gefühl, sich auf mich und meine Reaktionen und Worte verlassen zu können. Es ist ein Sicherheitsfaktor für das Kind. Nur so kann es richtiges Verhalten lernen. Inkonsequenz führt nur zur Verunsicherung eines Kindes. Es ist unfair, Regeln täglich zu ändern. Zumal meiner Meinung nach inkonsequente Eltern oft nur zu bequem sind, sich mit dem Wutanfall oder dem Betteln in dem Moment auseinander zu setzen - sich aber das Leben auf Dauer unnötig anstrengend machen, weil ja immer alles neu diskutiert werden muss.

Konsequent sein heißt für uns noch zusätzlich, dass die Folgen einer Handlung (egal ob Belohnung oder Strafe) logisch sein müssen. Putze ich mir nicht die Zähne, macht Mama das. Esse ich kein Frühstück, habe ich später Hunger. Schmeiß ich mit dem Ball die Scheibe ein, ist es a) kalt und b) hab ich weniger Taschengeld zur Verfügung, weil ich mich an der Reparatur beteiligen muss. Wenn ich abends kein Theater mache und schnell ins Bett gehe, haben Mama oder Papa mehr Zeit zum Kuscheln und Vorlesen. Wenn ich schnell aufräume, haben wir mehr Zeit raus zu gehen. Wenn ich mich morgens schnell fertig mache, spielt Mama vorm Kindergarten noch mit mir. Das alles ergibt Sinn für Kinder, sie verstehen es und können sich drauf verlassen - und wenn man sie ab einem gewissen Alter fragt, was passieren soll, wenn sie sich so verhalten haben, werden immer Sachen kommen, die logisch sind.
Ich hab die Hände nicht gewaschen und bekomme deswegen keine Süßigkeit, ich mache Theater beim Aufräumen und Bett gehen und Mama dann auch - solange man in seinem Verhalten dabei konsequent gleich ist, funktioniert das auch, aber wir wollen einfach, dass unsere Kinder erleben, dass nicht wir primär Strafen und Belohnungen machen, sondern das jede Handlung im Leben eine Folge hat. Wir hoffen, dass sie so auch als Jugendliche und Erwachsene lernen, die Folgen ihrer Handlungen zu bedenken, die Mama und Papa nicht sanktionieren.

Immer wieder beobachte ich Eltern, die dem Betteln ihrer Kinder nachgeben oder (noch schlimmer) Strafen androhen oder verhängen, die sie dann nicht durchziehen. Ein paar dieser Eltern konnte ich jetzt schon lange genug beobachten, um die Folgen am inzwischen erwachsenen Kind zu sehen. Es sind durchweg Jugendliche und Erwachsene geworden, die a) ihre Eltern nicht für voll nehmen und denen es b) selbst im Leben schwer fällt, konsequent zu sein und etwas durchzuhalten (z. B. ein Studium).

Das ist aus der Beobachterperspektive natürlich leicht gesagt. Aber diese Beobachtungen haben unseren Erziehungsstil stark geprägt. Unsere Gedanken dahinter waren wie folgt:
- Nachgeben ist kurzfristig einfacher und bequemer, die langfristigen Folgen sind aber immer anstrengender, denn es wird nie etwas als gegeben akzeptiert und sich dran gehalten. Das macht das Zusammenleben langfristig anstrengend, von der Pubertät ganz zu schweigen.
- Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder sich 100%ig auf uns verlassen können. Wenn man das schon nicht auf die Eltern kann, auf wen dann? Wir sind es doch, die den Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit geben müssen, erst recht solange sie klein sind. Das geht nur, wenn wir uns nicht je nach Laune oder Situation drehen wie ein Fähnchen im Wind. Sonst ist diese Welt wirklich verdammt beängstigend und groß. Mama sagt, morgen gehen wir Eis essen, gehen wir auch bei Schneesturm morgen Eis essen (wenn die Kinder noch wollen). Wenn Papa sagt, am Esstisch gibt es kein Spielzeug, gibt es kein Spielzeug, egal wie gebettelt wird. Wenn Mama und Papa sagen, du musst keine Angst haben und wir haben dich lieb - glauben unsere Kinder uns.
- Bei Regeln sind wir ca 80% konsequent, für alles gibt es eine BEGRÜNDETE Ausnahme. (An Weihnachten darf man mal später ins Bett, wenn man krank ist darf man mal mehr Fernseh gucken, Omas und Opas kaufen im Spielwarengeschäft vielleicht mal was (im Gegensatz zu Mama und Papa), zum Geburtstag gibt es Muffins mal zum Frühstück,...) Solange die Ausnahme einen Sinn ergibt und nicht zu oft vorkommt, gefährdet sie weder die Regel noch das Vertrauen ins elterliche Verhalten. Im Gegenteil - durch die logische Einsicht wird es meist sogar noch gestärkt.
- Stellen wir eine Frage, akzeptieren wir alle Antwortmöglichkeiten. Machen wir eine Ansage, sorgen wir dafür, dass sie auch eingehalten wird. Wir sagen also nichts an, was nachher nicht durchgezogen wird. (Könnt ihr euch vorstellen, einen Teenager mit TV Verbot von der abendlichen Familienrunde auf dem Sofa auszuschließen?! Wenn nicht, solltet ihr auf das Fernsehverbot verzichten.) Dabei versuchen wir unsere Kinder nicht von oben zu doktrinieren und formulieren unsere Forderungen als Wahlmöglichkeit - denn das macht das Leben fast ebenso viel leichter und vermeidet Wutanfälle fast genauso oft, wie nachgeben - nur dass sie sich halt trotzdem sicher fühlen können, wir verlässlich sind, sie richtiges Verhalten und einen respektvollen Umgang miteinander lernen: statt "putzt die Zähne" - "möchtest du lieber die oder die Zahnbürste heute", statt "du musst gewickelt werden" - "soll ich dir lieber unten oder oben den Popo sauber machen", usw. Wir versuchen ihnen also einen Rahmen zu geben, indem sie dann möglichst viel selbst entscheiden können. Und umso älter sie werden, umso größer wird dieser Rahmen. Sp hoffen wir, sie zu starken, selbstbewussten Persönlichkeiten zu erziehen.

Konsequenz kann man jederzeit noch in die Erziehung einbauen, wenn man sie noch nicht hat. Man sollte nur folgendes beachten:
- Von null auf hundert ist vor allem für die Eltern schwer. Fangt mit einer Situation an (zB Bett gehen oder Essen) und überlegt euch vorher, wie ihr immer gleich reagieren wollt.
- Holt euch Partner, Großeltern, Erzieher etc mit ins Boot, damit auch sie immer genauso reagieren.
- Stellt euch darauf ein, dass es etwas dauert und immer wieder mal getestet wird, ob Mama/Papa das jetzt WIRKLICH so meint, denn vorher haben sie es ja mal so gemeint, mal nicht. Kinder müssen ja auch erst merken und lernen, dass sich das geändert hat.
- Passt einen Zeitpunkt für die Veränderung ab, in dem ihr Ruhe habt, diese durchzuhalten, und in denen das Kind nicht noch zusätzlichen Stress (zB durch Schulstart oder ein neues Geschwisterchen) hat.
- Seid konsequent und stellt Regeln auf, wenn es Sinn macht. Zahnpflege muss sein - Teller leer essen, wenn man satt ist, muss nicht sein.
- Wenn Ausnahmen für Kinder von außen verständlich sind, schaden sie nicht. (Papa kommt ausnahmsweise später heim, also darf ich wach bleiben, bis Papa kommt.) Sobald Ausnahmen unverständlich sind,  lösen sie wieder Unsicherheit aus. (Warum gibt es heute keine Geschichte? Dagegen wehre ich mich mal. Das Kind kann ja nicht ahnen, dass man weg will oder vielleicht selbst einfach müde ist.) Hinzu kommt, dass Ausnahmen nur möglich sind, wenn es Ausnahmen und nicht die Regel sind. (Bei ca 80% Regel eingehalten, sind ca 20% Ausnahmen möglich, sagt die Hirnforschung.)

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