Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Montag, 27. April 2015

Schlaftraining

Ja - nein - vielleicht?

Prinzipiell: solange es allen Beteiligten damit gut geht, muss ein Kind weder an einem bestimmten Ort, noch zu einer bestimmten Zeit, noch auf eine bestimmte Weise ein- oder durchschlafen - egal was Außenstehende sagen und wie toll andere Babys angeblich durchschlafen. (Ich habe schon phasenweise akzeptiert, dass Baby und ich jede Nacht um 3h den Haushalt machten, weil einfach zwei Stunden nicht an Schlaf zu denken war - und sich fügen einfacher war als einen aussichtlosen Kampf zu führen - dann konnte ich auch tagsüber mit gutem Gewissen schlafen und Babys Rhythmus ändert sich im ersten Lebensjahr eh dauernd (nach dem 1. Geburtstag wollte ich sowas nicht mehr akzeptieren, ich musste ja auch wieder arbeiten und hab ein Schlafbedürfnis). Andererseits war ich sehr neidisch auf das Paar aus unserem Bekanntenkreis, dessen Baby angeblich schon von Anfang an durchschlief - bis ich mitbekam, dass sie um 23h das letzte Mal stillte, wenn sie ins Bett ging und um 5h wieder, wenn Papa aufstehen musste. 6 Std hat unser Sohn auch mal durchgeschlafen, allerdings genieße ich abends eine Stunde Ruhe und schlafe gern 8 Std. - also zählten 6 Std. für mich nicht zum Durchschlafen. *grins*)
Aber oft zehren die kindlichen (Ein-) Schlafgewohnheiten irgendwann an den elterlichen Kräften. Wird der "Leidensdruck" groß genug, suchen die Eltern nach Alternativen.

So war es zumindest bei uns. Und ich muss gestehen - obwohl die erste Woche Schlaftraining für unseren Sohn (und mich auch) manchmal hart war, ging es ihm (und mir erst!) mit Schlaftraining deutlich besser! Er war tagsüber ausgeglichener, weil ausgeschlafener, Mama war entspannter und hatte mehr Lust mitzuspielen, weil ausgeschlafener. Meines Erachtens war es das wert.
Aber (und das ist ein großes aber!) man sollte meiner Meinung nach immer zuerst rausfinden, was das Kind gerade braucht. Kein Kind macht nachts Terror, weil es seine eigene Stimme so schön findet! Und einem Kleinkind, dass z. B. gerade Nähe braucht, diese Nähe vorzuenthalten und es durch ein Training noch zusätzlich zu stressen, kann nicht gut sein. Dann vielleicht einfach mal ein halbes Jahr ins Familienbett?

Was ist denn nun ein "Schlaftraining"?
Jedes Kind wacht mehrmals die Nacht auf - und will meistens dann wieder so einschlafen, wie es gewohnt ist. Kann es diesen Zustand alleine herbeiführen (Schnuller wieder reinstecken, Kuscheltier in den Arm nehmen und umdrehen), bekommen Eltern das Aufwachen oft gar nicht mit. Braucht es dazu Hilfe (Flasche, Mamas Arm, ...) ruft es, bis jemand hilft. Also muss ein Elternteil hoch. Manches sind dabei allerdings einfach antrainierte Gewohnheiten, die man durch etwas bewusstes Training auch wieder modifizieren kann.

Anders ist es, wenn ein Bedürnis und keine Gewohnheit dahinter steht. Bei uns gab es vor dieser Phase einige Veränderungen: der Vollzeitpapa fing wieder an zu arbeiten und Mama war länger erkrankt und daher oft nicht voll einsatzfähig. Einerseits war er unsicher und musste sich unserer Nähe und Verfügbarkeit beim Einschlafen versichern. Das ging bei Papa problemlos, der war aber leider abends oft noch nicht da. Mit Mama wollte er jedoch nicht einschlafen, aus Angst, sie ist nicht mehr da, wenn er aufwacht. Ohne Mama auch nicht, weil er die Sicherheit brauchte. Auf die Idee mit Familienbett sind wir nicht gekommen, aber vielleicht wäre es für unseren Bauchschläfer eh nicht das Richtige gewesen - wer weiß. Andererseits hatten wir ihm aus schlechten Gewissen wegen der Situation ein paar blöde Einschlafgewohnheiten antrainiert, die an unseren Nerven zerrten (z. B. nur im Sessel auf Papas Arm einzuschlafen).

Ab dem 6. Monat können die meisten Babys angeblich mit zwei nächtlichen Mahlzeiten auskommen, ab dem 10. Monat 10-11 Std. nachts sogar ganz ohne Mahlzeit. Klar können sie sich auch daran gewöhnen, jedes Mal was zu trinken, wenn sie wach werden. (Wie formulierte es eine Freundin: "Wenn man mir 3x nachts einen frisch gepressten O-Saft bringt und den Rücken krault - dafür würde ich auch aufwachen.") Dann muss man halt mal ohne Flasche (oder Mann ohne Brust) kommen und trösten. 😉 Das klappte mit 10 Monaten bei uns sehr unkompliziert. Aber: nicht jedes Bany wird aus Hunger wach! Manchmal haben sie auch einfach aufregende Phasen und müssen sich regelmäßig versichern, dass Mama und Papa da sind, um es zu beschützen. Deswegen lehne ich Schlaftraining vor dem 14.-20. Monat ab!

Mit knapp 2 Jahren wurde es dann aber so schlimm, dass unser Sohn nicht mehr mit Mama im selben Raum einschlafen konnte (weil Mama immer mal wieder ging, also wollte er wach bleiben, bis Mama geht) und gleichzeitig nicht ohne Mama im selben Raum schlafen wollte. Er hielt sich ewig wach, war unausgeschlafen, tagsüber wurde ihm dann alles zu viel, Mama war genervt, wenn das Einschlafen ewig dauerte, besonders nachts. Mit Papa ging´s gut, incl Durchschlafen. Nur fing Papa wieder an zu arbeiten - incl Dienstreisen. Also musste sich was tun.

Wie genau das klassische Schlaftraining funktioniert, findet ihr hier. Aber bitte, bitte: lasst eure Babys nicht unnötig weinen und tröstet sie mit eurem Arm und Lächeln!!

Unser Problem war dabei: ich wollte unserem Sohn nicht die gewünschte und gebrauchte Nähe entziehen, da er in der Zeit auch viele Veränderungen überstehen musste (Papa arbeitet wieder, Mama war krank,...). Außerdem wollte ich ihm das aufgebaute Vertrauen in Mama und Papa "die immer da sind, wenn ich weine" nicht nehmen. Und zu guter letzt: er war 2 Jahre -  wenn er nicht liegen bleiben wollte, stand er auf.
Es gibt auch Alternativen, bei denen das Kind nicht weinen muss. Unsere funktionierte so:
- Wichtig war, dass er wirklich müde war, also lieber mal eine Std später ins Bett gehen. Dann habe ich ihn morgens trotzdem pünktlich geweckt, ich wollte ja nicht, dass sich sein Schlafrythmus verschiebt. (Kann man aber auch machen, falls man Kinder hat, die um 5h aufstehen und man lieber später aufstehen möchte. Einfach später ins Bett, nach ca. ein bis zwei Wochen fangen sie an, die Zeit morgens dran zu hängen.)
- Ein einziges Mal habe ich ihn in sein altes Gitterbett gesetzt und das klassische Schlaftraining durchgezogen. Aber er hat so sehr geweint, das war nichts für mich/uns. Gleichzeitig hab ich dabei aus Versehen sein Gitterbett negativ konditinoniert - ich hab ihm später manchmal das Gitterbett als Alternative Schlafmöglichkeit angeboten (weil ich dachte, das kennt er und vielleicht fühlt er sich sicherer), das hat er aber jedes Mal als Strafe wahrgenommen (hatte den positiven Nebeneffekt, dass er dann lieber im eigenen Bett liegen blieb). Zum Glück war es nur das alte Bett und nicht sein richtiges. Schlafen soll ja was Schönes sein, keine Strafe! Also bitte Obacht!
- Danach haben wir jeden Abend unser gemütliches Abendritual durchgezogen (zum Mittagsschlaf leicht reduziert): aufgeräumt, gepuzzelt, gebadet/gewaschen, Zähne geputzt, umgezogen, mit Milchflasche gekuschelt und ein Buch angesehen, ins Bett gelegt und gekuschelt - Gute Nacht Kuss und Mama geht raus. Ich hab ihn oft kurz weinen lassen, allerdings nie länger als ein paar Sekunden, bevor ich wieder rein ging (bzw meist kam er mir eh hinterher). Dann hab ihn zurück ins Bett gebracht, gestreichelt bis er sich beruhigt hatte (egal wie lang das dauerte) und ganz entspannt schien - und bin wieder raus. Das "Spiel" haben wir zwei, drei Mal gespielt, dann fing ich an, ihm Alternativen anzubieten: willst du lieber ins Gitterbett, willst du noch eine Milch mit ins Bett nehmen, willst du ein Auto mit ins Bett nehmen, soll ich das Feuerwehrmann Sam Hörspiel anstellen,...
- Im Laufe der ersten Woche haben wir dann rausgefunden, was für ihn akzeptable Alternativen waren (Sam-Hörspiel und Auto mit ins Bett) und die "Trainingszeit" verkürzte sich von anfangs 1,5 Std. auf 0,5 Std. Gleichzeitig (und noch viel wichtiger) lernte er: es ist okay, egal wie oft ich weine und rufe, ich bin nicht allein, Mama oder Papa sind da und kommen zu mir, ich bin sicher. Inzwischen sind wir bei 20 Min incl Abendritual und ganz ohne weinen angekommen. Mittagsschlaf wurde auch viel, viel entspannter, freiwilliger und wieder regelmäßiger. Schlafen ist endlich wieder was Positives geworden. Nachts höre ich zwar manchmal, wenn er kurz wach wird und nach seinen Autos sucht. Aber oft schläft er dann von alleine wieder ein. Manchmal möchte er was trinken und dann muss Mama natürlich hoch und ihm eine Milch reichen. Aber erstens bin ich nach 10 Minuten wieder im Bett (statt wie vorher nach 1-2 Std.) und zweitens - hört das irgendwann von allein auf (schon mal nen 18jährigen gesehen, der nachts nach Mama ruft?!). Für den Moment, sind wir so alle sehr glücklich mit der Situation. Allerdings versteht er momentan dabei keine "Ausnahmen". Alles muss immer gleich sein, Mama darf nicht (nur weil der Tag anstrengend war oder sowas) eine Ausnahme machen und bis zum Einschlafen bleiben. Und wenn die Tage so anstrengend waren, dass er ein paar Mal neben Mama einschlief, müssen wir z. T. nochmal wieder ein paar Tage das Einschlafen trainieren.

Fazit: für uns hat es super funktioniert - aber manchmal frage ich mich doch, wenn ich damals schon so über das Schlafen im Familienbett informiert gewesen wäre, ob es nicht besser für ihn hätte sein können? Aber das muss nicht so sein und werden wir nie erfahren - und vielleicht werden wir es noch wieder so machen, falls wir unsere Tochter irgendwann ans eigene Bett gewöhnen müssen. (Noch hoffe ich, dass das einfach irgendwann von alleine läuft. 😉)

Liebste Mami, 
ich bin ganz durcheinander. Ich bin daran gewöhnt, in deinen weichen, warmen Armen einzuschlafen. 

Jede Nacht liege ich eng an dich gekuschelt; nah genug um deinen Herzschlag zu hören, nah genug um deinen wunderbaren Duft zu riechen. 
Ich sehe dein schönes Gesicht an, während ich allmählich in den Schlaf gleite, sicher und geborgen in deiner liebevollen Umarmung. 
Wenn ich aufwache, weil mein Magen knurrt, meine Füße kalt sind oder ich Deine Nähe brauche, bist du sofort bei mir und es dauert nicht lange, bis ich wieder tief und fest schlafe. 

Aber seit letzter Woche ist alles anders geworden? 
In dieser Woche lief es jede Nacht so: 
Du hast mich in mein Kinderbett gelegt, mich mit der Bettdecke zugedeckt und mir einen Gute-Nacht-Kuss gegeben. 
Und dann hast du das Licht ausgemacht und bist weggegangen. 

Zuerst war ich verwirrt und habe mich gefragt, wo du hin bist. 
Schnell wurde mir angst und bange und ich habe nach dir gerufen. 
Ich habe gerufen und gerufen, nach dir, Mami. 

Aber du bist nicht gekommen! 
Ich war so traurig, Mami, ich habe mich so sehr nach dir gesehnt. 
Ich habe noch nie vorher so starke Gefühle gehabt. 

Wo bist du hin? 
Irgendwann bist du zurückgekommen! 
Oh, was war ich glücklich und erleichtert, dass du wieder da warst! 
Ich hatte schon gedacht, du hast mich für immer verlassen! 
Ich habe dir meine Arme entgegengestreckt, aber du hast mich nicht hochgenommen. 
Du hast mir noch nicht einmal in die Augen geschaut. 

Du hast mich mit diesen warmen, weichen Armen wieder hingelegt, sagtest nur: ?Shhhh, jetzt ist Schlafenszeit.? und bist wieder weggegangen. 
Das wiederholte sich mehrmals, wieder und wieder? 

Ich weinte und rief nach dir und nach einer immer längeren Zeit bist du endlich zurückgekommen, hast mich aber nicht in die Arme genommen. 
Nachdem ich eine ganze Zeit geschrien hatte, konnte ich nicht mehr und musste aufhören. 
Mein Hals tat einfach zu sehr weh. 
Mein Kopf dröhnte und mein kleiner Magen hat geknurrt. 

Am schlimmsten aber schmerzte mein Herz. 
Ich konnte einfach nicht verstehen, warum du nicht kommst? 
Nach mehreren solchen Nächten, die sich für mich unendlich anfühlten, habe ich aufgegeben. 

Du kommst nicht, wenn ich schreie, und wenn du irgendwann doch endlich kommst, siehst du mir nicht einmal in die Augen, geschweige denn, nimmst du meinen zitternden, schluchzenden, kleinen Körper in die Arme. 
Das Schreien tut zu weh, um es sehr lange weitermachen zu können. 

Ich verstehe es einfach nicht, Mami. 
Während des Tages, wenn ich hinfalle und mir den Kopf stoße, nimmst du mich hoch und küsst meinen Schmerz weg. 
Wenn ich hungrig bin, stillst du mich oder gibst mir zu essen. 

Wenn ich zu dir krabble, um geknuddelt zu werden, liest du meine Gedanken, nimmst mich hoch, küsst mein kleines Gesicht und sagst mir, dass ich etwas ganz besonderes für dich bin und wie sehr du mich liebst. 
Wenn ich dich brauche, bist du sofort für mich da. 

Aber in der Nacht, wenn es dunkel und still ist und mein Nacht-Licht komische Schatten an die Wände wirft, verschwindest du. 
Ich kann schon sehen, dass du müde bist, Mami. 

Aber ich liebe dich so sehr, ich möchte einfach nur nah bei dir sein. Das ist alles. 
Jetzt bin ich ruhig in der Nacht? 

Aber ich vermisse dich trotzdem ? immer noch 
(Verfasser unbekannt)

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