Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Samstag, 9. Mai 2015

Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg

Die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg funktioniert meines Erachtens mit Pubertierenden und Erwachsenen (also z. B. dem Ehemann ;) ) am besten. Angeblich solle man sie auch bei Kleinkindern schon anwenden, für mich ist das manchmal schwierig, obwohl ich den Grundtenor anstrebe - vielleicht hab ich aber auch einfach nicht die Geduld dafür.
Aber meinen "erwachsenen" Beziehungen hat diese Kommunikationsart sehr gut getan.

Konkrete Beobachtungen äußern - ohne Interpretation:
Häufig formuliert man etwas so, vor allem wenn Emotionen dazu kommen: "Du bist neuerdings immer die erste im Büro - was verfolgst du denn für Pläne?" Nach Rosenberg müsse es so lauten: "Du bist diese Woche schon zum dritten Mal die erste hier!"
Keine Pauschalisierungen, wie z. B. immer, nie, jedes Mal - sondern eine konkrete Zeit- und Raumangabe. Und keine Vermutungen, warum dies so sein könne - denn wissen kann man es nicht, unsere Interpretation basiert auf unseren Vermutungen über die Motivation anderer. Wer weiß denn, ob die Kollegin nicht dafür eher gehen muss oder einfach ihre Tochter morgens gerade schnell fertig ist und sie entspannt los kommt.
Also z. B. Du hast dir diese Woche die Zähne zwei Mal nicht geputzt. Du hast heute das dreckige Geschirr nicht in die Spülmaschine geräumt. Du guckst während des Essens schon zum dritten Mal auf dein Handy. Du warst diese Woche vier Abende pünktlich zu Hause.

Konkret die eigenen Gefühle dazu äußern - auf das Ereignis, nicht die Person bezogen:
begeistert, beruhigt, erleichtert, froh, gespannt, glücklich, lustig, zufrieden, ...
ängstlich, angespannt, besorgt, einsam, erschöpft, genervt, traurig, verärgert, wütend, ...
Also z. B.: Ich bin besorgt um deine Zähne. Ich war darüber verärgert. Dann fühle ich mich einsam. Das hat mich gefreut.

Die eigenen Bedürfnisse äußern - an eine konkrete, erfüllbare, überprüfbare Bitte geknüpft:
Man sollte vorher überlegen, woher die eigenen Gefühle kommen, was man braucht. Dann sollte man eine Bitte formulieren, bei der es dich um eine konkrete, überprüfbare Handlung handelt. Wichtig sei dabei, keine Forderungen zu stellen - also zu akzeptieren, wenn eine Bitte abgelehnt würde, ohne Strafen oder Autorität bei nicht Erfüllung.
Also z. B.: ... weil ich kein Geld für eine teure Zahnbehandlung habe. Würdest du jeden Morgen und jeden Abend fünf Minuten Zähne putzen? - ... weil ich das dann tun musste. Würdest du das Geschirr bitte direkt nach der Benutzung in die Spülmaschine räumen? - ... weil ich mich gerne mit dir unterhalten möchte. Kannst du das Handy während des Essens weglegen? - ... weil ich gerne mit dir abends noch etwas Zeit verbringe. Würdest du auch nächste Woche vier Abende pünktlich zu Hause sein?

Zusammenfassung: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte: Als du ... getan hast (Beobachtung), war ich ... (Gefühl), weil ich möchte, dass ... (Bedürfnis). Würdest du...? (Bitte)
Du hast dir diese Woche die Zähle zwei Mal nicht geputzt. Ich bin besorgt um deine Zähne, weil ich möchte, dass dein Lächeln so schön bleibt. Würdest du bitte jeden Morgen und jeden Abend deine Zähne putzen?
Du warst diese Woche vier Abende pünktlich zu Hause. Das hat mich sehr gefreut, weil ich gerne gemeinsam mit dir Abendessen möchte. Würdest du das morgen auch tun?
Als wir die Hausarbeit verteilt haben, hast du dich bereit erklärt, den Müll heraus zu bringen. Diese Woche habe ich das zwei Mal machen müssen, weil er so voll war. Da war ich wütend, weil ich mich nicht um alles alleine kümmern möchte. Würdest du bitte jeden Morgen einen Blick auf den Mülleimer werfen, ob er geleert werden muss?

Bitte um Wiederholung: Wenn der Gegenüber wiederholt, was er verstanden hat, kann man sicher sein, dass der andere verstanden hat, was man sagen wollte. Erschreckend häufig ist das nicht der Fall, da auch der andere die eigenen Äußerungen interpretiert und Einzelheiten überhört oder missversteht. Gleichzeitig sollte man sich auch angewöhnen, die anderen zu wiederholen oder nach den dahinter stehen Gefühlen fragen.

Auf Angriffe / Äußerungen anderer reagieren 
durchatmen, die eigenen verurteilenden Gedanken feststellen, die eigenen Bedürfnisse dahinter feststellen, dem anderen Empathie geben (Wie fühlst du dich? Fühlst du...? Bist du empört, weil du denkst...? Ist dir wichtig, dass...?) - dann die eigenen Gefühl und Bedürfnisse aussprechen.
- die eigenen Gefühle wahrnehmen: Ich fühle mich verletzt, weil ich ... möchte.
- die Gefühle und Bedürfnisser anderer wahrnehmen: Bist du böse, weil du .... möchtest?
NIE: ICH fühle mich ..., weil DU... IMMER: Ich-Gefühl + Ich-Bedürfnis oder Du-Gefühl + Du-Bedürfnis
Immer dran denken: Ich bin nicht verantwortlich für die Gefühle anderer (und sie nicht für meine), aber ich kann respektvoll damit umgehen! Selbstvorwürfe helfen nicht weiter. Besser: überlegen, was brauche ich jetzt!

Zur Beruhigung: selbst Rosenberg gab zu, wie oft es ihm, besonders mit seinen eigenen Kindern im Alltag, nicht gelang. Aber seine (und auch meine) Erfahrung zeigt: wenn man sich einem Gespräch bewusst nach diesen Prinzipien widmet, läuft es meist erfolgreich und entspannt.

 

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