Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Dienstag, 12. Mai 2015

Papa in Elternzeit

Ich muss ja immer etwas grinsen, wenn mir eine Mutter stolz erzählt, "Mein Mann hat Elternzeit genommen."
Meine erste Frage lautet dann: "Wie lange denn?", die zweite "Hast du während dessen gearbeitet?"

Schön ist auch die Statistik: 27,3% der Väter haben Elterngeld bezogen (Mütter 95%).

Haha! Im Normalfall hört man dann nämlich: Wir haben die Elternzeit des Vaters für einen ausgiebigen Urlaub genossen. Mein Mann hat während dessen endlich die Garage aufgeräumt. Bestenfalls noch: Ich war in den zwei Monaten endlich mal wieder zwei, drei Mal die Woche kurz allein irgendwohin. Ui....
Irgendwie tue ich mich schwer, "Väter in Elternzeit" anzuerkennen, wenn sie a) nicht nachts aufstehen, b) Mama trotzdem noch den ganzen Tag zu Hause ist und die Haupt-Haus-und-Kinder-Arbeit leistet und sie c) alles mögliche tun - aber kaum intensive Vater-Zeit mit dem entsprechenden Kind verbringen.

Immerhin etwas respektabler verdienen sich die Väter den Begriff "Elternzeit", indem sie Mutter und Kind den Berufseinstieg erleichtern und ihre Elternzeit nehmen, wenn Mama wieder anfängt zu arbeiten. Oder die ersten gemeinsamen Wochen erleichtern, denn so eine Geburt ist für alle Beteiligten ja nun kein Zuckerschlecken.

Denn so sieht die Realität aus: 77% der Väter in Elternzeit beziehen nur die zwei Monate Elterngeld, die es zusätzlich gibt, wenn beide Elternteile Elternzeit nehmen, nur 7% der Väter beziehen 12 Monate Elterngeld. Rechnet man das auf die geborenen Kinder um, sind es 2% Kinder, die mit Vätern in Elternzeit groß werden.

Allerdings muss man auch sagen, dass das Elterngeld Besserdienende unverhältnismäßig stark benachteiligt, was ich bei der gleichzeitig Forderung des Staates Akademiker sollen mehr Kinder bekommen und auch der besserverdienende Elternteil soll im Zuge der Gleichberechtigung in Elternzeit gehen können, schlicht für eine Farce halte! So wird z. B. ein fiktives Höchstgehalt von 2770€ angenommen - höchstens davon bekommt man 65% während des Elterngeldbezugs. Verdient man mehr, muss man die Differenz irgendwie selbst ausgleichen. Besonders nachteiligt wirkt sich das beim neuen Elterngeld Plus aus. Arbeitet man Teilzeit bekommt man 65% der Differenz zwischen Teilzeitgehalt und vorgeburtlichem Gehalt ausgezahlt - bzw die Differenz zwischen Teilzeitgehalt und fiktivem Höchstgehalt von 2770€. Das mag einigen als Luxusproblem scheinen, wenn man mehr als 2770€ verdient, sollte man es sich leisten können. Unberücksicht bleibt dabei aber, dass besonders Akademiker meist zum Zeitpunkt der Erziehungszeiten noch BAFöG oder Studiendarlehn zurück zahlen, sich meist bevor die Kinder kamen ein Haus gekauft haben etc. - und somit hohe monatliche Belastungen haben. Das dann der Besserverdienende ausfällt ist häufig nicht möglich. Das ist schade für die Eltern und die Kinder - und ich finde es diskriminierend vom Staat!

Unser Sohn gehört zu den 2% mit Vollzeit-Papa. Genau genommen, gehört unser Sohn zu einem Prozentsatz, der so verschwindend gering ist, dass er in den offiziellen Statistiken nicht einmal auftaucht: Papa war zwei Jahre in Elternzeit. Und ich gebe zu: es war für alle Beteiligten eine Herausforderung.
Papa musste den offenbar natürlichen Instikt ablegen, Mama zur Hilfe zu rufen. Da kam uns die Technik allerdings entgegen. Kurz bevor ich nach dem Mutterschutz wieder arbeiten musste, nahm mein Mann eine Flasche abgepumpte Milch und setzte mich vor die Tür mit den Worten: "Du musst mal alleine raus, bevor zu wieder arbeiten musst. Wenn was ist, rufe ich an." Als ich dann von der Maiwoche wiederkam, merkte ich erst, dass das Handynetz wohl ausgefallen war. Auf dem Rückweg zeigte mein Handy dann nämlich 25 verpasste Anrufe und 10 SMS an, die vorher nicht da waren. Als ich etwas panisch zu Hause ankam, schliefen beide friedlich. Und das war die erste Lektion für uns alle: Mama hat auch keine Ahnung und wurstelt sich da irgendwie mit "try and error" durch - das kannst du auch! Danach war das Schlimmste geschafft. Mein Mann fragte nicht mehr, ich korrigierte nicht mehr. Und unser Sohn lebte wunderbar damit, dass Papa die Flasche und Mama die Brust gab, dass Papa abends länger schmuste und Mama dafür etwas vorlas, dass Papa mit ihm duschte und Mama ihn badete, dass Papa seltsame Kleidersammelsuria anzog und Mama abends vorher das passende Outfit zurecht legte, dass Papa den Apfel nur 4 Minuten dünstete, bevor er püriert wurde, und Mama 6 Minuten, dass Papa ihm bei 15 Grad noch eine Strumpfhose anzog und Mama ihn mit dem Waschbecken die Küche unter Wasser setzen lies, ... ;)

Versteht mich nicht falsch - das größte "Problem" mit dem Arrangement hatte ich. Denn ICH musste lernen, mich nicht immer für alles verantwortlich zu fühlen und zu akzeptieren, dass ich nunmal nicht die Hauptverantwortliche zu Hause bin und auch mal zu Hause "frei" haben darf, dass der Haushalt nicht so aussieht, wie ich ihn gerne hätte und dass trotzdem alle Beteiligten überleben, dass Mann und Sohn nicht permanent zu Hause auf mich warten und ich alles was nicht Arbeit ist aufgeben muss, um ja möglichst viel zu Hause zu sein. Hat auch nur 1,5 Jahre und einen fast-BurnOut gedauert, bis ich das erkannt habe - es dauert immer noch an, das umzusetzen. -.-'
Der erste Schritt war eine Putzfrau - denn ehrlich: wenn es nicht so sauber ist, wie ich es haben will, mecker und putze ich. Ersteres nicht gut für unsere Beziehung, zweiteres nicht gut für mich. Seit ich diejenige in Elternzeit bin, weiß ich aber auch, wie schön es ist, mal aufräumen und putzen zu können, wenn´s passt, aber "für's Grobe" eine regelmäßige Hilfe zu haben.

Papas in Elternzeit scheinen mir sowieso entspannter. Wäsche muss ja gemacht werden, sonst hat man nichts anzuziehen. Aber keiner stirbt, wenn es abends nur Brot statt einer gekochten Mahlzeit gibt, die Spülmaschine nicht ausgeräumt ist, das Haus unter Spielzeug begraben wurde, während der Mittagsstunde des Kindes Fernseh geguckt statt aufgeräumt wurde und die Banane mit sandigen Händen besser schmeckt... Und wenn Mama voll schlechtem Gewissen nach Hause eilt (welcher arbeitende Papa tut das denn?), lehnt auch kein Papa, den ich kenne, die Chance ab, in Ruhe seinem Hobby nachzugehen, weil Mama sich ja dann für´s Kind verantwortlich fühlt. Mein Mann zumindest konnte sich trotzdem entspannt um 18h, wenn das Kind bettfertig gemacht wurde, vor den Fernseher setzen oder mit Kumpels treffen oder im Keller seinem Bastel-Hobby nachgehen. Welche Vollzeit-Mama tut das denn? Und warum eigentlich nicht?! (Fragt mich nicht, ich tu´s auch nicht - z. T. weil mein Mann es nicht so komentarlos übernimmt, wie ich es getan habe, z. T. weil ich es nicht einfordere, sondern mich verantwortlich fühle - er hat ja 9 Std. gearbeitet.)

Beim zweiten Kind gehörte er dann zu den 27,3% der zwei-Monte-Elternzeit-Väter. Und ich hab´s ehrlich gesagt genossen, diesmal zu Hause sein zu können, den Haushalt so zu haben, wie ich will, nach dem nächtlichen Stillen tagsüber ab und zu Mittagsschlaf machen zu können, den Garten und Haushalt nicht permanent "nebenbei" erledigen zu müssen (damit er so ist, das ich mich auch wohl fühle), mal ein paar Seiten zu lesen, während die Kinder im Sand buddelten, Arzttermine etwas flexibler gestalten zu können, mich mit anderen Müttern zu treffen... Aber zu seiner Verteidigung sei gesagt: einen Monat direkt nach der Geburt, einen Monat als ich wieder anfing zu arbeiten - und er ist sowohl während der Elternzeit als auch während der Arbeitszeit mal nachts oder morgens aufgestanden! :D Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mir nach seinen eigenen Elternzeit-Erfahrungen trotzdem manchmal etwas mehr Einsatz zu Hause gewünscht hätte (und das liegt nur z. T. an seinen Arbeitszeiten, aber es macht auch keinen Spaß permanent alles einfordern zu müssen).

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