Mother Wars

Es ├Ąrgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-wei├č gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft f├╝hle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-wei├č!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, ├╝ber die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider f├╝hlen sich andere M├╝tter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ├Ąhnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die f├╝r alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bed├╝rfnisse hat, die man erf├╝llen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur gl├╝ckliche Eltern erziehen gl├╝ckliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer sch├Ân findet.
Nach diesen Glaubenss├Ątzen versuche ich im Jungle von Ratschl├Ągen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem gl├╝cklich damit leben k├Ânnen...

Montag, 4. Mai 2015

Spagat (oder eher Breakdance): Kind, Job, Partnerschaft

Ich liebe meine Kinder. Aber: ich liebe meinen Mann mehr.

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Ich warte auf die Steinigung. 😉

Das heißt nicht, dass ich nicht zuerst meine Kinder aus einem brennenden Haus retten würde oder meinem Mann in einen reißenden Fluss nachspringen würde. Meine Kleinkinder sind nämlich wesentlich hilfsbedürftiger und ich möchte sie auch nicht auf einen Schlag zu Vollwaisen machen. Aber meine Kinder leben in 15 bis 20 Jahren hoffentlich ihr eigenes, glückliches Leben, mit meinem Mann führe ich dann hoffentlich noch ein gemeinsames Leben.

So schön schmusen mit meinen Kindern ist, mit meinem Mann ist es intensiver. Und so ein toller Vater mein Mann auch ist - als Ehemann und Freund und Liebhaber ist er auch ziemlich gut! Und da er nicht mein Vater ist, ist er in diesen drei Bereichen für mich sogar noch besser.

Aber Partnerschaft mit (Klein-)Kind?
Wir haben es, bevor wir Kinder bekamen, so oft bei Freunden und Bekannten gesehen - sie waren auf einmal nur noch ein Elternteam, sie redeten sich gegenseitig mit "Mama" und "Papa" an, erklärten Sex für völlig unbedeutend und erzählten sich gegenseitig nur noch, was der Nachwuchs Tolles getan hatte.

Als für uns das Thema Kinder aktuell wurde, haben wir daher ein KEK Paarkommunikations-Seminar gemacht. Mein Mann ließ sich nur unter der Bedingung, nach wenigen Stunden abbrechen zu dürfen, wenn es ihm nicht gefiele, überreden - aber nach nur vier Stunden war er sehr begeistert von den zwei Wochenenden, die uns erwarteten. Man bekommt von Psychologen oder anderem Fachpersonal das Werkzeug an die Hand, miteinander zu reden, tun muss man es aber unter vier Augen. Jedoch kann man sich jederzeit Hilfe bei den Leitern holen, wenn gebraucht und gewünscht. Nach der zweiten Stillzeit, wollen wir das Ganze dann nochmal auffrischen, im Alltag geht ja doch einiges wieder unter.

Gleichzeitig haben wir schon vor der Geburt gewisse "Regeln" für uns aufgestellt, um typische Beziehugnsfallen zu vermeiden:
- jeder sollte das Recht haben, alleine und ohne Vorwürfe was für sich bzw. mit Freunden machen zu können (wichtig war nur die gleichmäßige Verteilung, denn auch wenn ein Job anders anstrengend ist als mit Kind zu Hause zu sein und man auch mit Kind mal raus kann - Freizeit ist es nicht)
- ein Babysitter für regelmäßige Paarzeit (bei der das Thema "Kinder" auf ein Minimum beschränkt sein sollte)
- Paarzeit im Alltag: mal kochen, wenn die Kinder im Bett sind, gemeinsam einen schönen Film aussuchen, Hand in Hand spazieren gehen,...
- miteinander reden, auch mal über was anderes als Kinder: fragen wir die Arbeit war, was es beim Hobby Neues gibt, wie es gemeinsamen Freunden geht, etc.: kurz Smalltalk halten, denn beim Smalltalk geht es nicht um Sachinformationen, sondern darum Beziehungen zu knüpfen und zu erhalten. Der häufigste Scheidungsgrund: wir haben uns auseinandergelebt. Ein Paartherapeut sagte mal, die Menschen sagen bei Trennungen "Wir haben uns nichts mehr zu sagen." - umgekehrt werde ein Schuh daraus: man trenne sich, weil man sich so lange nichts mehr gesagt habe
- sich beide für die Erziehung der Kinder verantwortlich fühlen und sich gegenseitig unterstützen, ohne dass man darum bitten muss: den anderen Mal ausschlafen lassen, jeder wickelt mal volle Stinke-Windeln oder fühlt sich für Elternabende verantwortlich, dem anderen nicht rein reden WIE er die Windeln wechselt oder so, dem anderen ein kleines Dankeschön mitbringen - kurz: aufmerksam für die Bedürfnisse der Kinder und des Partners sein - und sich niemals vor den Kindern widersprechen, was Erziehungsfragen angeht.
- eine Haushaltshilfe "für´s Grobe"
- unser Intimleben nicht aus den Augen verlieren, auch wenn man es manchmal planen und sich vom gemütlichen Sofa wider Willen erheben musste, denn vor lauter Müdigkeit und Aufgaben und liegen gebliebener Wäsche war die romantische, lustvolle Stimmung doch manchmal nur mühsam auszugraben. (Und nichts ist so ein Lustkiller, wie wenn bei einem leidenschaftlichen Kuss unter dem Wäscheberg auf einmal ein Teddy singt: "Kopf, Schulter, Knie und Zehn - Knie und Zehn!" oder ein Baby zum dritten Mal in 30 Minuten schreit.) Aber diese Stress-lustlos-Phasen haben auch Paare ohne Kinder - nur gehen sie da schneller vorbei. Aber will man wirklich zwei oder drei Jahre auf körperliche Intimitäten verzichten, bis man mal wieder so entspannt ist? Ich verrate euch was: das entspannt auch! 😈

Ich gebe es zu: wir haben nur ca. 50% der Regeln eingehalten (immer mal andere 50%) und wir waren müde und genervt und haben uns gestritten (ja, auch vor den Kindern) - und wir haben uns versöhnt (auch vor den Kindern) und gelacht und uns geküsst und uns bemüht. Und (bisher zumindest) wir haben es geschafft - und das meistens sogar sehr glücklich.

Schwierig ist es, wenn dann noch ein Job dazu kommt. Der arbeitende Elternteil kommt nach Hause, ist völlig k.o. und hat den Kopf noch voller Job-Termine. Der kinder-kümmern-Elternteil ist ebenso k.o. und so froh, dass jemand mal das Baby halten kann, während er/sie in Ruhe auf´s Klo kann, und jemand im selben Raum ist, der a) ganze Sätze spricht und b) ja wohl mindestens genauso begeistert davon ist, dass Sohnemann jetzt schon Bauklötze stapeln kann.
Oder noch besser - zwei Jobs: vor lauter Terminkoordination (wer holt wen wann wo ab und wer muss wann nochmal los und wann hat man mal Familienzeit und wer macht den Einkauf und die Wäsche...) ist man schon froh, wenn man den Partner mal in Ruhe ansehen kann, wenn man ins Bett fällt - und er schon zwei Stunden schläft, weil er in vier Stunden schon wieder los muss.

Aus beruflichen und finanziellen Gründen habe ich acht Wochen nach der Geburt unseres ersten Kindes wieder begonnen zu arbeiten, während mein Mann zwei Jahre in Elternzeit ging. Gleichzeitig ist ein Teil meiner Arbeitszeit flexibel, so dass ich mich bemühte, diesen Teil zu arbeiten, wenn unser Sohn schlief. Das klappte super: unser Sohn hat eine sehr intensive Beziehung zu beiden Elternteilen, mein Mann hatte trotz Elternzeitl viel Zeit für ein Hobby und für Renovierung und Gestaltung unseres Eigenheims - und ich hatte einen BurnOut. Keine Ahnung woher - etwa nur, weil ich nachts drei Mal aufstand zum Stillen, trotzdem um 8h anfing zu arbeiten, von 20h bis 24h und auch am Wochenende arbeitete und nachmittags noch einen auf Vollzeit-Spielplatz-Mutti machte?! Quaaaaaaatsch, daher bestimmt nicht.
Einiges an physischen Therapien (starke Spannungskopf- und -rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, etc.) und psychischen Therapien (ich hab ja wenigstens erkannt, dass Psychosomatik eine Rolle spielen könnte...) war ich etwas schlauer.
Ich hab die zweite Schwangerschaft genutzt, mich berufsunfähig schreiben zu lassen und mich vor dem zweiten Kind etwas zu regenerieren. Ich habe ab 20h Feierabend gemacht, sowohl was Arbeit als auch was Familie anging (d. h. die Kinder gingen dann ins Bett - oder Papa war dran, Nachtschichten haben wir abgesprochen). Ich hab die Bedüfnisse von Mann und Kindern nicht mehr permanent über meine eigenen gestellt - und mich mal wieder gefragt, was meine eigenen eigentlich sind. (Wem das schwer fällt - mir hat folgender Gedanke geholfen: Kinder tun, was wir ihnen vorleben. Will ich wirklich, dass meine Kinder sich selbst und ihre Bedürfnisse nicht ernst nehmen, bis hin zu schweren Krankheiten? Will ich wirklich, dass meine Kinder in dem Glauben aufwachsen, die anderen seien immer wichtiger als man selbst? Schon Jesus predigte: "Liebe deinen Nächsten - WIE DICH SELBST!" Nicht weniger, aber auch nicht mehr!) Ich habe kommunziert, was ich brauche, und nicht darauf gewartet, dass man(n) es errät, auch wenn andere nicht immer begeistert waren. (Ich muss jetzt noch eine Stunde schlafen, du stehst jetzt auf. Ich will Sonntag mit meinen Freundinnen brunchen, fahrt ihr doch bitte eine Runde gemeinsam Rad. Mittwoch musst du pünktlich zu Hause sein, ich möchte zum Sport.) Ich bin beim zweiten Kind in Elternzeit gegangen, solange wir es uns gerade eben leisten konnten.
Und ich habe etwas getan, was mir unfassbar schwer fiel: ich habe unsere Prinzessin schon mit elf Monaten in der KiTa fremd betreuuen lassen.

Ein allgemein gültiger Rat, um diesen Breakdance vor allem während der Kleinkind-Phase zu überstehen? Gibt es nicht - jede Familie ist anders, jedes Elternteil ist anders, jedes Kind ist anders, jeder Job ist anders, jeder Betrieb ist anders.
Oder doch, vielleicht einen: reden, reden, reden. Bedürfnisse kommunizieren und aufeinander abstimmen, immer neu schaun, was gut läuft und was verbessert werden muss, versuchen, ob man sich irgendwo Unterstützung organisieren kann in den einzelnen Bereichen (Kollegen, Großeltern, Babysitter, Haushaltshilfe,...) usw.

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