Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Donnerstag, 18. Juni 2015

Die 5 Sprachen der Liebe (Chapman)

Der Paartherapeut Gary Chapman hat das Konzept der "5 Sprachen der Liebe" entwickelt und damit sehr erfolgreich vielen Paaren geholfen. Er geht davon aus, dass jeder Mensch seine Liebe auf eine von fünf Arten ausdrückt - und sich auch (nur) dann geliebt fühlt, wenn er Liebe auf diese Art gezeigt bekommt. Wenn in einer Partnerschaft (oder Freundschaft oder überhaupt jeder Art von zwischenmenschlicher Beziehung) zwei Menschen unterschiedliche "Liebessprachen" sprechen, kann es zu unnötiger Unzufriedenheit führen.
Der Kinderpsychologe Ross Campbell hörte von Problemkindern oft den Satz, dass sie sich nicht geliebt fühlten (nicht, dass sie nicht geliebt wurden!) und entwickelte daraufhin zusammen mit Chapman "die 5 Sprachen der Liebe für Kinder". Laut Campbell kann man Kinder mit dieser Art der bedingungslosen Liebe nicht "überfüttern" oder verwöhnen - ganz im Gegenteil, vieles laufe unproblematischer, wenn Kinder genug davon bekämen und nur so würden sie zu selbstbewussten, verantwortungsvollen Erwachsenen. Das schließt aber ganz explizit nicht ein gewisses Maß an Erziehung, Disziplin oder auch mal Strafen aus.

Hier finden Sie einen Test, um Ihre eigene Liebessprache zu entdecken. Er kann auch mit dem Partner zusammen durchgeführt werden. Da Kinder bis 5 Jahre nach Cambell allerdings alle fünf Liebenssprachen benötigen, um sich psychisch gesund zu entwickeln, werde ich sie hier kurz (mit einigen praktischen Anwendungsbeispielen für den Alltag) vorstellen. Im Anschluss gibt es dann ein paar Hinweise, wie man die Liebessprache des eigenen Kindes herausfinden kann, und wie "strafen" innerhalb dieses Konzepts funktioniert.

Die erste Sprache der Liebe: Körperkontakt
Im Zeitalter von Kinderpornographie und Pädophilie-Skandalen neigen wir schnell dazu, allzu kritisch zu sein. Eine Mutter in meinem Bekanntenkreis äußerte völlig empört (wenn nicht schon panisch), dass der Nachbar mit seiner 3-jährigen Tochter zusammen bade. Natürlich gibt es Menschen, die ihre krankhaften Neigungen an unschuldigen Kindern ausleben und niemand sollte die Augen davor verschließen. Aber alle (besonders alle Männer) unter Generalverdacht zu stellen und Kindern ausreichend körperliche Zuwendung vorzuenthalten, kann nicht die Lösung sein! Untersuchungen zeigen, dass Kinder ohne ausreichend körperliche Nähe (besonders in den ersten Lebensjahren) schwere psychische Schäden davon tragen. (Deswegen sind wir persönliche auch Fans vom Tragetuch.) Das gilt für körperliche Nähe von männlichen und weiblichen Bezugspersonen gleichermaßen. Wie soll denn ein Mädchen später eine gesunde Partnerschaft aufbauen, die nie positive körperliche Zuwendung vom Vater erhalten hat? Umgekehrt müssen Sie natürlich eine Art von physischer Zuwendung finden, mit der Sie (und ihre Kinder) sich auf wohl fühlen. Gleich dafür ein paar Beispiele. Wichtig ist aber, Jungen und Mädchen hier erst einmal gleich zu behandeln! Ihre Kinder zeigen ihnen dann schon, wenn ihnen in einer bestimmten Entwicklungsphase, die eine Art lieber ist als die andere. Besonders in der Pubertät wird dies manchmal schwierig – auch wenn Kinder dann ein besonders hohes Maß an Zuneigungsbedürfnis haben. Jungs distanzieren sich, Mädchen suchen besonders die Körpernähe zum Vater (oder einer anderen männlichen Bezugsperson) – und trotzdem brauchen beide von beiden Elternteilen körperliche Zuneigung, allerdings eher in den eigenen vier Wänden, nicht mehr in der Öffentlichkeit. Diese Sprache kann problemlos und sollte durchaus täglich genutzt werden.

Beispiele für Körperkontakt
·         Arm in Arm ein Buch (vor-)lesen oder einen Film ansehen
·         Kuscheln beim Stillen oder Flasche geben
·         eine Umarmung oder ein Kuss (z. B. bevor man das Haus verlässt, wenn man heim kommt, ins Bett geht oder zwischendurch)
·         Streicheleinheiten beim wickeln, baden, abtrocknen, umziehen oder eincremen
·         (Baby-)Massage
·         (Huckepack) getragen zu werden, auf Mamas/Papas Rücken reiten dürfen etc.
·         Schulter klopfen, durchs Haar streichen (oder es genüsslich bürsten), den Arm streicheln
·         gemeinsam toben, raufen oder Sport machen
·         eine Nacken- oder Wadenmassage nach einem anstrengend Sport- oder Schultag
Achtung: Wenn die Muttersprache der Liebe Ihres Kindes der Körperkontakt ist, ist negativer Körperkontakt (wie z. B. Schläge) für dieses Kind doppelt schockierend und demütigend, wie es sowieso schon für jedes Kind ist. Aber auch Entzug von Körpernähe (z. B. Stubenarrest) ist für diese Kinder besonders deprimierend.

Die zweite Sprache der Liebe: Lob
Lange bevor Kinder die Worte verstehen, können die den Tonfall und die Mimik deuten. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen Zuneigung und Wertschätzung (also etwas Positives über dieses Kind, das uns lieb und teuer ist, egal wie es sich gerade verhält), Lob (als Anerkennung für besondere Leistungen oder positive Verhaltensweisen) und übertriebenem oder unehrlichem Lob (das an Bedeutung verliert – Kinder können unpassendes Lob einschätzen, dann sind aufmunternde Worte oft besser, außerdem kann übertriebenes, unpassendes Lob dazu führen, dass bei seinem Ausbleiben Versagensängste entstehen). Diese Sprache kann täglich genutzt werden - achten sie auf angemessenes Lob, aber ein "ich hab dich lieb" sollte jeden Tag Platz haben!

Beispiele für Lob:
  • Das hast du gut gemacht! (Am besten konkret mit dem Anlass verknüpfen: Toll, dass du Sabine mit deinem Eimer hast spielen lassen! Super, wie du Ralf zugehört hast, als er sich über das verlorene Spiel geärgert hat! Klasse, dass du wieder aufgestanden bist, als du vom Klettergerüst gefallen bist! Toll, dass du solange übst, bis es klappt/besser wird! Danke, dass du den Hund gefüttert hast (ohne: wurde aber auch Zeit)!) 
  •  Du schaffst das! (Mut machen: Die eine 5 ist nicht schlimm, wir üben vor der nächsten Arbeit zusammen, dann klappt es bestimmt besser.)
  • ein freundlicher, positiver Tonfall und eine positive Formulierung (das Gehirn versteht kein „nicht“ – oder denken Sie jetzt bitte einmal an KEINEN rosa Elefanten…) – also lieber Positives hervorheben und loben als Negatives verbieten (auch wenn es manchmal sein muss – „nimm keine Drogen“ lässt sich irgendwie nicht positiv formulieren, aber statt Geschrei oder Geleier kann man über seine Sorgen oder die negativen Folgen von Drogenkonsum sprechen
  • Ich hab dich lieb! (Immer ohne „aber“ oder „würdest du mal“ – immer kompromisslos!)
  • ein ehrliches Kompliment (Ich finde deine Haare schön! Du hast eine tolle Lache!)
Achtung: Wenn die Muttersprache der Liebe Ihres Kindes Lob ist, ist Tadel und Geschrei für dieses Kind oft sehr deprimierend und wirkt doppelt frustrierend. Besser ein einzelnes Lob/Feedback für ein einmal gezeigtes gewünschtes Verhalten, als hundert Tadel für hundertmal gezeigtes unerwünschtes Verhalten. Sollten Sie doch mal einen unfreundlichen Ton anschlagen, können Sie mit einer Entschuldigung (und evtl. einer Erklärung, warum Sie heute schlechte Laune haben) viel wieder gut machen.

Die dritte Sprache der Liebe: Qualitätszeit
In einer Zeit, in der immer häufiger beide Elternteile berufstätig sind und Ablenkung vom Gegenüber durch ein Handy schon fast normal, fällt es immer schwerer, sich wirklich konzentriert längere Zeit mit einem Kind zu beschäftigen. Das gilt besonders, wenn es Geschwister gibt (denn jedes Kind braucht ab und zu exklusive Qualitätszeit allein mit einem Elternteil) oder wenn die Kinder älter werden. Wir haben so schon zu wenig Zeit für all das, was wir gerne erledigen wollen. Aber diese exklusive Qualitätszeit vermittelt die Botschaft: du bist mir wichtig, ich bin gern mit dir zusammen! Dabei ist es nicht so wichtig, WAS man gemeinsam macht, sondern dass man es GEMEINSAM macht! Auch sollte man die Bedeutung positiven, liebevollen Blickkontaktes dabei nicht unterschätzen. Manche Qualitätszeit (wie eine gemeinsame, bewusste Mahlzeit ohne Handy, TV etc.) sollte täglich Platz haben, anderes sollte man versuchen wöchentlich einzuplanen.

Beispiele für Qualitätszeit:
·         Lego bauen, im Sand buddeln, Fußball spielen, schwimmen gehen, Fahrradtour, auf der Schaukel anschupsen, …
·         sich vom Kind (mit Spaß und Geduld) beim Auto waschen, kochen, Blumen gießen etc. helfen lassen
·         Gespräche (als Austausch von Gedanken und Gefühlen), manchmal bietet dabei die aktuelle Situation einen Gesprächsanlass oder die Frage, was am heutigen Tag besonders toll und/oder besonders schlimm war – wichtig ist dabei aktiv zuzuhören: nachzufragen, Sorgen nicht abzuwiegeln, sondern ernst zu nehmen,… aber ruhig auch mal, von sich zu erzählen (Wurde Papa auch mal gehänselt in der Schule? Mochte Mama mit dem Pickel auf der Nase auch mal nicht vor die Tür gehen?)
·         Vorlesen – und dabei über die Gedanken und Gefühle der Figuren in der Geschichte reden. So lernen Kinder, ihre Gefühle zu fühlen, wahrzunehmen, zu benennen, zu ordnen und zu äußern. Das sind unschätzbare (und heutzutage viel zu vernachlässigte) Fähigkeiten für ein gesundes Erwachsenendasein.
·         Gemeinsame Mahlzeiten mit aktiven Gesprächen (z. B. morgens über die Pläne für den Tag oder abends über die Ereignisse des Tages) – dies ist besonders mit älteren Kindern eine gute Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben!
·         Ein gemeinsamer Familienurlaub – in dem man sich dann auch mal wieder bewusst Zeit füreinander nimmt.
Achtung: Wenn die Muttersprache der Liebe ihres Kindes Qualitätszeit ist, wird es bei mangelnder Qualitätszeit sich entweder in sich zurück ziehen oder etwas anstellen, um wenigstens negative Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die vierte Sprache der Liebe: Geschenke
Gemeint sind nicht andauernd kostspielige Anschaffungen (diese übersättigen die Kinder nur und lassen Kommerz zur Selbstverständlichkeit werden), sondern sorgfältig ausgesuchte, kleine Aufmerksamkeiten. Geschenke sind der fassbare Ausdruck von und Erinnerung an Liebe. Es geht dabei nicht um Lohn für geleistete Arbeit, sondern um eine unverdiente Gabe, die Freude bereiten soll. Ein Eis, damit das Kind ruhig ist, oder neues Lego, weil das Zimmer aufgeräumt wurde, sind Bestechung und Lohn, aber keine Liebesgeschenke. Kinder erkennen den Unterschied, auch wenn sie ihn nicht benennen können. Außerdem werden Liebesgeschenke auch nur als solche wahrgenommen, wenn auch andere Sprachen der Liebe genutzt werden (Präsente statt Präsenz funktioniert also nicht!), sonst werden sie mit Argwohn betrachtet. Überhäuft man Kinder (besonders häufig passiert das Trennungskindern) mit Geschenken, die lieblos ausgesucht und meist überteuert sind, werden sie oft selbst zunehmen materialistisch, weil sie lernen, menschliche Gefühle durch Geschenke zu manipulieren. Hier muss man aufpassen - denn auch wenn diese Liebessprache ebenso bedeutsam ist wie die anderen, sollte sie nicht täglich oder wöchentlich angewendet werden - sie verliert dadurch eher an Bedeutung.

Beispiele für Liebesgeschenke:
·         liebevoll ausgesuchte, lang (nicht spontan) gewünschte Geschenke aller Art (auch Spielzeuge, wobei man dabei besonders sorgfältig den Spiel- und Lernfaktor abwägen sollte)
·         auch Praktisches kann ein schönes Liebesgeschenk sein, wenn z. B. der neue Bleistift für die Schule besonders sorgfältig mit einem tollen Motiv ausgesucht wurde und mit Freude überreicht wird.
·         der Lieblingsjoghurt oder das Lieblingsgetränk vom Einkaufen mitbringen
·         Abgesehen von Weihnachten und Geburtstag dürfen besonders ältere Kinder Geschenke auch ruhig mit aussuchen: den neuen Pulli, ein neues Paar Schuhe, die lang ersehnte CD,…
·         Geschenke müssen nicht immer etwas kosten: eine besonders schöne Blume oder ein toll geformter Stein von unterwegs können genauso Freude bereiten wie eine selbst gebastelte Karte oder eine selbst zusammen gestellte CD.
Achtung: Wenn die Muttersprache der Liebe Ihres Kindes Geschenke sind, macht ihm eine liebevolle Verpackung, rituelles Auspacken und emotionale Danksagungen genauso viel Freude wie das Geschenk selbst – weil Sie sich Zeit genommen haben, um dies für ihr Kind vorzubereiten. Ein Geschenk, was kaputt gegangen ist oder noch schlimmer: zurückgenommen wird (und sei es auch nur zeitweilig als Strafe), ist für dies Kind besonders schlimm. 

Die fünfte Sprache der Liebe: Hilfe
Vater und Mutter sind ein Dienstleistungsunternehmen – und das ist anstrengend, körperlich wie seelisch. Darum müssen sie auch gut für sich sorgen: Schlaf, Ernährung und Bewegung sollten nicht zu kurz kommen. Gefälligkeiten für Kinder sollten aus Liebe getan werden und mit dem Ziel, das Beste für´s Kind zu wollen. Ein Übermaß an Gefälligkeiten kann Kinder zu verwöhnten Egoisten machen – daher sollten sie nicht die Beziehung zu Ihrem Kind prägen, sondern immer zusammen mit den anderen Sprachen der Liebe erbracht werden. Der freiwillige Dienst am Nächsten ist dabei ein Geschenk, keine Pflicht. Verkommt es zur Pflicht, kann man damit keine Liebe geben. Gleichzeitig sollte Unterstützung stets Hilfe zur Selbsthilfe sein: ein 8-jähriges Kind kann lernen, sein Bett alleine zu machen und ein Teenager kann problemlos Waschmaschine und Trockner bedienen. Hier werden die meisten Mütter (augenrollend) sagen, dass sie natürlich täglich diese Liebessprache nutzen - aber tun sie es wirklich mit Liebe und Freude oder aus Pflichtgefühl? Ihre Kinder merken den Unterschied!

Beispiele für Hilfe:
·         z. B. jeden Tag für eine liebevoll zubereitete Mahlzeit zu sorgen oder ein tolles Pausenbrot zu packen. – Für das Wohl des Kindes ist es aber auch ein Liebesdienst, ihm beizubringen, für sich selbst (und andere) zu kochen.
·         Gemeinsam an sozial engagierten Hilfsprojekten teilnehmen. (Kinder müssen Zuwendung und Beistand erfahren, aber sie lernen auch an Ihnen als Vorbild.)
·         Hilfe bei Hausaufgaben, Betten machen, Fahrradreparaturen, Pannen, …
Achtung: Wenn die Muttersprache der Liebe Ihres Kindes die Hilfe ist, ist die Bitte nach einem reparierten Spielzeug zugleich auch die Bitte, dies mit Freude und Zuneigung zu tun. Das heißt nicht, dass Sie immer nach seiner Pfeife tanzen müssen, aber sehr wohl, dass auf jede an Sie herangetragene Bitte mit Liebe reagiert werden muss.

Welche Liebessprache spricht Ihr Kind?
Bis zum Alter von 5 Jahren braucht Ihr Kind alle fünf Liebessprachen! Selbst wenn Sie das Gefühl haben, es kristalisiert sich eine Sprache besonders heraus, kann sich diese im nächsten halben Jahr wieder ändern.  
Im Alter von fünf bis zehn Jahren, kann man die persönliche Liebessprache eines Kindes am besten herausfinden. Kinder ab zehn setzen laut Campbell oft schon bewusste Aktionen zur Manipulation ein, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Daher ist es schwieriger herauszufinden, ob es sich wirklich um ihre Liebessprache handelt oder sie Ihre Liebessprache imitieren.
  1. Achten Sie darauf, wie Ihr Kind Ihnen und anderen gegenüber seine Liebe ausdrückt, denn ein Kind (besonders von 5 bis 10 Jahren) spricht in der Liebessprache, in der es angesprochen werden möchte!
  2. Achten Sie darauf, worum Ihr Kind auffällig oft bittet oder worüber es sich auffällig oft beklagt. Beides ist normal und kommt vor, aber wenn Ihr Kind immer wieder fragt, wie Sie etwas finden, oder sich auffällig oft über fehlende Zeit beklagt, ist seine Liebessprache vermutlich Lob bzw. Qualitätszeit.
  3. Das 15-Wochen-Experiment: Entscheiden Sie sich bewusst für eine Liebessprache und versuchen Sie sie zwei Wochen lang täglich mehrmals anzuwenden. Beobachten Sie die Reaktion Ihres Kindes. Wenn es auffallend positiv reagiert, haben Sie seine Liebessprache vermutlich gefunden. Zwischen den zwei Wochen, in denen Sie bewusst eine Liebessprache verstärkt ausprobieren, sollte eine "normale" Woche Pause liegen. Sprachen Sie möglichst nicht über die "Liebessprachen", sondern antworten Sie auf Nachfragen Ihres Kindes eher damit, dass Sie bewusst mehr Zeit mit ihm verbringen wollen oder ihm zeigen wollen, wie wichtig er/sie Ihnen ist. 
  4. Bieten Sie Ihrem Kind Alternativen an: "Ich habe morgen Nachmittag frei. Wollen wir auf den Spielplatz gehen oder sollen wir nach neuen Schuhen gucken?" (Qualitätszeit oder Geschenke) "Wollen wir heute Abend zusammen einen großen Obstsalat zum Nachtisch machen oder soll ich dir lieber beim Vokabeln lernen helfen?" (Qualitätszeit oder Hilfe) Notieren Sie sich die Antworten Ihres Kindes über einen längeren Zeitraum, auch wenn es einen eigenen Gegenvorschlag macht. In der Summe wird die Wahl am häufigsten auf die Liebessprache Ihres Kindes fallen. (Sinnvoll sind ca. 30 Alternativangebote in denen alle fünf Liebessprachen gleichmäßig verteilt sein sollten.)
Vorschläge, die Sie auf die Spur der Liebessprache bringen können (um Ihre eigenen Ideen anzuregen):
  • für das fünfjährige Kind: Soll ich dir ein paar Pfannkuchen backen oder wollen wir zum Spielplatz? (Geschenk - Qualitätszeit) Wollen wir ein Spiel spielen? Es heißt, "ich finde toll an dir, dass..." und wem mehr einfällt, der hat gewonnen. Oder wollen wir zusammen deine Feuerwehr reparieren? (Lob - Hilfe) Wenn ich nächste Woche verreist bin, soll ich dir was Schönes mitbringen oder dir lieber jeden Abend am Telefon ins Ohr flüstern, warum ich dich so sehr vermisse? (Geschenke - Lob)
  •  für das zehnjährige Kind: Möchtest du zum Geburtstag lieber ein neues Fahrrad oder eine kleine Reise mit mit/uns? (Geschenk - Qualitätszeit) Wenn wir zu Oma fahren, sollen wir dein Zeugnis einpacken, damit sie sieht, wie gut du bist oder sollen wir lieber nichts sagen, aber ich kaufe dir eine kleine Belohnung? (Lob - Geschenke) Soll ich deinen abgestürzten Computer reparieren oder wollen wir lieber draußen Basketball spielen? (Hilfe - Qualitätszeit/Körperkontakt)
  • für den 15-jährigen Teenager: Wollen wir Samstag einen neuen Pulli für dich suchen oder lieber mal wieder eine lange Radtour mit Picknick machen? (Geschenk - Qualitätszeit) Wollen wir das kaputte Mofa am Wochenende zusammen reparieren oder soll ich es alleine machen, damit du mit deinen Freunden ausgehen kannst? (Qualitätszeit - Hilfe) Du wirkst so genervt, ich würde dir gern helfen. Soll ich dich etwas aufmuntern oder dir lieber mal die Schulter massieren? (Lob - Körperkontakt)
    Bei Teenagern ist das Erfüllen des Liebesbedürfnisses besonders schwierig. Sie brauchen besonders viel, blocken uns aber besonders mürrisch ab und die Zeitfenster, in denen sie unsere Zuneigung annehmen können, sind oft sehr klein. Wenn Sie die Liebessprache Ihres Kindes kennen, versuchen Sie sie so unauffällig, aber so häufig wie mögich immer wieder einzubauen. Gleichzeitig testen Teenager immer wieder, ob wir sie wirklich lieben. Der beste Beweis ist hier: Ruhe bewahren und freundlich bleiben, egal wie anstrengend ihre Test sind. 

Strafen und die Sprachen der Liebe
Erziehung hat in unserem Jahrhundert einen negativen Beigeschmack bekommen. Nichts desto trotz bieten gewisse Regeln einem Kind einen geschützen Rahmen, in dem es sich entfalten kann. Kinder müssen (laut Chapman - und ich gestehe, dass ich ihm dabei in weiten Teilen zustimme) ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Regelverhalten entwickeln, um in unserer Gesellschaft zu glücklichen Erwachsenen werden zu können. Ich lasse mein Kind nicht in die Flammen greifen, egal wie verlockend der Feuerschein ist. Ich lebe vor "bitte" und "danke" zu sagen. Am besten lernt das Kind, indem es uns als Erwachsener nachmacht - da nützen keine tausend Worte, wenn wir unseren Kindern unsere Ideale nicht vorleben. Nichts desto trotz: manchmal muss man Grenzen setzen und diese auch konsequent vertreten. Diese kommen aber wiederum nur beim Kind sinnvoll an, wenn es sich geliebt fühlt und wir seine Liebessprache respektieren - und wenn diese Grenzen Sinn ergeben und möglichst "natürlich" sind. Ein Kind, dass sich geliebt fühlt, ist entspannter und macht keinen Blödsinn, nur um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen oder uns zu testen. Da helfen Strafen nichts, sondern nur Liebe. Und wenn das Kind aufrichtige Reue zeugt, bringt Vergebung oft mehr als eine strafende Konsequenz.

Manchmal möchte man als Eltern aber ja vielleicht doch mal ein paar Konsequenzen setzen. Diese wirken am besten, wenn sie nicht in enger Beziehung zur Liebessprache des Kindes stehen (denn dann fühlt das Kind nicht nur sein Verhalten bestraft, sondern auch sich als Mensch ungeliebt) und vor und nach der Strafe die Liebessprache des Kindes zum Einsatz kommt. Wenn die Liebessprache eines Kindes z. B. Lob ist, sollte man es nicht mit Vorwürfen überhäufen, sondern ihm vor und/oder nach der eigentlichen "Strafe" sagen, dass man es lieb hat (oder falls möglich ein Lob für etwas anderes einfließen lassen). Wenn die Liebessprache des Kindes die körperliche Nähe ist, kann man es, bevor und/oder nachdem man über die Konsequenzen einer Handlung spricht, in den Arm nehmen (das körperliche Züchtigung nicht nur bei diesen Kindern keine Option ist, sollte ich hier hoffentlich nicht betonen müssen, aber auch Stubenarrest ist für Körperkontakt-Kinder keine angemessene Strafe).

Erziehungsmittel nach Chapman und Campbell sind folgende: 
  1. Bitten: es signalisiert, dass wir dem Kind die Verantwortung für das eigene Verhalten übertragen und seine Gefühle respektieren, es impliziert aber auch, dass die Bitte abgelehnt werden kann (es funktioniert daher leider nicht immer ;) )
  2. Ge- und Verbote: freundlich formuliert, aber konsequent durchgesetzt - hier übernehmen wir die Verantwortung, da wir die Autorität sind
  3. sanfter physischer Druck (besonders bei Kleinkindern): das Kind festhalten, wenn es nicht über die Straße laufen soll
  4. Strafen: Sie sollten wenn möglich eine logische Konsequenz aus dem Vergehen sein (du warst nicht pünktlich zu Hause, also darfst du morgen nicht weg - du hast die Fensterscheibe zerstört, also bekommst du eine Zeit lang weniger Taschengeld, um dich an den Kosten zu beteiligen) und im fairen Verhältnis zum Verhalten stehen (Kinder haben einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn). Am besten schreiben Sie sich vorher schon mögliche Konsequenzen auf, die auch zu ihrem Kind passen, um in der entsprechenden Situation schnell angemessen reagieren zu können. Ab einem gewissen Alter können Sie Ihr Kind auch fragen, was es selbst für angemessen hält. Das ist manchmal sehr aufschlussreich und gibt Ihrem Kind die Verantwortung für das eigene Verhalten - auch wenn Sie letztendlich die Entscheidung treffen. Wichtig ist: das Verhalten zu kritisieren und zu bestrafen - nicht das Kind als Wesen!
  5. Einfluss durch Lohn und Strafe: ein gewünschtes Verhalten belohnen, ein ungewünschtes Verhalten bestrafen. Dies ist vor allem bei längerfristigen Problemen sinnvoll (noch sinnvoller ist meiner Meinung nach: die Ursache des Problems zu suchen!), sollte aber prinzipiell eher sparsam eingesetzt werden, damit die Liebe/Zuwendung nicht als verhaltensabhängig, sondern immer als bedingungslos vom Kind wahrgenommen wird!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen