Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Freitag, 24. Juli 2015

Au Pair

Wir mussten kurzfristig zwei-drei Monate überbrücken, weil unser Vollzeit-Papa etwas spontaner als erwartet einen Job fand... also haben wir uns auf das Abenteuer AuPair eingelassen.

Wir haben vorher viel gelesen - von AuPairs die nur rumhingen oder auf Kosten der Gastgeber illegale Downloads oder lange Finger machten oder die nur Heimweh hatten oder sich so gar nicht in die Familie integrieren wollten... und von AuPairs die noch nach Jahren ein Familienmitglied waren, den Kindern ihr Land und ihre Sprache nahe brachten, den Alltag und die Herzen bereichert haben.

Weil wir für zwei einhalb Monate über keine Agentur ein AuPair bekommen konnten, haben wir über aupairworld selbst gesucht. Das erforderte einiges an Zeit und Arbeit, hat uns aber sehr überzeugt. Ein Bogen mit den wichtigsten Eckdaten (Alter, Nationalität, Raucher, Sprachkenntnisse, Führerschein, Geschlecht, gewünschte Aufenthaltsdauer und -zeitraum usw.) traf (ähnlich einer Agentur) eine Vorauswahl für uns. Dann blieben nur noch ein paar Tausend AuPairs über. Davon wurden uns die am besten Kompatiblen vorgeschlagen - genau wie wir mit unserem Profil ihnen. Man konnte sich gratis anmelden und Vieles anschauen - nur für konkreten Mailkontakt musste man sich für vergleichsweise wenig Geld für ein paar Monate anmelden. Dann konnte die Suche verstärkt losgehen. Klar erfordert es etwas Engagement. Wir haben ca 50 AuPairs angeschrieben, mit ca 15 näheren Kontakt gehabt und mit ca fünf Kandidaten dann geskypet - wir erhielten Absagen von AuPairs, die wir anschrieben und verteilten Absagen, wenn uns etwas nicht zusagte. Selbst wenn schon alles relativ fest schien, kam noch das ein oder andere Mal etwas dazwischen - und die Zeit drängte bei uns leider. Für diese Arbeit kann man eine Agentur bezahlen - und sollten meine Kinder ins Ausland wollen, würde ich mir das schon aus dem Grund nochmal überlegen, weil die Agentur auch Ansprechpartner vor Ort ist, wenn etwas nicht passt. Das Risiko gingen wir als Gastfamilie ja weniger ein. Uns bot sich so die Möglichkeit, vorher schon intensiver als bei einer Agentur feststellen zu können, ob dieser Mensch evtl zu uns passen könnte.

Da es um eine relativ kurze Zeit ging, haben wir direkt nach älteren AuPairs gesucht. Wir hatten bei einer Aufenthaltsdauer von 2,5 Monaten nur bedingt Zeit, uns mit einem fremden Teenager auseinander zu setzen. Umgekehrt waren wir aber flexibel, was das Geschlecht anging - denn ich habe viel positive Erfahrungen mit Männern in "Frauenberufen" gemacht und auch einige meiner ehemaligen Schüler waren nach dem Abitur als AuPair im Ausland und fanden die Erfahrung toll. Zudem glaube ich, dass Jungs oft unkomplizierter sind im Alltag. Trotzdem wurde es bei uns doch ein Mädchen, eine Italienierin Anfang 20, der die relativ kurze Zeitspanne entgegen kam, weil sie während der Winterpause des Hotels, in dem sie arbeitet, ihre Deutschkenntnise aufbessern wollte, da sie dort an der Rezeption arbeitet. Ein paar Skype-Telefonate, dann wussten wir, dass wir zueinander passen könnten und schickten uns den offiziellen Vertrag zu.

Mein Sorge war etwas, wie z. B. die Abende verlaufen würden. Mein Mann und ich genießen es, dann einfach gemeinsam auf dem Sofa zu sitzen, uns zu unterhalten, TV zu gucken usw. - wie würde das mit einem weiteren Erwachsenen im Haus sein? Ich denke, bei einer längeren Aufenthaltsdauer würde sich das irgendwann einpendeln, zumal die eigenen Kinder in dem Alter ja auch nicht mehr jeden Abend bei Mama und Papa auf dem Sofa sitzen werden. Außerdem hatten wir ihr einen PC mit DVD und Internet ins eigene Zimmer gestellt. Bei der kurzen Zeitdauer fiel es ihr leider etwas schwer, hier vor Ort Freunde zu finden, aber sie hat abends oft mit ihren Eltern und ihrem Freund geskyped, Deutsch gelernt oder DVDs geschaut.
Ansonsten war es für uns überhaupt kein Problem, jemand "Fremden" in unserem Leben zu haben. Sie war unfassbar unkompliziert und freundlich. Keiner von uns guckte auf die Uhr, wann ihre "offizielle" Arbeitszeit vorbei war, sondern wir lebten einfach miteinander und sie war die große Schwester für unseren Kleinen - und er hatte sie sehr schnell sehr gern!
Ein Wochenende kam ihr Verlobter zu Besuch. Sie freute sich sehr, dass er so einfach bei uns wohnen durfte. Ich wiederum freute mich oft darüber, wenn ich nach der Arbeit die erste Schwangerscahftsmüdigkeit sehr spürte und sie einfach sagte, sie geht mit unserem Sohn noch eine Runde auf den Spielplatz, auch wenn sie schon locker ihr Tagespensum erfüllt hatte. So wusch eine Hand die andere.
Am Wochenende haben wir versucht, ihr etwas von unserer Stadt zu zeigen oder ihr Teile unserer großen Familie vorzustellen.
Es war eine tolle Zeit! Und wir haben es auch nicht bereut, jemanden zu nehmen, die kaum Deutsch sprach, als sie zu uns kam. Wir konnten uns alle die ersten zwei Wochen relativ fließend auf Englisch verständigen, danach wurde es immer mehr Deutsch. Nach vier Wochen sprachen wir nur noch Deutsch - auch wenn unser Sohn leider noch sehr wenig sprach, so dass sie von/mit ihm hauptsächlich so elementar wichtige Worte wie "Bagger", "Auto", "Buch" und "Trecker" lernte. :D

Es war auf alle Fälle eine bereichernde Erfahrung und der Abschied fiel und allen sehr schwer. Wir haben immer noch ab und zu Kontakt und haben uns fest versprochen, uns gegenseitig noch mal zu besuchen. Wir würden es jederzeit wieder machen! Ich kann es jedem nur empfehlen, der den Platz und das Geld hat und eine flexible Familienhilfe für einen längeren Zeitraum braucht.

Ein AuPair braucht ein eigenes Zimmer und bekommt für seine Hilfe Unterkunft, Verpflegung, 260€ Taschengeld im Monat, mindestens einen finanziellen Zuschuss zu einem Deutschkurs (evtl auch den ganzen Deutschkurs bezahlt) und die nötigen Versicherungen (ca. 40€/Monat) von der Gastfamilie. Manche Gastfamilien geben einen Zuschuss zum Rückflug, zum Hinflug würde ich das nicht vorher überweisen - denn man weiß ja noch nicht, wer dann kommt (und ob derjenige dann noch kommt). Dafür arbeitet es bis zu sechs Tage bis zu sechs Stunden mit im Haushalt - primär in der Kinderbetreuung, aber es hilft auch bei leichten Hausarbeiten (z. B. kochen, aufräumen, etc.). Es ist keine Putzfrau oder reine Haushaltshilfe - das in Ordnung halten des eigenen Zimmers und der eigenen Sachen zählt allerdings nicht zur "Arbeitszeit". Es hat ein Recht auf mindestens einen freien Tag und mindestens zwei freie Abende pro Woche plus zwei Urlaubstage pro Monat. Ein gemeinsamer Familienurlaub zählt nur dann als "Urlaub" für´s AuPair, wenn es von seinen normalen Aufgaben befreit ist.
Die Kosten für ein AuPair sind als Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzbar. Außerdem bekommt das AuPair prinzipiell das selbe Gehalt, egal, ob es in einer Familie mit einem oder mit fünf Kinder hilft. Manche verabreden aber ein höheres Gehalt je nach Aufgabenbereich und Arbeitszeiten. Ich könnte es mir auch als hilfreich vorstellen, wenn man z. B. Zwillinge oder Drillinge bekommt und ein zusätzliches Paar Hände braucht.

Wichtig finde ich, vorher möglichst viel abzusprechen, was beide Seite erwarten und leisten wollen - und sich nach ein paar Wochen zusammen zu setzen, denn beide Seiten werden bestimmt ein paar Kleinigkeiten nerven, die man einfach abstellen kann.

Hier findet ihr ein paar weitere Erfahrungsberichte.

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