Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Samstag, 19. März 2016

BLW

BLW (baby led weaning) ist die vom Baby selbst gesteuerte, breifreie Einführung der Beikost. Das baby bekommt im wahrsten Sinne des Wortes freie Hand, gegessen wird nur, was selbst in den Mund gesteckt wird, füttern aller Art wird vermieden.
Man kann frühestens mit 5.5 Monaten, spätestens wenn sich das Baby selbständig aufsetzt und/oder den ersten Zahn hat damit beginnen. Ausschlaggebend ist dabei vor allem das Interesse des Babys am Essen. Man sollte immer möglichst Lebensmittel anbieten, die verschieden in Farbe und Konsistenz sind, so entwickeln sich vielseitige Esser.
Es sollten einige Regeln beachtet werden:
- Gegessen wird aufrecht: in einer hochgestellten Wippe, auf dem Schoß eines Erwachsenen oder im Hochstuhl,  wenn sie sitzen können.
- Runde Lebensmittel sollten vermieden werden, da sie unbeachsichtigt in den Rachen und damit die Luftröhre rutschen können. Lebensmittel sollten immer so angeboten werden, dass sie gut in Babys Faust passen und dann noch etwas herausstehen und abgelutscht werden können.
- Der oft propagierte Eisenmangel bei Stillkindern ist ein moderner Mythos. Zudem kann Eisen gut über Haferflocken und B12 über Käse und Eier aufgenommen werden. Fleisch kann erst mit Backenzähnen zermahlen werden und ist evolutionär daher wohl nicht eher vorgesehen. Wer mag kann es aber "zum Ablutschen" anbieten, dabei werden auch Nährstoffe aufgenommen.
- Babys verschlucken sich bei BLW oft seltener als bei Brei, da der Würgereflex noch sehr weit vorne im Mund liegt. Lebensmittel können erst in den Rachen transportiert werden, wenn sie auch gekaut und geschluckt werden können - im Gegensatz zum flüssigen Brei. Nichts desto trotz sollten Babys nie unbeaufsichtigt essen.
Welche Lebensmittel vermieden werden sollten:
- Salz und Tiermilchprodukte bereiten dem noch unfertigen Darm und den kleinen Nieren schnell Probleme.
- Ein Salzkonsum von 1g pro kg Körpergewicht ist für Menschen tötlich. Einen 100kg Mann haut also erst 100g Salz aus den Socken, ein Baby schon 1TL! Salz versteckt sich in vielen Lebensmitteln und auch Babyprodukten, daher bitte sorgfältig die Etiketten studieren und bestimmte Lebensmittel (wie zB Wurstwaren, da meist stark gewürzt) generell im ersten Lebensjahr meiden.
- Milch (und Milchprodukte) zwischen 6 Monate bis zum ersten Geburtstag höchstens 200ml (bzw entsprechend die daraus entstehenden Milchprodukte, ca 30g Käse, Quark o.ä.), danach 500ml (gilt eigentlich auch für Erwachsene...).
- Honig enthält Bakterien, die für Babys gefährlich sind und sollte daher die ersten zwei Lebensjahre gemieden werden, da sie zum Atemstillstand führen können.
- Zucker ist nicht nur schlecht für die Zähne, es hemmt auch die Calciumaufnahme. Außerdem besteht ein Zusammenhang zu ADHS. Daher sollte Zucker bis zum 1. Geburtstag tabu sein und auch danach nur in geringen Maßen zugänglich sein. Bitte besonders auf Zuckerzusätze bei Fertigprodukten, Säften und Joghurt etc achten!
- Auberginen wird ein hoher Nikotingehalt nachgesagt - da scheiden sich aber die Geister, wir meiden sie in den ersten zwei Jahren.
- Soja und Sojaprodukte enthalten hormonähnliche Stoffe und sind daher für Babys und Kleinkinder tabu!
- Fertiggerichte, Fast Food, Süßigkeiten und gewürzte Speisen sollten aufgrund ihres Zucker- und Salzgehalts im ersten Jahr tabu sein und danach noch möglichst lange gemieden werden.
- Eier, Fleisch und Fisch sollten bis zum zweiten Geburtstag auf alle Fälle ganz durchgegart und in Maßen gegeben werden.
- Nüsse sollten aufgrund von Allergien, aber auch der Gefahr des Verschluckens im 1. Lebensjahr gemieden werden. Ausnahme bildet weißes Mandelmus. Die meisten Allergene befinden sich in der braunen Haut, so dass mit dem weißen Mandelmus gute Fette ihren Weg finden und eine Einführung von Lebensmitteln parallel zum Stillen angeblich oft Allergien vorbeugt.
- Dass Koffein und Alkohol vermieden werden sollte, muss ich hoffentlich  nicht extra erwähnen...
Phase 1 - der Anfang (ca 6. - 8. Lebensmonat)
- Essen ist mehr Spielzeug als Nahrungsmittel und muss mit allen Sinnen erkundet werden. Das ist oft eine ziemliche Sauerei,  gibt dem Gehirn aber mannigfaltige Entwicklungsmöglichkeiten und führt oft zu Kindern, die ein Leben lang offen für verschiedenste Nahrungsmittel sind.
- Zu Beginn sollten nur Nahrungsmittel gereicht werden, die fest genug sind, um sie einigermaßen greifen zu können, aber weich genug, um am Gaumen mit der Zunge zerdrückt zu werden.
- Bsp für erste Lebensmittel: geschälte Gurken, geschälte weiche Birne, Bananenstücke, Hipp Hirsekringel, Avocado, gedünstetes Gemüse aller Art, gedünstete Kartoffeln, weich gekochte Penne, zucker- und salzfreier Babyzwiback, Brötchen/Brot, selbst gebackenes Brot, Bananenschmarrn,... (Rezepte weiter unten)
Phase 2 - Essen wird zur Nahrung (ca. 9. - 15. Monat)
- Immer mehr Essen landet tatsächlich im Magen, man bemerkt eine Reduktion der Milchmenge.
- Die verwendeten Nahrungsmittel werden vielfältiger, die Sauerei weniger. Abgesehen von den reduzierten Gewürzen isst das Kind schon fast das normale Familienessen. TIPP: Für alle gemeinsam kochen und die Erwachsenen würzen hinterher. Salzreduktion beim Erwachsenen senkt den Blutdruck. 
- Bsp. für Lebensmittel: Brot mit Frischkäse, Brot mit Mandelmus, (ungewürztes) Rührei, Kartoffeln mit Gemüse, gekochtes oder gebratenes Fleisch (nicht Wurst!) oder Fisch, Pfannkuchen, Gemüsepuffer ... (Rezepte weiter unten)
Phase 3 - Vollkost (ca. ab dem 15. Lebensmonat)
- Das Essen ersetzt Milch als Hauptnahrung.
- Obwohl besonders bei Gewürzen, Fertigprodukten und bestimmten Lebensmitteln (siehe oben) noch Einschränkungen bestehen, kann das Kind schon fast alles normal mitessen.
- Bsp. für Lebensmittel: Joghurt mit Müsli, Brägele,... normales Familienessen (Rezepte weiter unten)
Unsere Erfahrungen:
Bei unserem Sohn haben wir zwei Mahlzeiten durch Brei ersetzt und sind dann sozusagen in die zweite Phase des BLW eingestiegen, um den Übergang zum Familienessen zu schaffen.
Unsere Tochter hatte mit 5 Monaten enormes Interesse am Essen, so dass wir uns dann mit 5.5 Monaten erweichen ließen und mit Brei begannen - nur nachdem das Neue am Brei vorbei war (ca 2 Wochen) aß sie nur noch, was sie sich selbst in den Mund stecken konnte. Also ließen wir uns nicht stressen, ich habe wieder voll gestillt und wir haben komplett auf Brei verzichtet und BLW praktiziert. War für alle eine sehr entspannte Zeit - nur musste man am Anfang nach jeder Mahlzeit Kind, Hochstuhl und Fußboden grundreinigen. 
Nichts desto trotz, kann ich es für alle, die etwas Geduld haben beim Einführen der Beikost nur empfehlen. Es war sehr entspannt und es macht Spaß den Entdeckerdrang des eigenen Babys so zu erleben.  Aber ich stille auch sehr gern, weil es so viel weniger Vorbereitung benötigt als Brei. 
Rezepte:
- Brot:
250g Mehl nach Geschmack (Weizen, Dinkel, Roggen,...), 1/2 Pk Hefe, 300ml warmes Wasser, ggf. eine kleine Prise Zucker (macht den Teig etwas lockerer, dient als Nahrung für die Hefe, bleibt kaum im Brot zurück), ggf. Karottenraspeln, weißes Mandelmus oder Haferflocken, ggf. nach dem 1. Geb eine Prise Salz
Mehl, Hefe, Zucker und Wasser kneten bis ein glatter Teig entsteht, dann noch länger weiter kneten (umso länger kneten, umso luftiger). 30 Min zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, dann erneut (lange) kneten und gff. zusätzliche Zutaten einkneten. Nochmal 45 Min zugedeckt gehen lassen. Bei 200 Grad im Ofen 30 Minuten backen. Dazu eine Schüssel mit Wasser in den Ofen stellen.
- Bananenschmarrn:
Pro Person eine Banane, zwei Eier, eine Handvoll Blau- oder Erdbeeren und etwas Öl
Eier trennen. Eiweiß steif schlagen, Eigelb mit Bananen pürieren. Vorsichtig Beeren und Eischnee unter die Bananenmasse heben und mit etwas Öl in einer Pfanne backen. Wenn die untere Schicht fest ist, in Stücke rupfen.
- Rührei:
Zwei Eier, 50ml Vollmilch, eine Handvoll Cherrytomaten, etwas Öl
Eier mit Milch fluffig aufschlagen, Tomaten vierteln, unter die Eier rühren und mit etwas Öl in einer Pfanne durchgaren
- Brägele (für 4 Personen):
2-3 Paprika, 10-12 Kartoffeln, 4 EL Öl, 120g Feta, 4 Eier, 120ml Milch, ein wenig Salz
Paprika waschen und in kleine Würfel schneiden, Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben hobeln - Öl in einer Pfanne erhitzen und Kartoffelscheiben darin anbraten und salzen - nach 5 Min Paprika zugeben und ca weitere 5 Min braten - Feta mit einer Gabel zerdrücken und mit Eiern und Milch verquirlen, über die Kartoffeln gießen und bei schwacher Hitze ca 3 Min weiterbraten, bis das Ei stockt (Kartoffeln und Ei enthalten viel Eiweiß, Paprika sorgt für Vitamin C!)
- Gemüsepuffer:
Pro Person 1 Möhre, Zucchini, o.ä. (als süße  Variante auch mit einem Apfel machbar), 2 Kartoffeln, 1 Ei, 3 EL Haferflocken, abbdem 1. Geb. etw Salz, 1-2 TL Öl, nach Geschmack 10g Käse oder etwas Schnittlauch dazu
Gemüse und Kartoffeln schälen, alle Zutaten in der Küchenmaschine zerkleinern und verrühren bis ein glatter Teig entsteht, mit einer Kelle in die Pfanne geben und mit dem Öl braten - nach Geschmack mit Apfelmus oder Ketchup servieren
Weitere familientaugliche Rezepte findet ihr auf meinem Kochblog www.kochmutti.blogspot.de

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