Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Samstag, 19. März 2016

Familienbett

Eigentlich sind wir gar nicht so öko - wirklich nicht. Noch im 9. Monat der ersten Schwangerschaft gingen wir davon aus, dass wir mal Kinderwagen schieben und Gläschen kaufen werden.
Einzig wichtig war uns: konsequent zu sein und auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen.
... nur sind unsere Kinder leider total öko...

Während unser Sohn uns nach zwei Wochen klar gemacht hatte, was er vom Kinderwagen hält (nämlich nichts) und unsere Hebamme, was sie von Gläschen hielt (ebenfalls nichts), verdeutlichte unsere Tochter uns sehr genau, was sie von Brei überhaupt (Spielzeug) und Familienbett (sehr viel) hielt. Das gehörte jedoch definitiv zu den "Öko-Dingen", die mir persönlich etwas schwerer fielen - my bed is my castle...

Sohnemann schlief nach der Geburt zwei Wochen lang in einem kleinen Nest aus Stillkissen und Wiegenmatraze in unserem Bett und wanderte dann in sein eigenes Bett neben unserem. Mit fünf Monaten wachte er von mir und ich von ihm gefühlte 100x in der Nacht auf - das war der Zeitpunkt, wo er in sein Zimmer wanderte und bis heute (meist) gern dort schläft.
Wir haben nie zu den Eltern gehört, die ihr schlafloses Kind nachts durch die Wohnung schleppten. Da hab ich lieber stillend in meinem Bett gelegen und hatte es wenigstens warm - wenn ich schon kaum schlafen konnte. Zig mal nachts hoch, Angst im Dunkeln - kannten unsere Kinder nicht. Wenn was war, kam er in unser Bett und gut war's. Allerdings dann meist auf Mamas Bauch liegend, da er Bauchschläfer ist. Einzig eine blöde Einschlafphase aufgrund zu vieler Veränderungen rund um seinen zweiten Geburtstag gab es. Auf die Idee diese Phase mit dem Familienbett durchzustehen sind wir damals nicht gekommen. Wir haben eine abgeschwächte Form des Schlaftrainings ohne Ferbern (= schreien lassen) ausprobiert, die für uns auch gut funktioniert hat. Allerdings mochte er später immer eigentlich nicht zum Schlafen in unser Bett - wenn dann sollte eher einer von uns bei ihm schlafen. So war er zum Glück auch nie eifersüchtig, als seine Schwester das anders sah und bei uns schlafen durfte.

Töchterchen schlief dann direkt ab Geburt in der Wiege neben unserem Bett... zumindest solange bis wir beim Stillen nachts beide im Bett einschliefen. Siehe da, plötzlich konnte ich so einschlafen. Vielleicht weil es das zweite Kind war oder weil sie ruhiger schlief, für uns funktionierte es diesmal besser.
Mit 4.5 Monaten verjagte Papas Bronchitis sie aus unserem Schlafzimmer in ihr Kinderzimmer. Klappte problemlos, sie kam nur einmal nachts zum Stillen. Mit 6.5 Monaten war das vorbei. Man merkte deutlich, sie wollte und brauchte mehr Nähe. Also wurde ein Gitter an unserem Bett befestigt und wir zogen ins Familienbett.
Zwar ging sie immer noch abends zuerst in ihr Bett (uns war das Ritual wichtig, außerdem dass sie dort nicht rausfallen konnte, während wir noch auf waren, und so konnten wir ab und zu abends unser Ehebett auch nochmal für uns haben), aber wenn sie wach wurde, wurde sich zu Mama ins Bett gekuschelt und besser geschlafen - zumindest sie. Ich nur leider nicht - ich wachte immer geräderter und verspannter auf. Also wieder zurück zu dem, wie es beim Großen war: bei Bedarf gern, sonst im eigenen Bett. Etwas besser schlief ich mit ihr gemeinsam im Schlafsessel.

Mittags schläft sie mal in ihrem Bett, mal macht Mama mit ihr im großen Bett Mittagsschlaf, manchmal auch einfach auf Sofa oder Sessel in Mamas Arm. Natürlich machte ich mir Gedanken, wie das in der Krippe wird oder wenn sie mal bei Oma und Opa schlafen soll... aber ihr deswegen sofort schon oder überhaupt die offensichtlich benötigte Nähe und Sicherheit zu entziehen war für uns keine Option. Außerdem ist es meistens für Kinder als andere Situation einzuordnen und oft kein Problem. Und auch, wenn man Babys nicht VERwöhnen kann, wird es natürlich dann irgendwann mal eine UmGEwöhnung sein, im eigenen Kinderzimmer zu schlafen. Aber mit unserem Abendritual im eigenen Bett und unserer leichten, liebevollen Art des Schlaftrainings, sind wir nie auf Probleme gestoßen. Eigentlich hofften wir auch, dass das irgendwann einfach von alleine klappt, wenn sie genug "getankt" hat. ... Nachtrag: Und dem war so. KiTa kein Problem, und mit 13 Monaten fing sie auch an von ca 19.30h bis mind 5.30 durch zu schlafen
- Man merkt vielleicht, wir sind nicht völlige Überzeugungstäter, mir geht es damit einfach nicht gut auf Dauer. Aber es ist bequemer als ein schreiendes Baby und gemütlicher als durch die Gegend zu laufen und stillt Babys Bedürfnis nach Nähe ebenso wie mein Bedürfnis nach Schlaf. Also passt's schon für uns - mal so mal so.

PRO
- Untersuchungen zeigen, Kinder im Familienbett werden seltener wach (sie müssen ja nicht aufwachen und rufen, um Nähe zu bekommen) und werden (ähnlich wie beim Tragen) selbstbewusster und selbständiger - vermutlich weil sie sich einfach jeder Zeit volltanken können mit Nähe und Sicherheit.
- Besonders beim Stillen: man muss nicht nachts aufstehen, ja nicht mal wirklich aufwachen.
- Oft bekommt man in schwierigen Phasen der Kinder mehr Schlaf oder zumindest mehr Ruhe, wenn man gemeinsam in einem Bett liegt.
- es fühlt sich schön an, gemeinsam und kuschelnd zu schlafen
- Kinder sehen schlafend sooooo süß aus! 
- evolutionär betrachtet ist es die natürliche Form des Schlafes für Babys und Kleinkinder und wird in vielen Ländern noch so praktiziert
- Untersuchungen zeigen, Mütter schützen ihre Kinder während des Schlafens instinktiv vor zu warm, zu kalt, rausfallen etc
- Liebensleben auserhalb des Ehebettes kann was Aufregendes haben 

CONTRA
- Nicht jeder kann gut und tief oder überhaupt so schlafen.
- Keiner garantiert, dass man im Schlaf das Kind realisiert - ich hab die Kleine schon mal mit dem Ellbogen erwischt...
- für Babys, die nur auf dem Bauch schlafen, nicht geeignet - es sei denn auf Mamas oder Papas Bauch, solange diese wach sind.
- für Raucher nicht geeignet
- man gibt das eigene Bett als Rückzugsort zumindest zeitweise auf
- Sex mit Kleinkindern ist manchmal schon schwer genug zu haben - und dann noch das zweisame Bett aufgeben kann manchmal belastend sein
- Aber das Wichtigste ist: Familienbett funktioniert nur, wenn alle Beteiligten (BEIDE Eltern + Kind ... es heißt Familienbett, nicht Mutter-Kind-Bett) das wirklich wollen und so gut schlafen können!

Klar gibt es auch hier ein paar Dinge zu beachten:
- im Familienbett schlafen keine Haustiere, Raucher, Betrunkene, schwer Kranke oder unter Einfluss starker Medikamente (erhöht die Gefahr des plötzlichen Kindstodes und/oder die Wahrscheinlichkeit so tief zu schlafen, dass man das Kind bei sich nicht mehr realisiert)
- das Kind schläft im Schlafsack auf dem Rücken
- das Bett sollte je nach Alter und Fähigkeiten des Kindes gesichert sein (bei uns reicht z. B. ein Gitter an einer Seite, falls sie mal außen schläft, da sie nie allein im Familienbett liegt)
- zwischen zwei Kindern schläft ein Erwachsener

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