Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Dienstag, 8. März 2016

Medienkonsum

Auch hier scheiden sich die Geister... auch hier haben wir uns für einen Mittelweg entschieden.
Sicher gilt, umso später, umso besser. Bekommt man es hin, würde ich empfehlen, TV, Handy und Tablett nicht vor dem vierten Lebensjahr einzuführen. Wir haben es nur ca zwei Jahre geschafft, unseren Sohn davon weitestgehend fern zu halten. Bei unserer Tochter durch den großen Bruder nur 1,5 Jahre. 

Trotzdem sind Kinder mit zwei, drei Jahren noch sehr haptisch veranlagt - sie beGREIFEN die Welt noch mit den Händen. Auch die schnellen Schnitte und Bildwechsel überfordern sie oft.
Unser Kompromiss waren DVDs, zu denen wir die passenden Bilderbücher, Hörspiele und Spielzeuge hatten (und da gibt es eine große Auswahl: Calliou, Cars, Feuerwehrmann Sam, Thomas die Lokomotive, Bob der Baumeister...). Für die meisten Kinderserien gibt es die Folgen auch als Bilderbuch, das bot die Chance, die Bilder ganz entspannt und in Ruhe zu betrachten und drüber zu sprechen. Außerdem hatten wir oft ähnliches Spielzeug (nicht alles Merchandising Artikel, aber auch). Es muss nicht Sams Feuerwehrauto oder Thomas die Eisenbahn sein, aber oft haben wir die Geschichten mit Duplo nachgebaut und neu erfunden. Und das Cars-Duplo war der Renner! ;)
Dann kommt es auf die Dauer und die Mediensituation an.
- Uns war es z. B. wichtig, es nicht zu ritualisieren (also nicht jeden Tag das Sandmännchen oder Tablett), sondern nach "Bedarf" (sie können fragen, wenn sie Lust haben, spricht nichts dagegen, dürften sie Fernseh schauen).
- Wenn sie nach TV o.ä. fragen, bieten wir meistens erstmal Alternativen an. (Bist du müde - wollen wir kuscheln? Ist dir langweilig - wollen wir spielen?) So wollen wir unseren Kindern beibringen, dass sie lernen, ihre eigenen Bedürnisse bewusster wahrzunehmen und den Fernseher nicht als Lösung für aktuelles Unwohlsein zu nutzen.
- Des Weiteren schauen wir (zumindest am Anfang) alles gemeinsam und nutzen es als Gesprächsanlass (die zigste Wiederholung dürfen sie dann auch mal alleine sehen). Man sagt, wenn Kinder das Gesehene wieder erzählen können, konnten sie es auch verarbeiten.
- Oft schauen unsere Kinder unter der Woche gar nicht fern oder sind am Tablett: zu den Mahlzeiten und vorm KiGa bzw Samstagsturnen gibt es kein TV - und bis wir von KiGa und Spielplatz zu Hause sind und noch eine Runde Duplo gespielt oder gepuzzelt haben, ist es schon Zeit für das gemeinsame Kochen, Essen und Bett gehen. Also nicht, weil wir es verbieten, sondern weil einfach keine Zeit dafür ist. Aber manchmal war der Tag anstrengend, Mama doof, der Mittagsschlaf zu kurz - dann darf man DVD gucken, wenn man darum bittet.
- Wir haben auf möglichst einfache Geschichten und reizarme Zeichnungen geachtet (Autopolis war hier für uns der Renner - wenig Schnitte, wenig Hintergrundbewegung, viel Erzählung... eher ein bewegtes Bilderbuch als eine Zeichentrickserie)

Gleichzeitig möchte ich hier zu bedenken geben, dass einige Studien einen besorgniserregenden Zusammenhang zwischen TV-Konsum im Kindesalter und späteren Problemen (ADHS, LRS, Konzentrationsproblemen, Depressionen, schwaches Immunsystem, Kriminalität, etc) festgestellt haben. TV-Konsum ist dafür sicherlich nicht nur der Auslöser, sondern auch ein Symptom eines bestimmten Umfeldes, aber wir sollten nicht außer acht lassen, wie TV auf das Gehirn wirkt: wie ein manipulatives Betäubungsmittel! Es wurde jahrelang genutzt, um das Feindbild bei Soldaten zu wecken und ihre Tötungsbereitschaft zu erhöhen - nicht ohne Grund! 
Unsere psychische Abwehr ist fast komplett runter gefahren, alles dringt wesentlich tiefer ins Unterbewusstsein als aus der realen Welt, in der unser Schutzfilter besser funktioniert. Unsere Fantasie wird überhaupt nicht genutzt und gefördert. In der Zeit, in der wir TV gucken, fehlen uns andere Reize. Wir verlernen mit der Zeit, auf unsere Bedürfnisse zu achten (TV hilft ja von Langeweile mit Probleme beim Abschalten gegen alles - nur stellt man den TV aus besteht das Problem weiterhin, wenn man nicht lernt, es auch anders zu lösen.). Dieses Gift ist gesellschaftlich akzeptiert und wird daher oft verharmlost. Und ich gestehe, dass es manchmal auch eine wichtige elterliche Pause ermöglicht, die Kinder vorm TV zu parken. Aber wenn der Konsum von Rattengift gesellschaftlich akzeptabel und ein gewisser Umgang damit nötig wäre - würdet ihr nicht trotzdem auf die kleinstmögliche Dosis zu, spätestmöglichen Zeitpunkt achten... und darauf, WAS für ein Rattengift sie zu sich nehmen?

Mit Handy und Tablett halten wir es ähnlich. Wir verbieten es nicht: aber Memory und Fotos (was Sohnemann gern auf dem Handy spielt bzw guckt) haben wir auch "in echt", sind auf dem Handy nur manchmal praktisch für unterwegs, wenn man im Restaurant z. B. auf das Essen lange warten muss. Auf dem Tablett (das er durch seinen Cousin kennt), hat er zwei Duplo Apps. Am Anfang waren die total spannend - inzwischen findet er das echte Duplo wieder viel besser.

Gleichzeitig bin ich skeptisch, Kindern oder auch Jugendlichen Medienkonsum egal welcher Art zu reglementieren. Es kommt vor allem darauf an, was gemacht wird. Spielen vier Jungs gemeinsam an der Playstation Final Fantasy - was ist der Unterschied zu den Pen and Paper Rollenspielen vor 30 Jahren? Chatten oder programmieren sie? Spielen sie Strategie-Spiele oder Ego-Shooter? Verdaddeln sie sinnlos Zeit oder recherchieren sie was? Wir hoffen, wenn wir einen vernünftigen Umgang vorleben und immer wieder auch Alternativen anbieten, dass unsere Kinder einen sinnvollen Umgang mit Medien lernen, ohne von außen reglementiert zu werden. Bisher klappt das gut - würde es nicht mehr klappen, müssten wir mal schauen, wie wir es handhaben wollen. Umgekehrt müssen unsere Kinder in dieser medienlastigen Welt aufwachsen und zurecht kommen. Wir finden es besser, sie den Umgang zu lehren, auf Gefahren hinzuweisen (z. B.: das Internet vergisst nie!), Alternativen zu zeigen - aber auch die Chancen entdecken zu lassen!
Für ältere Kinder möchte ich das Buch "Ich hab schon über 500 Freunde" über die Gefahren sozialer Medien empfehlen. Kurzweiliger Roman, ab 10/12 Jahren geeignet.

Es gab und gibt auch immer wieder Phasen, wo der Medienkonsum so steigt, dass ich mir Gedanken mache. Dann fange ich meist an zu überlegen: woran liegt es? Muss er sich "betäuben"? Was ist los? Wie geht es meinen Kindern? Manchmal ist es schlicht Ende des Winters: drinnen ist alles "ausgespielt" und draußen noch nicht gut zu spielen. Das erledigt sich dann mit den ersten Sonnenstrahlen von alleine. Manchmal versuchen wir auch neue Wege der Entspannung zu entdecken oder es gibt mal ein paar Wochen gewisse Beschränkungen. Die dadurch entstehende Lücke, gibt den Kindern den Raum sich zu langweilen und sich zu spüren... meistens machen sie nach dem ersten Wutanfall deswegen (der ja auch berechtigt ist, ich WILL das jetzt schließlich anders und werde von oben fremdbestimmt, kann ich persönlich auch überhaupt nicht leiden) dann irgendwann von ganz allein andere Dinge, die ihnen gut tun. Das kann bei uns von Hörspiel mit Nuckelflasche bis zum 5 Tibeter Yoga mit Mama alles sein.

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