Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Samstag, 11. Juni 2016

Erziehungsvergleich

Wenn wir mal ehrlich sind, wir vergleichen uns und unsere Kinder doch permanent - und werden permanent verglichen. Nur leider neigen wir dazu, uns mit den falschen Leuten zu vergleichen - mit dem Kind, das schon durchschläft, oder dem, das den ganzen Brei ohne Sauerei auf isst, oder dem, das immer auf Mama hört, oder dem, das nie weint.
Oder wir bekommen zu hören "Wie, er schläft noch nicht durch?", "Du stillst immer noch?", "Willst du ihm das nicht mal abgewöhnen?".
In der Mutter-Kind-Kur habe ich das erste Mal gelernt, dass man sich a) mit den richtigen Leuten vergleichen muss (nämlich mit dem Kind, das nachts noch öfter wach wird als das eigene, noch schlechter hört, viel öfter krank ist, etc. ;) ) und b) es oft egal wie rum, seine Nachteile hat (das durchschlafende Kind steht dafür um 5h auf oder macht keinen Mittagsschlaf; das brave Kind, was nie haut, lässt sich dafür von allen das Spielzeug klauen, was Mama große Sorgen macht; usw.).
Darum haben wir es getan. Wir haben an einem öffentlichen Erziehungsvergleich teilgenommen.
Warum macht man das?
Das ist eine gute Frage. Kurz gesagt: wir waren neugierig. :) Wir wollten Mal einer anderen Familie über die Schulter schauen und selbst ein Feedback bekommen - Fremde haben ja doch immer noch eine eigene Sicht auf die Dinge. :) Außerdem bekommt man bei einem solchen Vergleich die Chance, sich wenigstens mal in Ruhe dazu zu äußern!
Aber gleich in die Öffentlichkeit damit?
Ja, darüber haben wir lange nachgedacht - normalerweise posten wir ja nicht mal irgendwo Bilder unserer Kinder, um ihre Privatsphäre zu schützen. Da diese Bilder aber nicht im Nachhinein wahllos im Internet verfügbar sein werden und wir wirklich einfach gespannt waren, haben wir uns dafür entschieden.
Was hatten wir uns erhofft?
Einen interessanten Austausch mit jemanden, der eine andere Sicht auf die (Erziehungs-) Dinge hat. Denn seien wir mal ehrlich, obwohl es alle tun, lässt sich über Erziehung eigentlich nur wenig streiten. Klar gibt es absolute Do's (z. B. seine Kinder lieben, ihnen Essen, Kleidung und Bildung ermöglichen etc) und absolute Don'ts (z. B. Gewalt und Vernachlässigung). Aber dazwischen gibt es viele Grauzonen. Solange Eltern und Kinder damit glücklich sind, gibt es bestimmt immer Dinge, die optimaler laufen können - aber wer kann sich schon so in andere hinein versetzen, um das beurteilen zu können. Wer nicht gerne draußen ist, kann anders für Bewegung oder für andere Reize sorgen. Wer nicht gerne vorliest, kann dafür viele Spiele spielen. ... Genauso wie beim Tragen, Stillen, Impfen etc muss es halt irgendwie zu den einzelnen Menschen passen.
Mein Fazit:
Eins meiner größten Kritikpunkte an unserem Alltag ist, dass ich wohl täglich eine Stunde aufräumen kann - und man sieht nichts davon. -.-' Entsprechend kippte meine sehr ordentlich Gastmutti auch fast aus den Socken, als sie unser Haus betrat. War ich am Anfang aber noch zutiefst beeindruckt von ihrem ordentlichen Haushalt, wurden mir im Laufe des Besuchs zwei Dinge klar:
1. Sie hat einfach dermaßen weniger Kram als wir, dass sich das Aufräumen selbst erheblich einfacher gestaltet.
2. Sie putzt und wienert 3-4 Std täglich, erzählte sie. Wenn ich die Zeit ausrechne, die ich investiere, die unsere Haushaltshilfe investiert und die mein Mann investiert und das durch 6 Tage (ohne Sonntag) teile, komme ich auf 2-3 Std täglich. Also 1-2 Std TÄGLICH die ich von der Zeit für meinen Mann und meine Kinder abziehen müsste. O.o
Abgeguckt hab ich mir die Regel: was in diesen Schrank passt, darf bleiben. Was nicht in den Schrank passt, kommt weg. Macht Ordnung halten und Ausmisten tatsächlich viel einfacher! :)
Die Gastmutter erwiderte auf meine Kritik (dass sie inkonsequent sei und ihre Tochter manchmal mehr/andere Aufmerksamkeit bräuchte), sie mache alles richtig, weil ihre Tochter so ein toller Mensch sei. Die Kleine ist zwar süß und garantiert kein schlechter Mensch, wenn ich aber im Vergleich meinen Sohn sehe, finde ich ihn selbstbewusster, hilfsbereiter und voller liebevollen Respekt mir gegenüber. Das würde mir an ihrer Stelle fehlen, aber auch sie scheinen glücklich zu sein, so wie es ist.
So gehen wir zumindest mit dem Gefühl aus diesem Vergleich , dass wir die richtige Schiene fahren... zumindest für uns! Und wir haben nette neue Menschen kennen gelernt. :)

Das einzige, was mich im Nachhinein etwas ärgert: ich hab mich zu etwas mehr Kritik anstacheln lassen, als es sonst meine Art ist. Und ich war am Ende so kaputt, dass ich deutlich weniger diplomatisch war, als meistens. Aber gut - wer mich kennt, weiß wie wir sind. Wer lästern will, tut es eh.

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