Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Mittwoch, 30. März 2016

Belohnung und Strafe

Ein gewisser Herr Pawlow machte bei seinen Hunden eine interessante Entdeckung: vor jedem Füttern wurde eine Glocke geläutet - beim Füttern sabberten die Hunde (ein angeborener Speichelreflex). Nach einer gewissen Zeit, sabberten die Hunde schon, wenn sie nur die Glocke hörten, die Glocke war durch die Verbindung mit Futter ebenfalls zum Auslöser des Reflexes geworden. Das Konditionieren war entdeckt.
Skinner entwickelte das Ganze unter dem Namen Behaviorismus noch weiter: er belohnte z. B. Tauben immer mit Futter, wenn sie den Kopf in eine bestimmte Richtung bewegten - und hatte sie so in kürzester Zeit soweit, dass sie das Gesicht einer bestimmten Person seiner Wahl aus einem Foto pickten.
Was bei Tieren funktioniert, funktioniert genauso beim Menschen. Wird eine bestimmte Situation wiederholt mit einem bestimmten Reflexauslöser verknüpft, löst irgendwann schon die Situation den Reflex aus. Häufig ist das z. B. bei Kindern zu beobachten, die geschlagen werden: eine laute Stimme zusammen mit einer hecktischen Bewegung führt dazu, dass sie zusammen zucken oder sich ducken.
Der Behaviorismus ist das, was viele Eltern und Erzieher täglich anwenden, um das Verhalten ihrer Zöglinge zu beeinflussen.
Man unterscheidet dabei vier Arten, ein gezeigtes Verhalten zu beeinflussen: positive und negative Belohnung sowie positive und negative Strafe. Negativ ist hier nicht als schlecht, sondern als Wegfall von etwas gemeint.
- Eine positive Belohnung gibt einen guten Reiz, z. B. Belohnung durch Süßigkeiten für ein erwünschtes Verhalten.
- Eine negative Belohnung lässt einen schlechten Reiz wegfallen, z. B. wenn Schüler besonders gut mitgearbeitet haben und darum keine Hausaufgaben machen müssen.
- Eine positive Strafe gibt einen schlechten Reiz, z. B. Zimmerarrest.
- Eine negative Strafe entzieht einen guten Reiz, z. B. Fernsehverbot.
Diese Art der Verhaltensmodifikation zeigt schon bei Kleinstkinder Erfolg: Schreikinder, die bei jeder noch so kleinen Schreipause sofort durch Lächeln und körperliche Zuwendung belohnt wurden und während der Schreiphasen ignoriert wurden, schrien schon nach kurzer Zeit weniger (diese Experimente stammen aus den 1960er Jahren und sind mit dem heutigen Wissen von Urvertrauen nicht mehr zur Nachahmung zu empfehlen, zumindest nicht das Ignorieren - die positive Belohnung für Schreipausen kann immer noch hilfreich sein!)

Uns stellte sich jedoch die Frage, wollen wir unsere Kinder dressieren oder sie zu selbständig denkenden Menschen erziehen? Letzteres ist zwar anstrengender (Kinder mit eigener Meinung ;) ), aber wie schon Hannah Arndt wusste: die Kinder und Jugendlichen, die wir als Erzieher anstrengend finden, weil sie alles hinterfragen und kommentieren müssen, sind die Erwachsenen, die wir brauchen, um zu verhindern, dass sich so etwas wie der Zweite Weltkrieg wiederholt. Wer nur lernt, sich an Autoritäten und deren Lob/Strafe zu orientieren, wird auch im späteren Leben eher unhinterfragt Autoritäten folgen. Wer nicht versteht, warum etwas richtig oder falsch ist, wird seine Handlung nicht aus Einsicht, Mitgefühl oder Mitdenken ändern, sondern nur bezogen auf sich selbst ändern: ich will eine bestimmte Reaktion meiner Eltern auslösen oder vermeiden, also muss ich mich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Sind meine Eltern nicht da, tu ich, was ich will.

Für uns bestand der Weg dorthin u. a. darin, dass wir nicht mit Lob und Strafe zur Verhaltensmodifikation arbeiten wollten. Statt dessen wollten wir konsequent sein - und sie die Konsequenzen ihrer Handlungen erfahren lassen, damit ihnen immer bewusst ist, dass all ihre Handlungen gute oder schlechte Konsequenzen haben, unabhängig von Mama und Papa. Wir erhoffen uns davon auch, dass sie schon als Teenager, aber erst recht als Erwachsene, wissen und bedenken, dass alles Folgen hat und bedenken, ob sie damit leben können.
Natürlich loben wir unsere Kinder (wenn es angebracht ist und nicht für jeden queren Pups, z. B. eher "ich find's toll, dass du dich mit deinem Malbuch so gut alleine beschäftigt hast" als für drei krakelige Striche in Begeisterung auszubrechen - oder auch mal "ich find es toll, dass du Spaß am Malen hast, aber nur dreimal um das Ausmalbild zu kreisen mit dem Stift ist nicht so schön, komm, wir malen es zusammen ganz aus" - es ist für die Kinder oft viel schöner, wenn sie wirklich WAHRGENOMMEN werden und nicht einfach nur alles "super" ist).
Natürlich empfinden sie einige Konsequenzen als gut/Belohnung, andere als blöd/Strafe. Darum geht es auch nicht - wir Erwachsenen finden manche Folgen im Leben ja auch schöner als andere. Wichtig war uns nur, dass die Konsequenzen logisch im Zusammenhang zur Handlung steheen - und nicht primär von Mama und Papa gemacht werden. Wichtig war uns, dass sie lernen, (vorher) über ihre Taten und deren Wirkung (auch auf andere) nachzudenken - und nicht nur bzgl dessen, was sie evtl damit erreichen wollen. Umgekehrt heißt das nicht, dass wir sie nicht vorwarnen, was die Konsequenzen sind (z. B. dass es draußen ohne Schuhe kalt sein könnte) und/oder die Intensität der Konsequenzen etwas beeinflussen (z. B  heimlich die Gummistiefel einstecken, damit man eben nicht den ganzen Weg ohne Schuhe laufen muss). Dafür sind wir schließlich die Eltern - Konsequenzen statt Strafen befreien uns nicht von unserer Fürsorgepflicht, sie verlangen von uns nur etwas mehr Überlegung und mehr Aufmerksamkeit/Wahrnehmung unserer Kinder.
Einige Beispiele aus unserem Alltag:
- Wenn man sich nicht die Hände wäscht, passiert eigentlich erstmal nichts. Wenn man sich vorm Kochen die Hände nicht wäscht, darf man nicht helfen (weil Mama erklärt, dass es auch unsichtbaren Dreck gibt und den wollen nicht alle von deinen Händen mitessen). Wenn man sich gar nicht mehr waschen will, kommt Mama mit dem Waschlappen und verhandelt (weil man sich ab und zu mal sauber machen muss, um gesund zu bleiben und das Haus sauberer zu lassen - weil ich meine Kinder aber nicht zwangswaschen will, es ist ihr Körper).
- Um 20h ist Feierabend für Mama und Papa. Macht man sich abends schnell fertig, haben Mama und Papa noch viel Ruhe zum Spielen, Vorlesen und kuscheln. Vertrödelt man die Zeit mit bockig sein oder was anderem, fällt die Kuschel- und Vorlesezeit kürzer aus.
- Ohne Helm gibt es kein Fahrrad (na gut, die ganz logische Konsequenz wäre eine Schädelverletzung beim Unfall zu riskieren, das haben wir auch mal spielerisch so erklärt, aber die in unseren Augen doch relativ logische Regel, haben unsere Kinder auch eingesehen).
- Stößt man sein Glas um, wird nicht gemeckert, aber man muss aufwischen helfen.
- Macht man etwas kaputt, ist es kaputt. Macht man etwas von anderen kaputt, muss man für Ersatz sorgen.
- Manchmal kann man auch statt Verbote/Strafe/Wutanfälle Alternativen anbieten. Statt "du musst jetzt Zähne putzen" - "welche Zahnbürste möchtest du heute benutzen", statt "wenn du das Puzzle mit zum KiGa nimmst und ein Teil verlierst, bist du traurig" - "willst du nicht lieber denn Bagger mitnehmen?", statt "ich möchte nicht, dass du die Schublade ausräumst" - "guck mal, hier ist ein ganzer Schrank mit Tuppertöpfen" oder auch "würdest du diesen Schrank ausräumen, sauber putzen und wieder einräumen?"
- auch Erklärungen funktionieren früh, bei uns war eins der ersten Sachen "Wenn du mit dem Besteck auf den Tisch haust, bekommt der Tisch Macken und Mama aua im Kopf, weil das so laut ist. Kannst du auch in die Hände klatschen, zum Musik machen?" (Man muss halt meistens nur wissen, WARUM sie etwas tun.)
Bis jetzt funktioniert es ausnahmslos gut. Das Meiste machen die Kinder eh so, wie wir es vorleben (z. B. viel Bitte und Danke sagen, sich die Hände waschen, wenn man heim kommt, mit Helm Rad fahren...). Sollte es bei Verhaltensregeln, die uns wichtig sind, mal nicht funktionieren, müssten wir uns überlegen, wie wir reagieren wollen - aber bisher war das nicht nur nicht nötig, wir erleben unseren Großen auch als sehr überlegt. Als ich mal ein fremdes Auto aus Versehen beschädigte und noch geschockt da stand, nahm mein 3-Jähriger mich an die Hand und meinte: "Ist nicht so schlimm, Mama. Das war ein Unfall. Du musst jetzt die Polizei anrufen und Bescheid sagen.":D
Manches dauert jedoch länger. Z. B. kenne ich kein Kind, dass mit 2-3 Jahren nicht plötzlich zum schlechten oder hampeligen Esser wird. In meinem Bekanntenkreis haben einige es so gelöst, dass die Kinder für jedes vernünftige Essen eine Belohnung bekommen, meist Süßigkeiten. Es funktioniert durchaus viel schneller wieder besser als bei uns - nur frag ich mich, was man dabei mit dem natürlichen Körpergefühl und Essverhalten macht, wenn man es so manipuliert.
Ein interessantes Beispiel habe ich vom Beißen. Manche Kinder stecken so vor der Sprachentwicklung ihre Grenzen ab. Wir haben unseren Sohn nie dafür bestraft, denn wir fanden es ok, dass er deutlich machte, was er nicht will. Wir haben ihn jedoch immer erklärt, dass es ok ist, etwas nicht zu wollen, aber nicht ok, anderen weh zu tun. Man kann statt dessen "nein" sagen oder zu Mama/Papa/Erzieherin laufen oder weggehen usw. Allerdings haben wir ihm auch erklärt, wenn ein anderes Kind zurück haute, dass das halt mal passiert, wenn man jemanden weh tut - das kann die Konsequenz daraus sein und es ist nicht schön, wenn man anderen weh tut. Ich gebe zu, es hat mehrere Wochen gedauert, bis es weniger wurde und verschwand erst mit der Sprachentwicklung komplett.
Ein anderes "Beißer"-Kind wurde von der Mutter immer zurück gebissen "damit es lernt, dass das weh tut". Es hörte viel schneller auf zu beißen als unser Sohn - zumindest solange ein Erwachsener dabei war. Fühlt er sich unbeobachtet, haut er bis heute andere Kinder, wenn er etwas nicht will. Erstens denkt er, dass ist als "Strafe" ok, Mama macht das ja auch so; zweitens hat sich sein Verhalten nur geändert, wenn eine strafende Instanz in der Nähe ist; drittens hat er ja keine anderen Handlungsalternativen gelernt, er weiß ja gar nicht, wie er anders reagieren könnte.

Montag, 21. März 2016

Fremdbetreuung

Die Institution Familie hat sich in den letzten 100 Jahren mehr verändert als in den 1000 Jahren davor.
Früher lebte man mehr in Mehrgenerationsfamilien, hatte evtl noch Dienstpersonal und lebte intensiver mit den Nachbarn zusammen. Die Redensart "Man braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen." stammt aus diesen Verhältnissen, betreut im heutigen Sinne wurden die Kinder fast gar nicht, beaufsichtigt von allen mal, "Qualitätszeit" miteinander existierte so gut wie nicht.
Heute gibt es Klein-, Kleinst- und Patchworkfamilien. Groß- und Mehrgenerationsfamilien sind selten geworden, die Mutter als Hausfrau ebenso, umgekehrt wollen Eltern ihre Kinder ganz anders erleben und kennen lernen als früher, die Betreuungsfrage wird immer neu verhandelt. 

Wir waren bei unserem Sohn froh, ihn bis 2.5 Jahren zu Hause betreuen zu können, weil wir uns nicht vorstellen konnten, so früh jemand Fremden ihn betreuen zu lassen und evtl Dinge wie das erste Wort oder den ersten Schritt zu verpassen. Zwar forderte er mit 1.5 Jahren mehr Kinderspaß ein als das wöchentliche Turnen, die Betreuungsarten konnten wir dann aber frei wählen und seinen Bedürfnissen anpassen, z. B. Spielgruppen - wir mussten halt nicht.
Als er dann mit 2.5 Jahren in den KiGa kam, dachte ich zuerst, ich müsse ihn ja nicht bis 16h dort lassen, da ich zu der Zeit in Elternzeit war. Aber schnell wurde mir klar, dass ich ihm und mir keinen Gefallen tat, ihn eher abzuholen. Er wollte lieber mit seinen Kumpels Mittagessen und machte im KiGa auch anstandslos Mittagsschlaf. Zwischen 15.15h und 15.45h holte ich ihn dann täglich ab - bis dahin hatte er früher Mittagsschlaf gemacht, wir hatten also nicht weniger vom Nachmittag als vorher. Nur war ich entspannt, weil ich nicht für Essen und Mittagsruhe sorgen musste, das Baby war entspannt, weil sie Mittagsschlaf mit Dauerstillen auf Mamas Arm in Ruhe haben durfte und der Große war entspannt, weil er ganz bei Mama im Mittelpunkt stand, wenn er nach Hause kam, und nicht mit dem Baby konkurrieren musste (das Baby beobachtete oder schlief gut verpackt im Tragetuch derweil). Entgegen meinen Erwartungen ("wie kann man Kinder nur so lang weggeben, wenn es nicht sein muss" hatte ich vorher gedacht) tat es uns also sehr gut, den Ganztagsplatz zu nutzen. Ich glaube, er hatte das Gefühl, viel mehr von Mama zu haben als vorher, als Mama nebenbei noch alle mögliche andere machte (z. B. Haushalt), statt wie jetzt zwischen KiGa und Abendessen nur bei ihm zu sein.
Zu Hause betreuen beinhaltet bei uns aber auch mal einen Nachmittag oder eine Nacht bei Oma und Opa oder Tante und Onkel - ebenso wie auch eine Phase mit AuPair, die wir sehr genossen haben.
Prinzipiell finde ich es eher positiv für das Kind (fühlt sich von vielen geliebt) und die Eltern (werden entlastet), wenn das Kind sich bei mehreren Menschen wohl fühlt. Aus meiner eigenen Erfahrung als Kind weiß ich, dass wir Eltern deswegen nicht weniger Bezugsperson sind und schon in den 1980er Jahren fanden Untersuchungen in Ost- und West-KiTas heraus, dass nicht die Menge der Zeit die Eltern-Kind-Beziehung prägt, sondern die Qualität der Zeit.

Bei unserer Kleinen sah es aus beruflichen und finanziellen Gründen anders aus. Sie musste schon mit einem Jahr in die Krippe. Das fiel mir sehr schwer und wir haben lange nach Alternativen gesucht. Aber alle Alternativen waren in unseren Augen schlechter (z. B. zu Haus Betreuung von Papa, Oma und Opa, dafür arbeitet Mama 50 Std die Woche - für ein noch gestilltes, totales Mamakind, wie sie es ist, eher schlechter...)
In dem Alter ist Fremdbetreuung meiner Ansicht nach Stress für die Kinder (dachte ich). Geholfen haben mir ein wenig folgende Gedanken:
- Wir haben die Betreuungszeit zunächst möglichst kurz und über den Mittagsschlaf gehalten, so dass sie sich effektiv nur 4x pro Woche drei Wach-Stunden mit dem Trubel aus anderen Kindern und Erziehern auseinander setzen musste. Bald wirde aber klar, einerseits genießt sie die KiTa sehr (sie wurde richtig weinerlich, wenn wir den Großen wegbrachten und sie mit heim sollte), andererseits brauchtbsie möglichst viel Regelmäßigkeit. Daher ging sie dann doch bald 5x pro Woche 6 Std.
- Stress ist sicher nicht schön, kann aber auch (positiv) spannend, an- und aufregend sein und ist nicht schädlich, solange man dafür auch Ruheinseln schafft und lernt, damit umzugehen. So haben wir die Kleine z. B. zu Beginn mind eine Std. vor dem Großen abgeholt, um ihr die Ruhephase mit Mama zu gönnen. Später haben wir an einem Tag den Großen, am anderen Tag die Kleine mal eher abgeholt.
- Unsere Kinder erleiden keinen Verlust, wenn sie mehrere Bezugspersonen haben (so z. B. die Erzieherinnen), sondern einen Gewinn an Menschen, die sie mögen und sich um sie kümmern.
- Unsere Kinder verlieren nicht Eltern-Zeit, sondern gewinnen Eltern, die in Ruhe gearbeitet haben und evtl auch schon die ein oder andere Minute für sich bzw. zum runter kommen hatten: sie gewinnen also Eltern-Qualität!
- Wir haben einen Rhythmus eingehalten: egal wann wir fertig waren mit arbeiten oder frei hatten, Kindergartenzeiten waren fest. Diese Konsequenz half den Kindern im Alltag (weil sie z. B. einschätzen konnten, wann Mama kam und nicht unnötig warten mussten, weil Mama mal so und mal so zum Abholen kommt) und ermöglichte uns Eltern, unsere eigenen Bedüfnisse wahrzunehmen - und damit entspannte Eltern und ein entspanntes Paar zu bleiben. (Das ist allerdings was, was ich bei anderen Paaren auch anders erlebt habe - das sollte man ganz nach den eigenen Bedürfnissen entscheiden können, ohne zu (ver-)urteilen.)

Mit etwas Abstand kann ich jetzt sagen, dass unserer Kleinen die regelmäßige Betreuung im festgelegten Rahmen deutlich besser getan hat, als dem Großen die Betreuung mal so, mal so. Das liegt sicher auch an unserer tollen KiTa und dass wir uns viele Gedanken dazu gemacht haben, wie unsere Kinder fremdbetreut werden sollen. Z. B. gibt es in unserer KiTa kein offenes Konzept (unsere Kinder sind eher lärm-/reizempfindlich), dafür aber Ruheräume.

Verwöhnen vs Bedürfnisse

Wir verwöhnen unsere Kinder - bekommen wir zumindest oft genug zu hören. Manchmal nerven mich diese Kommentare, manchmal erwiedere ich lächelnd "und das aus Überzeugung". Aber hier jetzt mein Plädoyer FÜR das Verwöhnen.

Vorweg ein Wort: ich lehne materielles Verwöhnen grundsätzlich ab, denn meiner Meinung nach lernen Kinder so von allem den Preis - und von nichts den Wert. Außerdem kann kein Spielzeug der Welt Nähe und Geborgenheit ersetzen - was es meiner Beobachtung nach oft genug leider tun soll.
(Nichts desto trotz macht es mir natürlich auch Spaß meinen Kindern materielle Freuden zu machen - aber zu ihren Gunsten versuche ich mich so gut es geht zurück zu halten und das auf ein größeres Teil zu Weihnachten und zum Geburtstag zu beschränken. Dass das auch nicht anders nötig ist, zeigte mein Sohn mir erst kürzlich. Als er sich mal außer der Reihe ein Puzzle aussuchen durfte, weil er seine vorhandenen innerhalb von Sekunden zusammen baute und ich den Schwierigkeitsgrad steigern wollte, wollte er das Malbuch, dass ich ebenfalls kaufen wollte, nicht haben. "Ich hab doch schon ein Puzzle", sprach's und ging.)

Was ist denn dann Verwöhnen?
Wir verwöhnen unsere Kinder mit Liebe, Aufmerksamkeit und dem Erfüllen ihrer Bedürfnisse.
Die Nazis brachten einen Erziehungsratgeber heraus, der davon sprach, man müsse Kinder abhärten, die Lungen durch Schreien stärken und ihnen schon früh Disziplin beibringen. Nach diesem Ratgeber erzog eine ganze Generation ihre Kinder - und deren Kinder erzog ihre Kinder wiederum so, wie sie es von ihren Eltern gelernt hatten, ohne zu ahnen, auf was für einem Mist das fußt. Bis heute ist Deutschland das einzige Land, in dem sich hartnäckig die Vorstellung hält, man könne Babys durch Aufmerksamkeit verwöhnen. Auf die dadurch verursachten psychischen Probleme komme ich weiter unten zu sprechen.
Babys haben kein wenn-dann-Verständnis. Ihr Gehirn gibt das viel zitierte "WENN ich schreie, DANN kommt Mama" gar nicht her. Sie schreien, weil etwas ist: Hunger, Durst, müde, Angst, Einsamkeit, zu kalt, zu warm,... all die Dinge, gegen die wir auch sofort was tun würden, wenn sie uns quälten. Gleichzeitig haben sie auch noch kein Zeitverständnis. "Einen Moment noch" und 100 Jahre sind für sie ungefähr gleich lang.
Das wenn-dann-Verständnis entwickelt sich langsam rund um den ersten Geburtstag. Ab da kann ich ein Kind natürlich gewöhnen (wenn ich mich im Supermarkt auf den Boden schmeiße, dann bekomme ich was Süßes - sowas lernt ein Kind schnell), trotzdem schreien sie immer noch nicht primär, weil sie etwas Bestimmtes wollen, sondern weil sie so ihren Emotionen Luft machen. Das ist prinzipiell nichts Schlimmes und wir Eltern sollten lieber lernen, ihnen da durch zu helfen, statt ihnen Manipulation zu unterstellen oder sie zu bestechen.
Gleichzeitig lernen Babys durch unsere Reaktion auf ihr Schreien natürlich schon etwas. Entweder: ich bin wichtig genug, dass mir jemand hilft, wenn ich mir nicht selbst helfen kann, ich werde geliebt und umsorgt und bin nicht allein. Das nennt man Urvertrauen und ist die Grundlage für einen psychisch gesunden Menschen!
Oder sie lernen: ich bin allein, keiner hilft mir, die Welt ist kalt und einsam, schreien nützt nichts, ich muss meine Kräfte besser sparen. Diese Babys schreien sich kein zweites Mal in den Schlaf - nur nicht, weil sie gelernt haben "wer hier das Sagen hat",  sondern weil etwas Wichtiges in ihnen zerbrochen ist.
Natürlich ist man mal auf dem Klo und nicht sofort da. Natürlich kann man gegen Bauchweh nichts tun, außer da zu sein (was in Babys Welt unfassbar viel ist - Mama und Papa lassen mich nicht alleine, wenn es mir nicht gut geht). Natürlich müssen sie auch mal unzufrieden quengeln, wenn sie z. B. nicht ans Spielzeug kommen, um zu lernen vorwärts zu wollen und zu kommen.
Aber das ist ein Unterschied dazu, sie alleine weinen zu lassen oder immer zu Kindern zu gehen und ihnen zu zeigen: wir sind da, du kannst uns vertrauen, die Welt, in der du lebst, ist nicht grausam und einsam, sondern voller Liebe.
Babys haben ein extremes Bedürfnis nach Nähe, Körperwärme, Geborgenheit und Sicherheit. Das war evolutionär gesehen überlebenswichtig! Die kleinen Baby-Urinstinkte haben noch nicht verstanden, dass Gitterbett, Kinderwagen und Laufstall genauso sicher sind wie Mamas Arm. Für sie bedeutet weg von Mama und Papa primär: meine Nahrungsquelle und mein Beschützer sind nicht da - ich muss vermutlich sehr bald sterben, oh nein!
Dieses Grundbedürfnis nach Nähe zu erfüllen steigert nicht nur das Urvertrauen, sondern in Wirklichkeit auch das Wohlbefinden der Eltern, weil die Babys zufriedener sind, weniger Quengeln und Weinen und die daraus wachsenden Kleinkinder selbstbewusster und selbständiger sind. Der häufigste Satz neben "ihr verwöhnt eure Kinder" ist, "ihr habt aber auch zwei entspannte, fröhliche Kinder!" - ein Schelm, wer da einen Zusammenhang vermutet.
Mit Verwöhnen im negativen Sinne, hat das nichts zu tun. Wobei ich mich frage, wann genau Verwöhnen überhaupt zu etwas Negativem geworden ist...? Ich verwöhne mich gerne und regelmäßig: mit leckerem Essen, mit einem Kuschelabend mit meinem Mann, mit einem Saunaabend, mit einer Massage, mit einem Abend mit guten Freunden, mit einem leckeren Glas Wein... kurz gesagt: mit Nahrung, Wärme und menschlicher Nähe. Warum meinem Kind nicht das Gleiche gönnen, schlimmer noch: es ihm/ihr vorenthalten, weil es sich das ja noch nicht selbst anderweitig besorgen kann!!

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass auch Mama und Papa Bedürfnisse haben, die sie nicht vernachlässigen sollten. Zum einen haben glückliche Eltern glücklichere Kinder - kein Kind will, dass es Mama und Papa nicht gut geht. Zum anderen lernen Kinder am Vorbild - so auch in diesem Fall: es ist ok, mich nicht selbst zu Gunsten anderer aufzugeben, sondern mich auch mal um mich und meine individuellen Bedürfnisse zu kümmern. Zum dritten: ein Kind braucht seine Eltern nicht nur als Eltern, sondern auch als Paar. Als funktionierende Einheit - sei es als Paar oder als getrennt lebende Freunde - genauso sehr wie als Vorbild dafür, wie Beziehungen funktionieren können. 
Und wenn ich meine Beziehungen und Freundschaften permanent dem Kind unterordne, hätte ich Angst, das nichts davon bleibt, wenn die Kinder dann aus dem Haus sind...
Das heißt aber auch: wer sich also im Familienbett oder mit Tragetuch oder beim Stillen nicht wohl fühlt, sollte es nicht zu Gunsten der Kinder "durchhalten". Natürlich brauchen Kinder Nähe (die u. a. so gegeben werden kann), aber geschieht diese Nähe ungewollt, fühlen sie das auch - und sich damit sicher nicht wohl.
Auch andere Bedürfnisse sollen und müssen und dürfen Eltern wahrnehmen: nach Zweisamkeit genauso wie mal nach Einsamkeit, nach Hobbys genauso wie nach Schlaf. Früher sagte man, man braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen. Früher lebte man mit mehreren Generationen zusammen und in einer aktiven Nachbarschaft, evtl sogar noch mit Personal. Heute gibt es Klein- und Kleinstfamilien, Alleinerziehende und Patchwork. Die Idee Kinder müssten möglichst lange allein zu Hause von den eigenen Eltern (am besten Mama) betreut werden (mit den dazugehörigen Schuldgefühlen wegen der Fremdbetreuung) ist sicher schön, aber relativ neu - und anstrengend. Ich glaube nicht, dass es meinen Kindern schadet, zu erleben, wie viele Menschen sie lieben: Eltern und Großeltern, Tanten, Onkel, Freunde, Paten und Erzieher. Klar sind wir als Eltern die Hauptverantwortlichen und sollten uns bemühen, immer die Hauptbezugsperson zu bleiben. Aber ab und zu mal einen Nachmittag allein mit den Großeltern oder eine Nacht bei der Tante oder einen Vormittag allein mit Papa schadet bestimmt nicht - ermöglicht den Eltern aber auch mal ihre eigenen Bedürfnissen nachzugehen. Sei es das Mama mal ausschläft oder Papa zum Sport geht oder Mama und Papa gemeinsam ins Kino.

Zuletzt noch ein Wort zum Urvertrauen:
Den Begriff prägte der Freud-Schüler Erikson in den 1950er Jahren. Er bezeichnete damit ein Grundvertrauen, das Babys im ersten Lebensjahr entwickeln und dass es ihnen ermöglicht, Selbstvertrauen ebenso zu entwickeln wie die Grundgefühl dafür, welchen Menschen und Situationen man vertrauen kann.
Unabhäbgig davon entwickelte der Soziologe Claessen in den 1960ern den Begriff Urvertrauen. Bei ihm geht es um die Entwicklung der Fähigkeit, überhaupt Vertrauen in irgendwas zu haben, die im ersten Lebensjahr stattfindet und danach nicht mehr inbdem Maß nachzuholen sei. Alle zukünftigen Beziehungen und Charakterentwicklungen seien davon geprägt, ob dieses Urvertrauen gelernt wurde.
Bei beiden ist es die Grundlage für:
- Vertrauen in sich selbst und Selbstwertgefühl
- Liebesfähigkeit („Ich bin es wert, geliebt zu werden.“)
- Vertrauen in andere, z. B. in Partnerschaft und Gemeinschaft
- Vertrauen in das Ganze, in die Welt.
Eine mangelhafte Ausbildung des Urvertrauens kann zu Beziehungs- und Bindungsproblemen von Menschen führen. Folgestörungen können Misstrauen, Depressionen, Angstzustände, Aggressivität u. a. m. sein. Von allem, was sich aus mangelndem Selbstwertgefühl nochmal wieder als "Symptom" ableitet, ganz zu schweigen.
Mit diesem Wissen und Gedanken, haben wir bestimmten "Wünschen" unserer Kinder (z. B. nach Tragetuch oder Familienbett) auchbgerne nachgegeben.

Samstag, 19. März 2016

Familienbett

Eigentlich sind wir gar nicht so öko - wirklich nicht. Noch im 9. Monat der ersten Schwangerschaft gingen wir davon aus, dass wir mal Kinderwagen schieben und Gläschen kaufen werden.
Einzig wichtig war uns: konsequent zu sein und auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen.
... nur sind unsere Kinder leider total öko...

Während unser Sohn uns nach zwei Wochen klar gemacht hatte, was er vom Kinderwagen hält (nämlich nichts) und unsere Hebamme, was sie von Gläschen hielt (ebenfalls nichts), verdeutlichte unsere Tochter uns sehr genau, was sie von Brei überhaupt (Spielzeug) und Familienbett (sehr viel) hielt. Das gehörte jedoch definitiv zu den "Öko-Dingen", die mir persönlich etwas schwerer fielen - my bed is my castle...

Sohnemann schlief nach der Geburt zwei Wochen lang in einem kleinen Nest aus Stillkissen und Wiegenmatraze in unserem Bett und wanderte dann in sein eigenes Bett neben unserem. Mit fünf Monaten wachte er von mir und ich von ihm gefühlte 100x in der Nacht auf - das war der Zeitpunkt, wo er in sein Zimmer wanderte und bis heute (meist) gern dort schläft.
Wir haben nie zu den Eltern gehört, die ihr schlafloses Kind nachts durch die Wohnung schleppten. Da hab ich lieber stillend in meinem Bett gelegen und hatte es wenigstens warm - wenn ich schon kaum schlafen konnte. Zig mal nachts hoch, Angst im Dunkeln - kannten unsere Kinder nicht. Wenn was war, kam er in unser Bett und gut war's. Allerdings dann meist auf Mamas Bauch liegend, da er Bauchschläfer ist. Einzig eine blöde Einschlafphase aufgrund zu vieler Veränderungen rund um seinen zweiten Geburtstag gab es. Auf die Idee diese Phase mit dem Familienbett durchzustehen sind wir damals nicht gekommen. Wir haben eine abgeschwächte Form des Schlaftrainings ohne Ferbern (= schreien lassen) ausprobiert, die für uns auch gut funktioniert hat. Allerdings mochte er später immer eigentlich nicht zum Schlafen in unser Bett - wenn dann sollte eher einer von uns bei ihm schlafen. So war er zum Glück auch nie eifersüchtig, als seine Schwester das anders sah und bei uns schlafen durfte.

Töchterchen schlief dann direkt ab Geburt in der Wiege neben unserem Bett... zumindest solange bis wir beim Stillen nachts beide im Bett einschliefen. Siehe da, plötzlich konnte ich so einschlafen. Vielleicht weil es das zweite Kind war oder weil sie ruhiger schlief, für uns funktionierte es diesmal besser.
Mit 4.5 Monaten verjagte Papas Bronchitis sie aus unserem Schlafzimmer in ihr Kinderzimmer. Klappte problemlos, sie kam nur einmal nachts zum Stillen. Mit 6.5 Monaten war das vorbei. Man merkte deutlich, sie wollte und brauchte mehr Nähe. Also wurde ein Gitter an unserem Bett befestigt und wir zogen ins Familienbett.
Zwar ging sie immer noch abends zuerst in ihr Bett (uns war das Ritual wichtig, außerdem dass sie dort nicht rausfallen konnte, während wir noch auf waren, und so konnten wir ab und zu abends unser Ehebett auch nochmal für uns haben), aber wenn sie wach wurde, wurde sich zu Mama ins Bett gekuschelt und besser geschlafen - zumindest sie. Ich nur leider nicht - ich wachte immer geräderter und verspannter auf. Also wieder zurück zu dem, wie es beim Großen war: bei Bedarf gern, sonst im eigenen Bett. Etwas besser schlief ich mit ihr gemeinsam im Schlafsessel.

Mittags schläft sie mal in ihrem Bett, mal macht Mama mit ihr im großen Bett Mittagsschlaf, manchmal auch einfach auf Sofa oder Sessel in Mamas Arm. Natürlich machte ich mir Gedanken, wie das in der Krippe wird oder wenn sie mal bei Oma und Opa schlafen soll... aber ihr deswegen sofort schon oder überhaupt die offensichtlich benötigte Nähe und Sicherheit zu entziehen war für uns keine Option. Außerdem ist es meistens für Kinder als andere Situation einzuordnen und oft kein Problem. Und auch, wenn man Babys nicht VERwöhnen kann, wird es natürlich dann irgendwann mal eine UmGEwöhnung sein, im eigenen Kinderzimmer zu schlafen. Aber mit unserem Abendritual im eigenen Bett und unserer leichten, liebevollen Art des Schlaftrainings, sind wir nie auf Probleme gestoßen. Eigentlich hofften wir auch, dass das irgendwann einfach von alleine klappt, wenn sie genug "getankt" hat. ... Nachtrag: Und dem war so. KiTa kein Problem, und mit 13 Monaten fing sie auch an von ca 19.30h bis mind 5.30 durch zu schlafen
- Man merkt vielleicht, wir sind nicht völlige Überzeugungstäter, mir geht es damit einfach nicht gut auf Dauer. Aber es ist bequemer als ein schreiendes Baby und gemütlicher als durch die Gegend zu laufen und stillt Babys Bedürfnis nach Nähe ebenso wie mein Bedürfnis nach Schlaf. Also passt's schon für uns - mal so mal so.

PRO
- Untersuchungen zeigen, Kinder im Familienbett werden seltener wach (sie müssen ja nicht aufwachen und rufen, um Nähe zu bekommen) und werden (ähnlich wie beim Tragen) selbstbewusster und selbständiger - vermutlich weil sie sich einfach jeder Zeit volltanken können mit Nähe und Sicherheit.
- Besonders beim Stillen: man muss nicht nachts aufstehen, ja nicht mal wirklich aufwachen.
- Oft bekommt man in schwierigen Phasen der Kinder mehr Schlaf oder zumindest mehr Ruhe, wenn man gemeinsam in einem Bett liegt.
- es fühlt sich schön an, gemeinsam und kuschelnd zu schlafen
- Kinder sehen schlafend sooooo süß aus! 
- evolutionär betrachtet ist es die natürliche Form des Schlafes für Babys und Kleinkinder und wird in vielen Ländern noch so praktiziert
- Untersuchungen zeigen, Mütter schützen ihre Kinder während des Schlafens instinktiv vor zu warm, zu kalt, rausfallen etc
- Liebensleben auserhalb des Ehebettes kann was Aufregendes haben 

CONTRA
- Nicht jeder kann gut und tief oder überhaupt so schlafen.
- Keiner garantiert, dass man im Schlaf das Kind realisiert - ich hab die Kleine schon mal mit dem Ellbogen erwischt...
- für Babys, die nur auf dem Bauch schlafen, nicht geeignet - es sei denn auf Mamas oder Papas Bauch, solange diese wach sind.
- für Raucher nicht geeignet
- man gibt das eigene Bett als Rückzugsort zumindest zeitweise auf
- Sex mit Kleinkindern ist manchmal schon schwer genug zu haben - und dann noch das zweisame Bett aufgeben kann manchmal belastend sein
- Aber das Wichtigste ist: Familienbett funktioniert nur, wenn alle Beteiligten (BEIDE Eltern + Kind ... es heißt Familienbett, nicht Mutter-Kind-Bett) das wirklich wollen und so gut schlafen können!

Klar gibt es auch hier ein paar Dinge zu beachten:
- im Familienbett schlafen keine Haustiere, Raucher, Betrunkene, schwer Kranke oder unter Einfluss starker Medikamente (erhöht die Gefahr des plötzlichen Kindstodes und/oder die Wahrscheinlichkeit so tief zu schlafen, dass man das Kind bei sich nicht mehr realisiert)
- das Kind schläft im Schlafsack auf dem Rücken
- das Bett sollte je nach Alter und Fähigkeiten des Kindes gesichert sein (bei uns reicht z. B. ein Gitter an einer Seite, falls sie mal außen schläft, da sie nie allein im Familienbett liegt)
- zwischen zwei Kindern schläft ein Erwachsener

BLW

BLW (baby led weaning) ist die vom Baby selbst gesteuerte, breifreie Einführung der Beikost. Das baby bekommt im wahrsten Sinne des Wortes freie Hand, gegessen wird nur, was selbst in den Mund gesteckt wird, füttern aller Art wird vermieden.
Man kann frühestens mit 5.5 Monaten, spätestens wenn sich das Baby selbständig aufsetzt und/oder den ersten Zahn hat damit beginnen. Ausschlaggebend ist dabei vor allem das Interesse des Babys am Essen. Man sollte immer möglichst Lebensmittel anbieten, die verschieden in Farbe und Konsistenz sind, so entwickeln sich vielseitige Esser.
Es sollten einige Regeln beachtet werden:
- Gegessen wird aufrecht: in einer hochgestellten Wippe, auf dem Schoß eines Erwachsenen oder im Hochstuhl,  wenn sie sitzen können.
- Runde Lebensmittel sollten vermieden werden, da sie unbeachsichtigt in den Rachen und damit die Luftröhre rutschen können. Lebensmittel sollten immer so angeboten werden, dass sie gut in Babys Faust passen und dann noch etwas herausstehen und abgelutscht werden können.
- Der oft propagierte Eisenmangel bei Stillkindern ist ein moderner Mythos. Zudem kann Eisen gut über Haferflocken und B12 über Käse und Eier aufgenommen werden. Fleisch kann erst mit Backenzähnen zermahlen werden und ist evolutionär daher wohl nicht eher vorgesehen. Wer mag kann es aber "zum Ablutschen" anbieten, dabei werden auch Nährstoffe aufgenommen.
- Babys verschlucken sich bei BLW oft seltener als bei Brei, da der Würgereflex noch sehr weit vorne im Mund liegt. Lebensmittel können erst in den Rachen transportiert werden, wenn sie auch gekaut und geschluckt werden können - im Gegensatz zum flüssigen Brei. Nichts desto trotz sollten Babys nie unbeaufsichtigt essen.
Welche Lebensmittel vermieden werden sollten:
- Salz und Tiermilchprodukte bereiten dem noch unfertigen Darm und den kleinen Nieren schnell Probleme.
- Ein Salzkonsum von 1g pro kg Körpergewicht ist für Menschen tötlich. Einen 100kg Mann haut also erst 100g Salz aus den Socken, ein Baby schon 1TL! Salz versteckt sich in vielen Lebensmitteln und auch Babyprodukten, daher bitte sorgfältig die Etiketten studieren und bestimmte Lebensmittel (wie zB Wurstwaren, da meist stark gewürzt) generell im ersten Lebensjahr meiden.
- Milch (und Milchprodukte) zwischen 6 Monate bis zum ersten Geburtstag höchstens 200ml (bzw entsprechend die daraus entstehenden Milchprodukte, ca 30g Käse, Quark o.ä.), danach 500ml (gilt eigentlich auch für Erwachsene...).
- Honig enthält Bakterien, die für Babys gefährlich sind und sollte daher die ersten zwei Lebensjahre gemieden werden, da sie zum Atemstillstand führen können.
- Zucker ist nicht nur schlecht für die Zähne, es hemmt auch die Calciumaufnahme. Außerdem besteht ein Zusammenhang zu ADHS. Daher sollte Zucker bis zum 1. Geburtstag tabu sein und auch danach nur in geringen Maßen zugänglich sein. Bitte besonders auf Zuckerzusätze bei Fertigprodukten, Säften und Joghurt etc achten!
- Auberginen wird ein hoher Nikotingehalt nachgesagt - da scheiden sich aber die Geister, wir meiden sie in den ersten zwei Jahren.
- Soja und Sojaprodukte enthalten hormonähnliche Stoffe und sind daher für Babys und Kleinkinder tabu!
- Fertiggerichte, Fast Food, Süßigkeiten und gewürzte Speisen sollten aufgrund ihres Zucker- und Salzgehalts im ersten Jahr tabu sein und danach noch möglichst lange gemieden werden.
- Eier, Fleisch und Fisch sollten bis zum zweiten Geburtstag auf alle Fälle ganz durchgegart und in Maßen gegeben werden.
- Nüsse sollten aufgrund von Allergien, aber auch der Gefahr des Verschluckens im 1. Lebensjahr gemieden werden. Ausnahme bildet weißes Mandelmus. Die meisten Allergene befinden sich in der braunen Haut, so dass mit dem weißen Mandelmus gute Fette ihren Weg finden und eine Einführung von Lebensmitteln parallel zum Stillen angeblich oft Allergien vorbeugt.
- Dass Koffein und Alkohol vermieden werden sollte, muss ich hoffentlich  nicht extra erwähnen...
Phase 1 - der Anfang (ca 6. - 8. Lebensmonat)
- Essen ist mehr Spielzeug als Nahrungsmittel und muss mit allen Sinnen erkundet werden. Das ist oft eine ziemliche Sauerei,  gibt dem Gehirn aber mannigfaltige Entwicklungsmöglichkeiten und führt oft zu Kindern, die ein Leben lang offen für verschiedenste Nahrungsmittel sind.
- Zu Beginn sollten nur Nahrungsmittel gereicht werden, die fest genug sind, um sie einigermaßen greifen zu können, aber weich genug, um am Gaumen mit der Zunge zerdrückt zu werden.
- Bsp für erste Lebensmittel: geschälte Gurken, geschälte weiche Birne, Bananenstücke, Hipp Hirsekringel, Avocado, gedünstetes Gemüse aller Art, gedünstete Kartoffeln, weich gekochte Penne, zucker- und salzfreier Babyzwiback, Brötchen/Brot, selbst gebackenes Brot, Bananenschmarrn,... (Rezepte weiter unten)
Phase 2 - Essen wird zur Nahrung (ca. 9. - 15. Monat)
- Immer mehr Essen landet tatsächlich im Magen, man bemerkt eine Reduktion der Milchmenge.
- Die verwendeten Nahrungsmittel werden vielfältiger, die Sauerei weniger. Abgesehen von den reduzierten Gewürzen isst das Kind schon fast das normale Familienessen. TIPP: Für alle gemeinsam kochen und die Erwachsenen würzen hinterher. Salzreduktion beim Erwachsenen senkt den Blutdruck. 
- Bsp. für Lebensmittel: Brot mit Frischkäse, Brot mit Mandelmus, (ungewürztes) Rührei, Kartoffeln mit Gemüse, gekochtes oder gebratenes Fleisch (nicht Wurst!) oder Fisch, Pfannkuchen, Gemüsepuffer ... (Rezepte weiter unten)
Phase 3 - Vollkost (ca. ab dem 15. Lebensmonat)
- Das Essen ersetzt Milch als Hauptnahrung.
- Obwohl besonders bei Gewürzen, Fertigprodukten und bestimmten Lebensmitteln (siehe oben) noch Einschränkungen bestehen, kann das Kind schon fast alles normal mitessen.
- Bsp. für Lebensmittel: Joghurt mit Müsli, Brägele,... normales Familienessen (Rezepte weiter unten)
Unsere Erfahrungen:
Bei unserem Sohn haben wir zwei Mahlzeiten durch Brei ersetzt und sind dann sozusagen in die zweite Phase des BLW eingestiegen, um den Übergang zum Familienessen zu schaffen.
Unsere Tochter hatte mit 5 Monaten enormes Interesse am Essen, so dass wir uns dann mit 5.5 Monaten erweichen ließen und mit Brei begannen - nur nachdem das Neue am Brei vorbei war (ca 2 Wochen) aß sie nur noch, was sie sich selbst in den Mund stecken konnte. Also ließen wir uns nicht stressen, ich habe wieder voll gestillt und wir haben komplett auf Brei verzichtet und BLW praktiziert. War für alle eine sehr entspannte Zeit - nur musste man am Anfang nach jeder Mahlzeit Kind, Hochstuhl und Fußboden grundreinigen. 
Nichts desto trotz, kann ich es für alle, die etwas Geduld haben beim Einführen der Beikost nur empfehlen. Es war sehr entspannt und es macht Spaß den Entdeckerdrang des eigenen Babys so zu erleben.  Aber ich stille auch sehr gern, weil es so viel weniger Vorbereitung benötigt als Brei. 
Rezepte:
- Brot:
250g Mehl nach Geschmack (Weizen, Dinkel, Roggen,...), 1/2 Pk Hefe, 300ml warmes Wasser, ggf. eine kleine Prise Zucker (macht den Teig etwas lockerer, dient als Nahrung für die Hefe, bleibt kaum im Brot zurück), ggf. Karottenraspeln, weißes Mandelmus oder Haferflocken, ggf. nach dem 1. Geb eine Prise Salz
Mehl, Hefe, Zucker und Wasser kneten bis ein glatter Teig entsteht, dann noch länger weiter kneten (umso länger kneten, umso luftiger). 30 Min zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, dann erneut (lange) kneten und gff. zusätzliche Zutaten einkneten. Nochmal 45 Min zugedeckt gehen lassen. Bei 200 Grad im Ofen 30 Minuten backen. Dazu eine Schüssel mit Wasser in den Ofen stellen.
- Bananenschmarrn:
Pro Person eine Banane, zwei Eier, eine Handvoll Blau- oder Erdbeeren und etwas Öl
Eier trennen. Eiweiß steif schlagen, Eigelb mit Bananen pürieren. Vorsichtig Beeren und Eischnee unter die Bananenmasse heben und mit etwas Öl in einer Pfanne backen. Wenn die untere Schicht fest ist, in Stücke rupfen.
- Rührei:
Zwei Eier, 50ml Vollmilch, eine Handvoll Cherrytomaten, etwas Öl
Eier mit Milch fluffig aufschlagen, Tomaten vierteln, unter die Eier rühren und mit etwas Öl in einer Pfanne durchgaren
- Brägele (für 4 Personen):
2-3 Paprika, 10-12 Kartoffeln, 4 EL Öl, 120g Feta, 4 Eier, 120ml Milch, ein wenig Salz
Paprika waschen und in kleine Würfel schneiden, Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben hobeln - Öl in einer Pfanne erhitzen und Kartoffelscheiben darin anbraten und salzen - nach 5 Min Paprika zugeben und ca weitere 5 Min braten - Feta mit einer Gabel zerdrücken und mit Eiern und Milch verquirlen, über die Kartoffeln gießen und bei schwacher Hitze ca 3 Min weiterbraten, bis das Ei stockt (Kartoffeln und Ei enthalten viel Eiweiß, Paprika sorgt für Vitamin C!)
- Gemüsepuffer:
Pro Person 1 Möhre, Zucchini, o.ä. (als süße  Variante auch mit einem Apfel machbar), 2 Kartoffeln, 1 Ei, 3 EL Haferflocken, abbdem 1. Geb. etw Salz, 1-2 TL Öl, nach Geschmack 10g Käse oder etwas Schnittlauch dazu
Gemüse und Kartoffeln schälen, alle Zutaten in der Küchenmaschine zerkleinern und verrühren bis ein glatter Teig entsteht, mit einer Kelle in die Pfanne geben und mit dem Öl braten - nach Geschmack mit Apfelmus oder Ketchup servieren
Weitere familientaugliche Rezepte findet ihr auf meinem Kochblog www.kochmutti.blogspot.de

Dienstag, 8. März 2016

Medienkonsum

Auch hier scheiden sich die Geister... auch hier haben wir uns für einen Mittelweg entschieden.
Sicher gilt, umso später, umso besser. Bekommt man es hin, würde ich empfehlen, TV, Handy und Tablett nicht vor dem vierten Lebensjahr einzuführen. Wir haben es nur ca zwei Jahre geschafft, unseren Sohn davon weitestgehend fern zu halten. Bei unserer Tochter durch den großen Bruder nur 1,5 Jahre. 

Trotzdem sind Kinder mit zwei, drei Jahren noch sehr haptisch veranlagt - sie beGREIFEN die Welt noch mit den Händen. Auch die schnellen Schnitte und Bildwechsel überfordern sie oft.
Unser Kompromiss waren DVDs, zu denen wir die passenden Bilderbücher, Hörspiele und Spielzeuge hatten (und da gibt es eine große Auswahl: Calliou, Cars, Feuerwehrmann Sam, Thomas die Lokomotive, Bob der Baumeister...). Für die meisten Kinderserien gibt es die Folgen auch als Bilderbuch, das bot die Chance, die Bilder ganz entspannt und in Ruhe zu betrachten und drüber zu sprechen. Außerdem hatten wir oft ähnliches Spielzeug (nicht alles Merchandising Artikel, aber auch). Es muss nicht Sams Feuerwehrauto oder Thomas die Eisenbahn sein, aber oft haben wir die Geschichten mit Duplo nachgebaut und neu erfunden. Und das Cars-Duplo war der Renner! ;)
Dann kommt es auf die Dauer und die Mediensituation an.
- Uns war es z. B. wichtig, es nicht zu ritualisieren (also nicht jeden Tag das Sandmännchen oder Tablett), sondern nach "Bedarf" (sie können fragen, wenn sie Lust haben, spricht nichts dagegen, dürften sie Fernseh schauen).
- Wenn sie nach TV o.ä. fragen, bieten wir meistens erstmal Alternativen an. (Bist du müde - wollen wir kuscheln? Ist dir langweilig - wollen wir spielen?) So wollen wir unseren Kindern beibringen, dass sie lernen, ihre eigenen Bedürnisse bewusster wahrzunehmen und den Fernseher nicht als Lösung für aktuelles Unwohlsein zu nutzen.
- Des Weiteren schauen wir (zumindest am Anfang) alles gemeinsam und nutzen es als Gesprächsanlass (die zigste Wiederholung dürfen sie dann auch mal alleine sehen). Man sagt, wenn Kinder das Gesehene wieder erzählen können, konnten sie es auch verarbeiten.
- Oft schauen unsere Kinder unter der Woche gar nicht fern oder sind am Tablett: zu den Mahlzeiten und vorm KiGa bzw Samstagsturnen gibt es kein TV - und bis wir von KiGa und Spielplatz zu Hause sind und noch eine Runde Duplo gespielt oder gepuzzelt haben, ist es schon Zeit für das gemeinsame Kochen, Essen und Bett gehen. Also nicht, weil wir es verbieten, sondern weil einfach keine Zeit dafür ist. Aber manchmal war der Tag anstrengend, Mama doof, der Mittagsschlaf zu kurz - dann darf man DVD gucken, wenn man darum bittet.
- Wir haben auf möglichst einfache Geschichten und reizarme Zeichnungen geachtet (Autopolis war hier für uns der Renner - wenig Schnitte, wenig Hintergrundbewegung, viel Erzählung... eher ein bewegtes Bilderbuch als eine Zeichentrickserie)

Gleichzeitig möchte ich hier zu bedenken geben, dass einige Studien einen besorgniserregenden Zusammenhang zwischen TV-Konsum im Kindesalter und späteren Problemen (ADHS, LRS, Konzentrationsproblemen, Depressionen, schwaches Immunsystem, Kriminalität, etc) festgestellt haben. TV-Konsum ist dafür sicherlich nicht nur der Auslöser, sondern auch ein Symptom eines bestimmten Umfeldes, aber wir sollten nicht außer acht lassen, wie TV auf das Gehirn wirkt: wie ein manipulatives Betäubungsmittel! Es wurde jahrelang genutzt, um das Feindbild bei Soldaten zu wecken und ihre Tötungsbereitschaft zu erhöhen - nicht ohne Grund! 
Unsere psychische Abwehr ist fast komplett runter gefahren, alles dringt wesentlich tiefer ins Unterbewusstsein als aus der realen Welt, in der unser Schutzfilter besser funktioniert. Unsere Fantasie wird überhaupt nicht genutzt und gefördert. In der Zeit, in der wir TV gucken, fehlen uns andere Reize. Wir verlernen mit der Zeit, auf unsere Bedürfnisse zu achten (TV hilft ja von Langeweile mit Probleme beim Abschalten gegen alles - nur stellt man den TV aus besteht das Problem weiterhin, wenn man nicht lernt, es auch anders zu lösen.). Dieses Gift ist gesellschaftlich akzeptiert und wird daher oft verharmlost. Und ich gestehe, dass es manchmal auch eine wichtige elterliche Pause ermöglicht, die Kinder vorm TV zu parken. Aber wenn der Konsum von Rattengift gesellschaftlich akzeptabel und ein gewisser Umgang damit nötig wäre - würdet ihr nicht trotzdem auf die kleinstmögliche Dosis zu, spätestmöglichen Zeitpunkt achten... und darauf, WAS für ein Rattengift sie zu sich nehmen?

Mit Handy und Tablett halten wir es ähnlich. Wir verbieten es nicht: aber Memory und Fotos (was Sohnemann gern auf dem Handy spielt bzw guckt) haben wir auch "in echt", sind auf dem Handy nur manchmal praktisch für unterwegs, wenn man im Restaurant z. B. auf das Essen lange warten muss. Auf dem Tablett (das er durch seinen Cousin kennt), hat er zwei Duplo Apps. Am Anfang waren die total spannend - inzwischen findet er das echte Duplo wieder viel besser.

Gleichzeitig bin ich skeptisch, Kindern oder auch Jugendlichen Medienkonsum egal welcher Art zu reglementieren. Es kommt vor allem darauf an, was gemacht wird. Spielen vier Jungs gemeinsam an der Playstation Final Fantasy - was ist der Unterschied zu den Pen and Paper Rollenspielen vor 30 Jahren? Chatten oder programmieren sie? Spielen sie Strategie-Spiele oder Ego-Shooter? Verdaddeln sie sinnlos Zeit oder recherchieren sie was? Wir hoffen, wenn wir einen vernünftigen Umgang vorleben und immer wieder auch Alternativen anbieten, dass unsere Kinder einen sinnvollen Umgang mit Medien lernen, ohne von außen reglementiert zu werden. Bisher klappt das gut - würde es nicht mehr klappen, müssten wir mal schauen, wie wir es handhaben wollen. Umgekehrt müssen unsere Kinder in dieser medienlastigen Welt aufwachsen und zurecht kommen. Wir finden es besser, sie den Umgang zu lehren, auf Gefahren hinzuweisen (z. B.: das Internet vergisst nie!), Alternativen zu zeigen - aber auch die Chancen entdecken zu lassen!
Für ältere Kinder möchte ich das Buch "Ich hab schon über 500 Freunde" über die Gefahren sozialer Medien empfehlen. Kurzweiliger Roman, ab 10/12 Jahren geeignet.

Es gab und gibt auch immer wieder Phasen, wo der Medienkonsum so steigt, dass ich mir Gedanken mache. Dann fange ich meist an zu überlegen: woran liegt es? Muss er sich "betäuben"? Was ist los? Wie geht es meinen Kindern? Manchmal ist es schlicht Ende des Winters: drinnen ist alles "ausgespielt" und draußen noch nicht gut zu spielen. Das erledigt sich dann mit den ersten Sonnenstrahlen von alleine. Manchmal versuchen wir auch neue Wege der Entspannung zu entdecken oder es gibt mal ein paar Wochen gewisse Beschränkungen. Die dadurch entstehende Lücke, gibt den Kindern den Raum sich zu langweilen und sich zu spüren... meistens machen sie nach dem ersten Wutanfall deswegen (der ja auch berechtigt ist, ich WILL das jetzt schließlich anders und werde von oben fremdbestimmt, kann ich persönlich auch überhaupt nicht leiden) dann irgendwann von ganz allein andere Dinge, die ihnen gut tun. Das kann bei uns von Hörspiel mit Nuckelflasche bis zum 5 Tibeter Yoga mit Mama alles sein.