Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Montag, 19. September 2016

Wie man zu einer entspannteren Mutter wird...

Es hat 3.5 Jahre gedauert, aber kürzlich entdeckte ich mein Rezept für eine entspannte Mutterschaft!!

Entspannt bzgl. Unfällen, Blessuren und ähnlichem waren wir schon immer. Unser "Sicherheitstipp" war: ein Kind, dass schon mal von einer Stufe gefallen ist, verletzt sich weniger, wenn es dann mal vom Klettergerüst fällt.

Aber besonders die Kombination Arbeit - Haushalt - Kinder hat mich oft und lange mit Erschöpfung und Frust kämpfen lassen. Duschen und Toilette mit Kindern, immer das Gefühl, die Wäsche/Post/Rechnungen liegen da schon wieder ewig und wollen bearbeitet werden, immer nur gerade so das Nötigste auf die Reihe bekommen...

1. Seit kurzem stehe ich um 4.30h auf. Ich versuche meinen Körper auf 7 Std Schlaf zu trainieren und das klappt überraschend gut. Ich habe mir einen Biorhythmus-Wecker angeschafft, der mich zwischen 4h und 5h weckt, wenn ich gerade in einer Leichtschlafphase bin. Dann wache ich überraschend fit auf und mache erstmal 15 Min Yoga mit youtube Videos. (Mein Favorit: die 5 Tibeter!)
Dann packe ich die abends vorbereiteten Brotdosen in Schul- und Kindergartentaschen, schmiere und schnibbel das Frühstück für zu Haus und zieh mich an.
Dann habe ich ein oder zwei Sachen (Wäsche falten, endlich mal die Fotos einsortieren, Spülmaschine ausräumen, Brot backen, Unterricht vorbereiten), die erledigt werden müssen - aber nichts davon muss unbedingt heute geschafft werden (falls die Kinder also doch mal vor 6h aufwachen, dann ist das halt so, wird es morgen erledigt.)
Wenn dann noch Zeit ist, ess ich schonmal eine Schnitte Brot, trink meinen Tee, blätter etwas durch die Zeitung... sowas.
Gegen 6h wacht meist das erste Kind auf, um spätestens 6.45h wecke ich das letzte, falls mal eins länger schläft. Die müssen dann nur noch die abends gemeinsam ausgesuchten Klamotten anziehn, das vorbereitete Frühstück futtern und waschen/Zähne putzen.
Wir alle sind entspannt, denn um 7.30h sind wir bequem aus dem Haus. Sollte es doch mal stressiger werden, tut es auch mal ein Glas Milch als Frühstück. Aber normalerweise sind meine Kinder so entspannt oder gestresst wie ich es bin. :)
Und damit läuft zumindest bei mir der ganze Tag runder: nachmittags hab ich Ruhe zum Spielen, mache höchstens noch eine Sache "nebenbei" (Brot backen, Wäsche anstellen, einkaufen,... + natürlich kochen) und kann abends entspannt aufs Sofa fallen mit dem guten Gewissen, was geschafft und für mich selbst auch was getan zu haben. Die Kinder gehn normalerweise um 19.30h ins Bett, bleiben noch 1-1.5 Std. für mich uns meinen Mann (oder für mich und die Couch).

Mich hat diese Entdeckung sehr glücklich gemacht. Und ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich (die vor 10h eigentlich nie freiwillig die Augen aufmacht und mit weniger als 9 Std Schlaf einer Mischung aus Zombie und Furie gleicht) mit 4.30h Aufstehzeit so glücklich wird. Aber jeder mit Kleinkindern kann das vielleicht verstehen: 1-2 Std Ruhe nur für mich und meine Aufgaben... kann man mit Gold nicht aufwiegen. Und ich bin morgens einfach fitter als abends, egal wann ich aufgestanden bin. ;)

Es funktioniert aber nur durch gewisse Randbedingungen:
- Samstag ist Papa Tag: mein Mann steht auf, macht die Kinder fertig, fährt mit ihnen zurnen und legt sie zum Mittagsschlaf hin. Ich schlafe aus und hb bis ca 13/14h Zeit zum Arbeiten, für mich oder anderes.
- Ich habe meine Handynutzung drastisch reduziert. Zwischen 20h und 5h sowie 5.30h und 8.30h ist das Ding konsequent aus, dazwischen lautlos. Studien haben ergeben,  dass selbst der Vibrationsalarm einen nur mind 15 Min aus der Konzentration reißt.

2. Ich spiele mit den Kindern, worauf ICH Lust habe. Klingt egoistisch, aber in Wirklichkeit haben meine Kinder viel mehr Spaß, wenn ich ihn auch hab und ich nicht nach 10 Min keine Lust mehr hab. Ich kaufe nur noch Brettspiele, die ich mag (Tier auf Tier von Haba zB), hab mir selbst einen Roller besorgt (für Wettfahrten oder Ticken auf Rad/Roller) und kaufe eher Puzzle und Bilderbücher als noch mehr Sikuautos (von denen wir eh schon knapp 100 haben -.-' ). Ich übergebe praktisch meinem "inneren Kind" die Regie und genieße. :)

Fieber

Immer wieder lese oder höre ich von Eltern, die mit "ungeklärtem Fieber" oder 38°C Fieber in die Notaufnahme am Wochenende fahren und frustriert wiederkommen: durch ewige Wartezeiten und kein Rezept fühlen sie sich nicht ernst genommen.
Dazu möchte ich folgende Dinge zu bedenken geben.
1. Kinder fiebern jedes Mal, wenn ihr Immunsystem arbeitet, oft auch ohne dass eine Krankheit ausbricht. Das ist nichts Tragisches und bis zu 41°C (laut unserem Kinderarzt und unserer Heilpraktikerin) für Kinder prinzipiell ungefährlich (solange aus ausreichend Flüssigkeit geachtet wird). Erst ab drei Tagen Fieber ohne geklärte Ursache sollte man sich Gedanken machen.
2. 38°C sind erhöhte Temperatur, kein Fieber! Sinn von Fieber ist es, Viren und Bakterien im Körper zu töten. Dies funktioniert erst ab 39.5°C!! Ab dieser Temperatur brennt Fieber einen Virus aus und heult damit das Kind - ganz ohne Chemie! Gleichzeitig lernt das Immunsystem und bildet Antikörper - und ist damit beim nächsten Infekt besser geschützt. Senkt man das Fieber passiert folgendes: a) Viren und Bakterien vermehren sich und überfluten den Körper. --> Die Krankheit wird schlimmer und/oder dauert länger. b) Das Kind fühlt sich fit statt müde/krank und wird aktiv. --> Das verlängert um besten Fall die Krankheit, weil der Körper sich nicht regenerieren kann. Im schlimmsten Fall geht es soweit, dass die Viren und Bakterien das Herz angreifen.

Bis hierher folgt daraus: Kinder ruhig mal fiebern lassen!! Und wenn es eurem Kind wirklich dreckig geht, es Schmerzen hat oder sonstwas: gebt ruhig einfach selber mal ein Fieber-/Schmerzzäpfchen, denn:

3. Erst am dritten Fiebertag treten meist weitere Sympthome auf, die ein Arzt für eine Diagnose braucht. Vorher kann er nur gucken, ob das Kind dehydriert ist (hat das Kind etwas getrunken, ist die Windel nass und die Schläfen sind nicht unnormal eingefallen - dann ist es vermutlich nicht dehydriert).

Und zu guter letzt ein mir wichtiges
4. Fahrt zum Arzt, wenn ihr unsicher seid oder euch etwas seltsam vorkommt! Aber bitte, denkt kurz drüber nach, ob es wirklich die Notaufnahme sein muss oder ob es nicht bis Montag Zeit hat - das Pflegepersonal ist oft so überlastet von nur-etwas-krank-Kindern, dass die Zeit für echte Notfälle fehlt! Und: wenn ihr warten müsst, freut euch - denn dann seid ihr kein Notfall. Dann geht es eurem Kind besser als dem Kind mit Atemnot, das sofort Sauerstoff braucht, oder dem mit einem anaphylakitschem Schock oder dem, das nebenan um sein Leben kämpft. Umso mehr Menschen dort sind, umso öfter muss das Pflegepersonal Prioritäten setzen - und auch wenn irren auch bei medizinischem Personal leider menschlich ist und sie sicher oft freundlicher sein könnten, selbst wenn sie zu Recht genervt sind, und ihr ruhig mal auf euch aufmerksam machen solltet, wenn ihr denkt, euer Kind steht kurz vorm Kollaps oder so: diese Menschen sind darauf geschult, Notfälle als solche zu erkennen und entsprechend zu handeln. Wenn ihr warten müsst: freut euch, ihr seid kein Notfall!