Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Donnerstag, 5. Mai 2016

Aggressionen beim Kleinkind

Um es kurz zu machen: sie sind normal.
Der dänische Familientherapeut Jesper Juul versucht seit Jahren, den negativen Ruf der kleinkindlichen Aggression zu verbessern, denn sie sind verhaltenspsychologisch ein wichtiger Schritt zum Erwachsen werden - und nur, wenn wir Eltern sie nicht verdammen, können unsere Kinder daran wachsen.
Kinder müssen lernen, dass jedes Gefühl in Ordnung ist - nur nicht jede Handlung. Dazu muss ich die "negativen" Emotionen wie Wut, Trauer und Frust aber zulassen und nicht verbannen oder unterdrücken. Das ist für eine gesunde psychische Entwicklung ganz elementar.
Aggressionen dürfen demnach nicht als "böse" abgestempelt werden, sondern Eltern und Erzieher müssen den Kindern helfen, einen angemessenen Umgang damit zu erlernen. Laut Juul sei dies auch der Weg zu einer Welt ohne Kriege: mit Aggressionen umgehen lernen.
Die ewige "Kuschel-Pädagogik" mit ihren sanften Erklärungen verschlimmere die Aggressionen laut Juul nur - man müsse sich viel mehr darauf einlassen und versuchen, die Ursache dahinter zu verstehen. Denn offensichtlich fühlt das Kind sich nicht wohl.
Am besten sei es, dem Kind klar zu machen, dass bestimmte Verhaltensweisen inakzeptabel sind (wie z. B. Schlagen), nach der Ursache der Emotion zu forschen (Warum bist du wütend?) und ihm Handlungsalternativen anzubieten (Wenn du etwas nicht willst, darfst du laut "nein" rufen.). Dadurch fühlen Kinder sich wertgeschätzt und wahrgenommen - und würden im Laufe der Jahre lernen, Trauer, Wut und Frust einen besseren Ausdruck zu geben.
Unserer Erfahrung nach treten am häufigsten vier Ausdrucksformen kindlicher Aggression auf:
Wutanfall, Trotzanfall, emotionaler Ausbruch und Schlagen bzw. Beißen. Oft begründet sich dies in ähnlichen Ursachen beim Kleinkind.
Wutanfall
Kinder lernen mit ca 2 Jahren, dass sie von Mama verschieden sind und nicht immer auf Mama und Papa hören müssen. Umso selbstbewusster Kinder sind und umso sicherer sie sich bei einer Bezugsperson fühlen, umso größer ist die Chance eines Wutanfalls. Sie merken, sie können schon viel und sind frustriert, wenn sie an ihre Grenzen kommen. Seien es Grenzen durch Mama und Papa oder durch ihre Fähigkeiten. Sie wollen damit nicht manipulieren und etwas erreichen. Sie sind nur sauer und frustriert und geben dieser Emotion leidenschaftlich nach. Nachzugeben und die Frustrationsquelle auszuschalten, hilft dem Kind nicht, mit der Emotion umgehen zu lernen. Nachzufragen und zuzuhören hilft dem Kind, sich wahrgenommen zu fühlen und die genaue Ursache zu erkunden - dann kann man evtl Handlungsalternativen, aber zumindest Verständnis anbieten. (Ich kann verstehen, dass dir dein Kuscheltier fehlt. Tut mir leid, dass ich es vergessen habe.)
Trotzanfall
Hierbei wird eher das Verhalten der Eltern ausgetestet. Man merkt den Unterschied zum Wutanfall vor allem daran, dass das Kind nicht völlig ausflippt und Mama bzw Papa sehr gebau beobachtet - und häufig aufhört, wenn keiner hinguckt/es bemerkt. Konsequenz verhindert sicher nicht, dass Eltern mal getestet werden, aber meiner Beobachtung nach, werden konsequente Eltern vielleicht 2-3x im halben Jahr getestet, inkonsequente Eltern auch 2-3x am Tag. Kinder inkonsequenter Eltern fühlen sich oft einfach verunsichert und manchmal auch ängstlich, weil sie sich keinen Reim darauf machen können, wie die Welt funktioniert. Also müssen sie immer und immer wieder austesten, wie Mama und Papa reagieren, in der Hoffnung ein Muster zu erkennen. Konsequenz ist ein solches Muster und bietet den Kindern Sicherheit - und sie merken, dass sich Trotzanfälle nicht lohnen, weil sie nicht belohnt werden (werden sie mit Süßigkeiten bzw Wunscherfüllung ruhig gestellt bzw beruhigt, verstehen sie das als Belohnung für ihr Verhalten und werden es wieder zeigen).

emotionale Ausbrüche
Es gibt Kinder und auch Erwachsene, die müssen einfach mal Dampf ablassen, sonst ist ihre psychische und physische Gesundheit arg gefährdet. Viele Menschen leiden heutzutage unter Kiefer- und Nackenprobleme, weil sie ihm wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen beißen. Dieser nicht abgelassene Druck kann viele Folgeerkrankungen bedingen, vom Bandscheibenvorfall bis zur Migräne, von Schlafstörungen bis zu abgesplitterten Zähnen. Hier ist Verständnis wichtig und auch einen für alle erträglichen und akezeptablen Ausdruck zu finden - aber es ist ebenso wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass das völlig in Ordnung ist und es sich deswegen nicht schlecht fühlen muss! Akzeptabel kann z. B. sein, allein oder im elterlichen Arm zu weinen (je nach Vorliebe) oder auf ein Kissen oder einen Boxsack einzuprügeln oder in sein Zimmer zu gehen und einmal laut die Wand anzubrüllen oder... finden Sie etwas, was zu Ihnen allen passt!
 
Schlagen und beißen
Dies ist ein Verhalten, dass bei Kleinkindern besonders vor dem Spracherwerb zu beobachten ist. Genau wie Tiere stecken sie so ihre Grenzen ab: ich will nicht, dass du das tust. Zurück zu beißen oder zu schlagen zeigt dem Kind nur "Mama/Papa darf das, also ist das wohl ok." Es zeigt nicht, wie so oft behauptet wird, "Das tut weh, das tut man nicht." Das kindliche Gehirn funktioniert etwas anders: sie lernen durch Nachahmung, was Mama und Papa tun, ist gut und richtig - so macht man das. Ggf. lernen sie durch Zurückbeißen bzw. -schlagen noch "Wenn ich das tue, tun Mama und Papa mir weh." Dann lassen sie es evtl solange die Eltern dabei sind, sind sie nicht dabei, ist es für die Kinder wieder ok, denn Mama und Papa handeln ja auch so. An sich gilt: geben Eltern ihrem Frust durch Gebrüll, Schläge und Wutanfälle Luft, werden Kinder das als akzeptable Art, mit Wut und Frust umzugehen, übernehmen.
Unser Weg damit umzugehen dauerte lange (nach ca 4-6 Monaten merkte man eine Besserung, aufgehört hat es tatsächlich erst, als er sprachlich fit genug war, sich zu wehren). Wir haben die Erzieher mit ins Boot geholt und bei jeder einzelnen Situation unser Kind zur Seite genommen, ihn gefragt, was das Problem war und ihm eine Alternative angeboten (Du musst die Schippe nicht teilen, wenn du nicht willst, du darfst/kannst "nein" sagen. Du musst dich nicht schupsen lassen, du kannst weggehen. Usw.). Aber wir haben niemals mit ihm geschimpft oder ihm gesagt, er dürfe sich nicht wehren!! Langsam aber sicher lernte er bessere Ausdrucksmöglichkeiten als sofort zu beißen.

Begleitendes Weinen

Es gibt mehrere Arten des Weinen lassens.
1. Das von älteren Generationen oft zitierte schreien lassen ist für mich ein Unding!! Kinder (oder noch schlimmer: Babys) in ihrem Kummer allein zu lassen ist eine Qual, die das Urvertrauen und die Psyche unnötig belastet.
2. Es gibt in der Trotzphase und im Kleinkindalter immer wieder Momente, in denen ein Kind seinen Frust durch Weinen auslebt. Auch hier gilt: sie damit alleine zu lassen ist unfair! Obwohl es natürlich besser ist, mal kurz vor die Tür zu gehen und durchzuatmen, statt selbst auszuflippen!! Sie weinen nicht, um uns zu ärgern, sondern weil sie eine Emotion ausdrücken, oft sogar mit ihr überfordert sind. Man darf sie hier ruhig mal weinen lassen - aber eben nicht allein. Man muss sie auch nicht zwangsläufig ablenken oder trösten (manchmal ist das völlig in Ordnung), manchmal sollte man ihnen lieber helfen, diese Emotion sinnvoll und erlösend zu durchleben.
3. Das begleitende Weinen im Babyalter.

Besonders ab dem 6. Lebensmonat (wenn sich die Wahrnehmung des Babys nochmal verstärkt) besonders abends (wenn man einen aufregenden Tag verarbeiten muss - und aufregend kann für ein Baby schon sein, dass der Nachbar den Rasenmäher angestellt hat) kommen die sogenannten "Großmutter-Stunden" (so genannt, weil Omas, und in unserem Fall noch mehr der Opa, dafür eher die Ruhe haben, als frisch gebackene Mütter).
Das Kind hat eine saubere Windel, ist satt und auf Mamas Arm (oder im Tragetuch) - es hat also allen Grund, dass es ihm gut geht. Und trotzdem weint es. Fallen körperliche Ursachen weg (also Schmerzen aufgrund von Zahnen, Blähungen oder Erkrankungen - in unserem Bekanntenkreis schrie ein Kind monatelang vor Schmerzen wegen einer nicht diagnostizierten Laktose-Intoleranz) und beruhigt es sicj auch nicht, wenn es einen Moment allein in der Wiege liegt (selten aber manchmal doch gibt es Kinder, die manchmal eher Luft und Ruhe als Nähe brauchen) kann man davon ausgehen, dass das Kind irgendwas verarbeitet. Das kann vom Schock geboren worden zu sein bis zur Erkenntnis, dass man nicht (mehr) eins mit Mama ist, alles sein. Das kann auch ein Entwicklungsschub sein, dann wollen Kinder im Normalfall nur eins: auf den Arm und an die Brust. Und das ist ok! Es verwöhnt sie nicht, es stärkt sie. (Die Entwicklungsphasen kann man im Buch oder in der App "Oje ich wachse" gut nachlesen.) Wenn diese Phase aber nicht endet, sind wir Eltern irgendwann am Ende mit unserem Latein - und unseren Nerven.
Unser Baby zu trösten ist unser tiefster Urinstinkt. Und es ist ein guter und wichtiger Instinkt, denn er zeigt uns, was das Wichtigste für unser Baby ist: nicht alleine zu sein mit seinem Kummer! Zu spüren: ich bin wichtig und geliebt und Teil einer Familie, das Leben ist schön!

Aber ein Kind hat auch ein Recht auf seine Tränen. Es ist die einzige Art der Kommunikation, die ihm zur Verfügung steht! Jede Intervention (Schnuller rein, mal Arm, mal Wiege, wickeln, Rassel,...) stört nicht nur diese Kommunikation, sondern ist evtl. sogar noch ein neuer Reiz, der verarbeitet werden muss. Ein Baby kann nicht anders ausdrücken, was ihm auf der Seele liegt. Sei es "Ich hab dich lieb, ich will so gern bei dir sein." oder "Ich bin müde, aber zu aufgeregt zum Schlafen."

Ähnlich wie Jesper Juul beim Kleinkind, plädiert Brigitte Hannig (Hebamme, Früherziehungsberaterin und Festhaltetherapeutin) dafür, Kinder ihren Kummer ausleben (und damit verarbeiten und abhaken) zu lassen - aber eben nicht alleine. (vgl. Broschüre des Bundes deutscher Hebammen "Tränenreiche Babyzeit")
Sie unterscheidet zwischen Beruhigung (was oft eher Ablenkung ist) und Trost (im Sinne des begleitenden und haltenden Weinens).

Im begleitenden Weinen gibt es meistens ca. fünf Phasen:
1. Das Baby weint - und statt es abzulenken, sind wir einfach da, halten es im Arm und sprechen beruhigend mit ihm (wichtiger als die Worte sind dabei der Tonfall - ich hab meistens nur langsam und ruhig "ich bin ja da, es ist ok, du bist nicht allein" gemurmelt).
2. Das Baby schreit seine Verzweiflung heraus und wehrt sich vehement gegen das Gehalten werden - dabei ist es so wichtig, es zu halten (dazu mehr weiter unten) und ihm Sicherheit zu geben. Es kämpft nicht gegen die Sicherheit gebenden Eltern an, sondern gegen das, was es so belastet, also gegen den Grund, warum es weint. Wichtig ist dabei, dass es merkt: auch jetzt sind Mama oder Papa für mich da und halten mich.
3. Spätestens jetzt weinen die meisten Eltern mit. Und das ist in Ordnung und authentisch! Weinen Sie zusammen um den Kummer ihres Babys - aber bleiben Sie da und spüren Sie die Verbundenheit!
4. Das Schreien reduziert sich zu einem Wimmern und Aufschluchzen. Zwischenzeitlich schläft das Kind oft kurz ein.
5. Nach dem letzten Aufschluchzen erfolgt ein entspanntes Schlafen.

Bei uns haben diese fünf Phasen ca eine Stunde gedauert.
Wir haben das begleitende Weinen lassen praktiziert, als wir sicher waren, dass keine körperlichen Ursachen (Besuch beim Kinderarzt UND beim Osteopathen, sowie kein Zahnen) oder Entwicklungsschübe (App "Oje ich wachse") der Grund für die Unruhe war. Trotzdem war die Sorge da: schläft sie jetzt, weil es ok ist und sie ihren Kummer los ist - oder weil sie einfach zu erschöpft ist, weiter zu machen. Ich hielt sie danach beim ersten Mal die ganze Nacht im Arm, um bei ihr zu sein, wenn sie aufwachte und ihr das Gefühl zu geben, dass wir das zusammen durchstehen - und damit sie nicht das Gefühl hat, ich will sie nur weglegen. Stillen hat bei uns immer getröstet, aber nach 8 Wochen mit nur Baby-an-der-Brust-Nächten und mind. eine Woche ohne Zahnen, Erkältung und Schub, haben wir es nach Besuchen beim Kinderarzt und Osteopathen zum ersten Mal getestet. Da haben wir dann mal nicht die Brust gegeben, sondern es gemeinsam durchlebt - und danach schien es besser... bis zum nächsten Zahn. 😅
Eine Babysprechstunde (beraten bei Schlaf-, Schrei- und Essensproblemen) kann auch oft helfen, wenn man vorher wirklich alles abgecheckt haben will.

Beim begleitenden Weinen achtet man auf eine bestimmte Art des Haltens:
- das Baby wird möglichst fest aber zärtlich gehalten: der Kopf so, dass das Baby ihn nicht selbst halten muss, sondern sich entspannen kann - Arme, Beine und Körper so, dass es sich auch bei heftigerem Gestrampel nicht löst oder fällt, sondern sich eng gehalten fühlt, wie beim Pucken!
- Den Kopf des Babys möglichst ähnlich wie beim Stillen bzw. möglichst nah am Herzen.
- Den Körper seitlich wie beim Stillen oder längst vom Herz bis zum Bauch.
- Wenn man das Gefühl hat, zu wenig Hände zu haben, besonders wenn das Kind sich wehrt und strampelt, kann ein Stillkissen als Stütze helfen!
Oft half ihr diese Art des Gehalten Werdens auch nach aufregenden Tagen beim Einschlafen - ganz ohne Weinen. Sie meckerte und zappelte einen Moment und kam dann zur Ruhe.

Es gibt inzwischen einiges an Werken zum "begleitenden Weinen". Leider muss ich sagen - wie so oft sind diese Werke sehr dogmatisch. Jedes Kind müsse mal weinen, Trösten im beruhigenden Sinne sei dabei immer falsch, sogar "Troststillen fördere Essstörungen" habe ich gelesen. Das halte ich ehrlich gesagt für Blödsinn.
Stillen erfüllt neben Nahrung so viele Bedürfnisse, z. B. nach Nähe, Mamas Herzschlag und Geruch, Geborgenheit. Dadurch wirkt es natürlich auch Angst reduzierend. Nuckeln entspannt, Schnuller heißen ja nicht umsonst Beruhigungssauger. (Das Annehmen eines Schnullers ist für manche Kinder aber etwas Übungssache.) Stillen senkt sogar das Schmerzempfinden. Zu stillen, um auch andere Bedürfnisse als Nahrung zu erfüllen, kann damit meines Erachtens nicht falsch sein. Trotzdem wurde das Schlafen bei uns nach dem begleitenden Weinen erst wirklich besser, als ich das Gefühl bekam, das nächtliche Nuckeln ist jetzt kein Bedürfnis mehr, sie wirkte nicht mehr so verzweifelt dabei, sondern total entspannt. Es war halt zur Gewohnheit geworden. Das zu trennen war eine Sache von ein paar Abenden leichtem Gemecker. Dazu hab ich sie wie oben geschrieben gehalten und ihr den Schnuller (an den ich sie schon vorher gewöhnt hatte und den sie zumindest ab und zu mal zum Nuckeln nahm und kannte) anbot.
Außerdem denke ich, es gibt Menschen, die sind eher für Ruhe und etwas Ablenkung zu haben. Mein Mann und mein Sohn brauchen nach stressigen Tagen Sofa, Hörspiele, kuscheln... - wenn es mir nicht gut geht, dann schimpfe oder erzähle oder weine ich. Nimmt man mich dann nicht ernst, verletzt mich das sehr. Würgt man mich dabei ab, schleppe ich es ewig mit mir rum, bis es schließlich doch herausbricht und es mir danach endlich besser geht. Deswegen sprach mich das begleitende Weinen vermutlich an - denn es besteht ja keine geringe Chance, dass meine Tochter evtl. genauso tickt...

Zum Schluss möchte ich berichten, wie sie sich in den zwei Wochen nach dem begleitenden Weinen entwickelte:
- Papa wurde plötzlich als Bezugsperson ganz anders akzeptiert, angestrahlt und konnte sie beim Weinen beruhigen und sogar ins Bett bringen.
- Nahrung wurde ganz anders akzeptiert, so dass ich innerhalb von zwei Wochen nicht mehr voll stillte.
- Motorisch machte sie einen riesen Satz: robben, klatschen, hinsetzen, Kniestand, hochziehen, mit Hilfe stehen, krabbeln - alles in den zwei (!) Wochen danach...
Alles in allem wirkte sie glücklicher und zufriedener.