Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Donnerstag, 30. April 2015

Fehlgeburt

Die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten wird unterschiedlich angegeben.

Teilweise liegt die Schätzung bei ca 70% - darin werden auch Abgänge in den ersten Wochen der Schwangerschaft gezählt, also z. T. bevor die Schwangere überhaupt merkt, dass sie schwanger ist und sich nur über eine etwas verspätete Regelblutung wundert.

Sobald ein normaler Urintest die Schwangerschaft positiv bestätigen kann, sinkt die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit auf 20%, ab der 18. Schwangerschaftswoche sogar auf 1%. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt abhängig vom Alter der Mutter, den Lebensgewohnheiten (also z. B. Zigarette-, Alkohol- und Drogenkonsum,...) und evtl. Krankheiten (z. B. Schilddrüsenprobleme, Progesteronmangel, unerkannte Diabetes,...).

Die meisten Frauen werden nach eine Fehlgeburt problemlos erneut schwanger und bringen gesunde Kinder zur Welt!

Soweit die Fakten. Nichts desto trotz: ein Kind zu verlieren ist traurig - und kaum jemand spricht darüber. Dabei ist das eines der hilfreichsten Dinge - erst Recht mit jemanden, der das auch erlebt hat.

Zuerst ist es ein Schock, dann versucht man sich unter Kontrolle zu behalten. Irgendwann fühlt man sich immer leerer und trauriger. Man zieht sich zurück. Wenn man Glück hat, gute Freunde hat oder einen guten Instinkt, trauert man nicht alleine. Nach dem Tod meiner Eltern, hat mir ein Trauerseminar im Hospiz sehr geholfen. Nach der Fehlgeburt waren es Gespräche mit Freunden und mit meinem Mann. Irgendwann kehrt man dann "zurück ist Leben". Der Schmerz verschwindet nie, er ist wie eine Narbe: immer da. Aber wenn man Glück hat eine, die gut verheilt und nicht immer wieder neu aufbricht.

Wir haben das Glück, dass wir problemlos schwanger werden und zum Zeitpunkt der Fehlgeburt schon ein gesundes Kind hatten. Das machte es leichter, denke ich. Freunde von uns haben sehr lange versucht schwanger zu werden, nur damit die künstlichen Befruchtungen dann in einer Fehlgeburt endeten. Diesen Schmerz vermischt mit einer unerfüllten Sehnsucht kann ich mir wohl nicht vorstellen.
Trotzdem hier ein paar Gedanken, die mir geholfen haben:
Meine Mutter hatte vor mir eine Fehlgeburt - sonst gäbe es mich nicht. Die Fehlgeburt hat bei mir viel losgetreten, mit dem ich mich so vor dem zweiten Kind auseinander setzen konnte. Das war sehr gut für mich und für uns als Familie. Manchmal hatte ich das Gefühl, unsere Prinzessin wusste das - und hat nur eine "Ehrenrunde" eingelegt, damit Mama auch wirklich bereit für sie war. Außerdem glaube ich an Reinkarnation und daran, dass wir unsere Inkarnationen mitbestimmen, dass sich also dieses Kind diesen Weg vielleicht selbst ausgesucht hat, um mich aufzurütteln.

Dienstag, 28. April 2015

KiGa Eingewöhnung

Ich bin immer wieder entsetzt, wenn heutzutage Kinder immer noch weinend die Eingewöhnung in den KiGa erleben müssen. Wenn ich eine Einrichtung gefunden habe, in der ich mich als Elternteil wohl fühle und meine Kinder die Chance hatten, ihre Erzieher eine Zeit lang kennen zu lernen, bevor das erste Mal gehe (ich würd sie im "normalen" Leben ja auch nie bei Fremden lasse!), sollte kein Kind weinen müssen... und wenn doch, sollte man zuerst versuchen, herauszufinden woran es liegt, bevor man seinem Kind vermittelt: dein Weinen nützt nichts, dein Schmerz ist nicht relevant. Also bitte: ich weiß, die meisten tun sich mit der Entscheidung, ihre Kinder abzugeben, nicht leicht, haben wir auch nicht, aber: nehmt euch BITTE genug Zeit für eine entspannte Eingewöhnung!!

Wir hatten zig verschiedene Modelle durch - und das bevor unser Ältester überhaupt in den Kindergarten kam.

Wir waren bei ihm in der Lage, dass er nicht vor dem KiGa fremdbetreut werden musste - ui, waren wir stolz darauf. Bis er ca. 1,5 Jahre alt war und es vehement einforderte. So viel hielt er nämlich von unseren Idealen.
Also haben wir ihm in einer Musikschule zwei Vormittage die Woche eine betreute Spielgruppe gesucht (ca. 6 Kinder, 2-3 Betreuerinnen). Eingewöhnung? Unser Kind rannte am ersten Tag los und - war weg. Nach fünf Minuten fragte uns die Erzieherin, ob es für uns auch ok sei, im Warteraum zu warten. Da er es offensichtlich nicht bräuchte, müsse er ja gar nicht erst dran gewöhnt werden, dass wir da seien. Nach weiteren fünf Minuten fragten wir, ob wir auch im Café nebenan warten könnten. Zwei Stunden später holten wir ihn wieder ab - er war schwer beleidigt, dass er gehen sollte und die anderen bleiben durften. Es dauerte ca drei Wochen, in denen wir die Zeit langsam auf die möglichen fünf Stunden vormittags ausdehnten. Das war unsere erste "Eingewöhnung".

Ein halbes Jahr später ging es dann darum, wo er im Sommer einen Kindergartenplatz bekommen könne - und mir kam das Gerücht zu Ohren, dass unser KiGa nebenan alle Kinder aus ihrer Nachmittagsspielgruppe (2x wöchentlich 2 Std.) eh in den Kindergarten aufnehmen würde (was ja auch Sinn macht, wenn sie den KiGa schon kennen). Und - es waren noch Plätze frei. Also, schnell zur Spielgruppe angemeldet und los. Die Eingewöhnung lief etwas langsamer ab. Mama blieb den ersten Nachmittag dabei, alles unkompliziert, wie erwartet. Am zweiten Nachmittag ging ich schon kurz vor die Tür usw. - in der dritten Woche konnte ich während der zwei Stunden gehen. Ab da brachte ihn unser AuPair problemlos zur Spielgruppe.

Aber nach nur sieben Wochen in der Spielgruppe, konnten wir sechs Wochen wegen Krankheit und Kuraufenthalt nicht kommen. Gleichzeitig fand er Kur an sich und die Betreuung dort im speziellen furchtbar - nur das Wort "Kindergarten" wurde zum Unwort, bei dem er weg lief. Zusätzlich fuhr unser AuPair weg und Papa fing nach der Elternzeit wieder an zu arbeiten. Alles in allem eine anstrengende Zeit für den kleinen Mann. Danach waren die beiden Spielgruppen für ihn nicht mehr das Vergüngen wie vorher - was nun? Wenn Mama blieb, bis er von alleine anfing zu spielen, führte das nur dazu, dass er immer länger bei Mama blieb, denn sonst ging sie ja weg. Wir sind dann zweigleisig gefahren:

In der Musik-Spielgruppe (die klein war, die er lang kannte, wo er seine Bezugsperson hatte) wurde ein kurzer, konsequenter Abschied zelebriert, dann ging Mama. Er meckerte zwar kurz mal, das war aber schnell auf dem bekannten Arm vorbei und er war stets gut gelaunt, wenn ich ihn abholte.

In der Kindergarten-Spielgruppe hatten wir dann eine komplett neue Eingewöhnung, die sich dem Modell der sanften Eingewöhnung von Rüdiger Posth anlehnte. Im KiGa hatte es keine richtige "Bezugs-Erzieherin" gegeben und die Haupterzieherin trat auch kurz nach unserer Rückkehr aus der Kur eine neue Stelle an, so dass das noch zusätzlich neu war. Gleichzeitig muss man sich unserem Sohnemann etwas als Bezugsperson aufdrängen, sonst wuselt er relativ lange allein und problemlos vor sich hin, solange Mama im Raum ist - und meckert dann eben doch, wenn Mama gehen will, weil er nicht weiß, an wen er sich wenden soll. Die neue Betreuerin lies sich auf meine Bitte hin auf dieses Modell ein.
Ich blieb also erstmal dort. Er konnte auf Mamas Schoß sitzen und gucken und die Sicherheit zurück gewinnen, die ihm offensichtlich fehlte. Die ausgewählte Bezugsperson bemühte sich dabei um ihn und sein Vertrauen. Da er die Gruppe an sich aber schon kannte, versuchte ich so langweilig wie möglich zu sein, damit er schnell wieder Spaß daran fand, zu spielen, z. B. saß ich dort und las derweilen.
Nachdem er zwei Mal problemlos den ganzen Nachmittag allein gespielt hatte und ohne Mama mit nach draußen ging (das ging relativ schnell), wollte ich mal kurz rausgehen, das ging ihm dann aber doch zu schnell. Also blieb ich weitere sechs Termine im Raum sitzen, in der Hoffnung, dass er sich wohlfühlte ohne Sorge, Mama würde dann gehen. Dann ging ich "mal kurz auf´s Klo" und dehnte meine Abwesenheit langsam wieder aus. Es ging langsamer als wir es kannten, aber auch im Hinblick darauf, dass er dort ja bald fünf Tage die Woche sechs Stunden bleiben sollte (und das zu einem Zeitpunkt, zu dem auch seine kleine Schwester ihre Ankunft angekündigt hatte) war es mir lieber, dass er sich dort ganz sicher und glücklich fühlte, ohne jegliche negative Belastungen. Obwohl ich mir zwischendurch schon Sorgen gemacht habe, ob es aufgrund der Gruppengröße usw. wirklich schlau war, ihm mit 2,5 Jahren im Kindergarten statt in der Krippe anzumelden. Und obwohl es mich jedes Mal total verunsicherte, wenn die Kindergärtnerin z. B. meinte, ich müsse konsequenter gehen o. ä . Wir unterscheiden normalerweise zwischen Fragen ("Ist es ok, wenn Mama jetzt geht?") und klaren Ansagen ("Mama geht jetzt kurz und kommt gleich wieder."). Bei Fragen akzeptieren wird beide Antwortmöglichkeiten, wollen wir eine bestimmte Antwort, wird nicht gefragt, sondern Mama/Papa sagt an und dann wird das konsequent durchgehalten. Leider neige ich dazu, mich verunsichern zu lassen - und mich dann tagelang zu ärgern, falls ich eingeknickt bin, wenn auch nur kurz. Also: achtet auf eure Bedürfnisse und die eures Kindes. Lasst euch nicht von Erziehern verunsichern - ihr seid die Experten für euer Kind. Aber sprecht mit den Erziehern! Erstens ist es besser, gemeinsam für das Kind da zu sein. Zweitens werden sich eure Kinder kaum wohl fühlen, wenn ihr das nicht tut.

Bei unserer Kleinen lief es dann nach genau diesem Modell innerhalb vin drei Wochen problemlos ab. Sie jauchzt inzwischen schon freudig, sobald wir durch die Tür hinein gehen. :)

Montag, 27. April 2015

Schreien lassen - Babyalter bis Trotzphase

Deutschland ist das einzige Land, indem es die Theorie gibt, man müsse Babys mal schreien lassen - das würde sie abhärten. Dies geht zurück auf einen Erziehugnsratgeber der Nazis, nachdem eine ganze Generation ihre Kinder erzogen hat - die wiederum nach der Methode ihrer Eltern ihre Kinder erziehen ... und so hält es sich sehr hartnäckig in den Köpfen der Eltern.

Vor dem ersten Geburtstag haben Kinder kein Wenn-Dann-Verständnis. Das heißt, das ewig unterstellte "Wenn ich weine, dann kommt Mama" verstehen sie überhaupt nicht. Natürlich kann man sie an Dinge gewöhnen, das ist aber was anderes. Kinder weinen im ersten Lebensjahr nicht, weil sie etwas wollen - sondern weil sie etwas brauchen! Das Erfüllen dieser Bedürfnisse, die liebevolle, verlässliche Zuwendung durch die Bezugspersonen stärkt das Urvertrauen des Kindes - und damit in die Eltern, in sich selbst und in das Gute in der Welt. Wenn wir Hunger haben, gehen wir zum Kühlschrank, wenn uns kalt ist, holen wir uns einen Pulli, wenn wir uns einsam fühlen, kuscheln wir uns an unseren Partner oder rufen unsere Freundin an oder gehen in den nächstbesten Club. Babys können das nicht. Sie brauchen uns als Eltern, um ihnen beizustehen. Tun wir das, stärken wir sie - nicht indem wir sie alleine schreien lassen und ihnen so nur eins zeigen: ich bin hilflos, ich bin unwichtig, ich bin allein. Kann Urvertrauen im ersten Lebensjahr nicht aufgebaut werden oder wird es später zerstört, ist das oft die Ursache für Bindungsprobleme, Aggressionen, Depressionen, Angst... Das Babys irgendwann aufhören zu schreien und dann in ähnlichen Situationen nicht erneut schreien, heißt auch nicht, dass sie gelernt haben "wer hier die Regeln macht". Beim ersten Mal schreien sie, bis zur völligen Erschöpfung - die teilweise sogar den plötzlichen Kindstod begünstigt. Später schreien sie nicht mehr, aus Selbsterhaltungstrieb: lieber die Kräfte einteilen, denn es hilft mir eh keiner.

Mit diesem Wissen haben wir unsere Kinder als Baby niemals alleine schreien lassen. Klar waren wir mal auf dem Klo, wenn sie anfingen zu weinen und nicht in Sekundenschnelle anwesend. Natürlich konnten wir die Koliken nicht wegzaubern. Natürlich sind Babys auch mal frustriert, weil sie mehr wollen als sie können oder weil das Spülmittel so lecker aussieht und Mama es trotzdem wegnimmt. Aber wir waren so schnell wie möglich da, haben getröstet, gestreichelt, getragen, motiviert und alles in unsere Macht stehende versucht - aber vor allem waren wir einfach da! Was uns in manchen schweren Nächten geholfen hat, es trotz aller Müdigkeit und Frustration durchzuhalten, war Akzeptanz: du kannst nicht schlafen, also stehen wir auf, du spielst und Mama macht die Wäsche. Es machte mich weniger aggressiv als immer wieder nachts fruchtlose Schlafversuche zu starten und müde genug, tagsüber zu schlafen, wenn das Baby schlief (und ich hatte dann nicht das Gefühl, noch Haushalt machen zu müssen). Ob wir damit schlechte Schlafgewohnheiten etabliert haben, kann ich noch nicht sagen. Bisher ging es mit ein wenig Konsequenz und Schlaftraining immer wieder zu einem guten Rhythmus.

Anders sieht das ganze nach dem ersten Geburtstag aus. Kinder entwickeln nun das Wenn-Dann-Verständnis - und auch wenn sie ihre Eltern in dem Alter noch nicht absichtlich und geplant manipulieren, begreifen sie sehr schnell, wenn ein von ihnen gezeigtes Verhalten den gewünschten Erfolg zeigt. Man könnte es auch Konditionierung statt Manipulation nennen, das Prinzip ist hier aber nunmal das selbe: ich schreie den Supermarkt zusammen (weil das nunmal die mir nächstliegende Art ist meinen Unmut auszudrücken und es noch ein paar Jahre dauert, bis ich sowas kontrollieren und anders ausdrücken kann) und bekomme Schokolade - ich werde also für`s Schreien belohnt, das merk ich mir doch. Hier wird es dann für die Eltern, die größte Herausforderung herauszufinden, wann das Weinen ein Bedürfnis ausdrückt und wann einen Wunsch, den man vielleicht nicht unbedingt erfüllen will. Klar, im Supermarkt ist das einfach. Da kann ich persönlich meine Ohren super auf Durchzug stellen, in solchen Situationen gibt es bei mir erstmal gar nichts. Selbst wenn ein Stück Schokolade völlig ok wäre, wenn er normal gefragt hätte - bei weinendem Schreianfall stellt Mama auf stur. Allerdings niemals auf lieblos. Ich nehm sienin den Arm und durchlebe mit ihnen meist das Gefühl. (Ist blöd, mein Schatz, ich verdteh, dass du dich ärgerst. Ist ok.) Aber ich erfülle deswegen nicht, was sie wollen. Frusttrationstoleranz lernen ist eine essentielle Fähigkeit, ohne die viele Probleme im Erwachsenenleben vorprogrammiert sind. Und wenn sie es nicht in Mamas liebevollem Arm lernen, wird es nur härter. (Hat durch die Konsequenz den Nebeneffekt, dass diese Schrei-Momente meist sehr kurz sind - die Erfahrung lehrt, es nützt hier ja nix. ;) )
Aber was ist z. B. beim Schlaftraining? Wann weint das Kind, weil es gerade die Nähe braucht - und wann, weil es einfach eine Gewohnheit ist, an Mama rumzuzupfen während des Einschlafens, die es gerne beibehalten und durchsetzen will? Bis zum zweiten Geburtstag habe ich mich im Zweifelsfall für "Bedürfnis" entschieden und nur schreien lassen, wenn es ganz klar Willen durchsetzen/Wutanfall war. Und vor allem nicht "verlassen" beim Schreien! Die gute Nachricht ist: Das Urvertrauen baut sich sehr stark im ersten Lebensjahr auf. Im zweiten Jahr muss man die Kinder schon stark enttäuschen, um es zu zerstören. Das ist nicht unmöglich - wenn aber alles andere gut läuft und das Kind sich geliebt und wahrgenommen fühlt, wird das Vertrauen auch durch das ein oder andere Missverständnis nicht zerstört.

Richtig schwierig wird es dann ab dem zweiten Geburtstag. Kinder weinen immer noch oft, weil sie ihre Bedürfnisse und vor allem ihre Emotionen auf diese Art spontan ausdrücken, das ist gesund und es zu regulieren und kontrollieren lernen sie u. a. während der nächsten zwei Jahre. Aber: auch die weltberühmte Trotzphase beginnt - und dauert im Schnitt ebenfalls zwei Jahre. Sie entsteht durch das Spannungsverhältnis "ich kann schon so viel, ich will alleine" vs. "ich komme an meine Grenzen, die Welt überfordert mich". Sie ist völlig normal, hat rein gar nichts mituns Eltern zu tun und wenn Sie gelegentlich mit dem Gedanken spielen, Ihr Kind zu knebeln und zu fesseln und im Nebenraum einmal ordentlich den Urschrei zu proben - so geht es allen mal. ;) Im Nebenraum ein paar Mal kräftig in den Bauch atmen hilft meistens ganz gut - und bis Sie zurück kommen hat sich Ihr Kind aus lauter Irritation darüber, dass Sie gegangen sind, meist ebenfalls beruhigt. ;) Hier also ruhig mal schreien lassen - da ist es tatsächlich das Gesündeste für alle Beteiligten - Emotionen sollte man ausleben dürfen. Noch besser: mit Eltern zusammen durchleben, helfen beim Frust. Aber jedes Elternteil kommt mal an seine Grenzen. Und das Kinder ihre Gefühle ausleben, zeigt wie sehr sie uns vertrauen: Kinder rebellieren dort, wo sie sich sicher fühlen! :) Trotzdem - das Kind ist noch so klein! Es ist erst zwei, es braucht uns noch. Hier rauszufinden, wann man einem Bedürfnis des Kindes folgen muss und wann man besser streng und konsequent sein muss - das ist das Anstrengendste während dieser zwei Jahre. Meine persönliche Hölle, um genau zu sein. Aber: tut man es nicht, hat man die nächsten 18 Jahren einen Tyrannen im Haus und die Trotzphase vergeht niemals! Konsequenz und schreien lassen sind hier tatsächlich die Mittel der Wahl, um die Trotzphase unbeschadet und vor allem schnell zu überstehen. Es kommt halt immer auf das wie an! Aber es ist eine enorme Menge an Einfühlungsvermögen und Geduld nötig, um gleichzeitig das Urvertrauen weiter aufzubauen bzw. nicht anzuknacksen.
Es schadet nicht, sie möglichst viel alleine versuchen zu lassen und möglichst viel (draußen) toben zu lassen. Aber es hilft dem Kind, dass sich gar nicht erst so viel aufstaut. Kurz nach seinem zweiten Geburtstag fing Sohnemann z. B. an, sein Brot selbst zu schmieren (mit einem stumpfen Messer) oder sich selbst einen Apfel aus dem Schrank zu holen, den Hocker ans Waschbecken zu schieben und ihn vorm Essen abzuwaschen. Ok - der Weg zum Briefkasten dauert schon mal eine Stunde statt zehn Minuten, wenn man jede Ameise untersuchen muss. Aber was schadet es, wenn man später zu Hause ist? (Den Gedanken musste ich auch erst lernen, aber er erleichtert das Leben ungemein. Außerdem: wann haben Sie das letzte Mal die Beine einer Ameise gezählt? ;) Na, wer weiß, wie viele da sein sollten? Die Statistik beweist, wer sich drauf einlässt, leidet weniger schnell am Burn Out. :) Und wenn es wirklich mal schnell gehen muss, nehmen wir den Buggy.)
Nach der Trotzphase sind wir dann endlich dort angekommen, wo man ruhig öfter mal schreien lassen darf, aber es sich zum Glück im Normalfall auf ein Minimum relativiert. Mit vier Jahren ist das Urvertrauen gut gestärkt, die Kommunikations- und Verständnisfähigkeit gut ausgebaut - und alles andere ist ein Dickkopf, der ruhig mal bocken darf. Für mich war dann das schlimmste vorbei! :D

Schlaftraining

Ja - nein - vielleicht?

Prinzipiell: solange es allen Beteiligten damit gut geht, muss ein Kind weder an einem bestimmten Ort, noch zu einer bestimmten Zeit, noch auf eine bestimmte Weise ein- oder durchschlafen - egal was Außenstehende sagen und wie toll andere Babys angeblich durchschlafen. (Ich habe schon phasenweise akzeptiert, dass Baby und ich jede Nacht um 3h den Haushalt machten, weil einfach zwei Stunden nicht an Schlaf zu denken war - und sich fügen einfacher war als einen aussichtlosen Kampf zu führen - dann konnte ich auch tagsüber mit gutem Gewissen schlafen und Babys Rhythmus ändert sich im ersten Lebensjahr eh dauernd (nach dem 1. Geburtstag wollte ich sowas nicht mehr akzeptieren, ich musste ja auch wieder arbeiten und hab ein Schlafbedürfnis). Andererseits war ich sehr neidisch auf das Paar aus unserem Bekanntenkreis, dessen Baby angeblich schon von Anfang an durchschlief - bis ich mitbekam, dass sie um 23h das letzte Mal stillte, wenn sie ins Bett ging und um 5h wieder, wenn Papa aufstehen musste. 6 Std hat unser Sohn auch mal durchgeschlafen, allerdings genieße ich abends eine Stunde Ruhe und schlafe gern 8 Std. - also zählten 6 Std. für mich nicht zum Durchschlafen. *grins*)
Aber oft zehren die kindlichen (Ein-) Schlafgewohnheiten irgendwann an den elterlichen Kräften. Wird der "Leidensdruck" groß genug, suchen die Eltern nach Alternativen.

So war es zumindest bei uns. Und ich muss gestehen - obwohl die erste Woche Schlaftraining für unseren Sohn (und mich auch) manchmal hart war, ging es ihm (und mir erst!) mit Schlaftraining deutlich besser! Er war tagsüber ausgeglichener, weil ausgeschlafener, Mama war entspannter und hatte mehr Lust mitzuspielen, weil ausgeschlafener. Meines Erachtens war es das wert.
Aber (und das ist ein großes aber!) man sollte meiner Meinung nach immer zuerst rausfinden, was das Kind gerade braucht. Kein Kind macht nachts Terror, weil es seine eigene Stimme so schön findet! Und einem Kleinkind, dass z. B. gerade Nähe braucht, diese Nähe vorzuenthalten und es durch ein Training noch zusätzlich zu stressen, kann nicht gut sein. Dann vielleicht einfach mal ein halbes Jahr ins Familienbett?

Was ist denn nun ein "Schlaftraining"?
Jedes Kind wacht mehrmals die Nacht auf - und will meistens dann wieder so einschlafen, wie es gewohnt ist. Kann es diesen Zustand alleine herbeiführen (Schnuller wieder reinstecken, Kuscheltier in den Arm nehmen und umdrehen), bekommen Eltern das Aufwachen oft gar nicht mit. Braucht es dazu Hilfe (Flasche, Mamas Arm, ...) ruft es, bis jemand hilft. Also muss ein Elternteil hoch. Manches sind dabei allerdings einfach antrainierte Gewohnheiten, die man durch etwas bewusstes Training auch wieder modifizieren kann.

Anders ist es, wenn ein Bedürnis und keine Gewohnheit dahinter steht. Bei uns gab es vor dieser Phase einige Veränderungen: der Vollzeitpapa fing wieder an zu arbeiten und Mama war länger erkrankt und daher oft nicht voll einsatzfähig. Einerseits war er unsicher und musste sich unserer Nähe und Verfügbarkeit beim Einschlafen versichern. Das ging bei Papa problemlos, der war aber leider abends oft noch nicht da. Mit Mama wollte er jedoch nicht einschlafen, aus Angst, sie ist nicht mehr da, wenn er aufwacht. Ohne Mama auch nicht, weil er die Sicherheit brauchte. Auf die Idee mit Familienbett sind wir nicht gekommen, aber vielleicht wäre es für unseren Bauchschläfer eh nicht das Richtige gewesen - wer weiß. Andererseits hatten wir ihm aus schlechten Gewissen wegen der Situation ein paar blöde Einschlafgewohnheiten antrainiert, die an unseren Nerven zerrten (z. B. nur im Sessel auf Papas Arm einzuschlafen).

Ab dem 6. Monat können die meisten Babys angeblich mit zwei nächtlichen Mahlzeiten auskommen, ab dem 10. Monat 10-11 Std. nachts sogar ganz ohne Mahlzeit. Klar können sie sich auch daran gewöhnen, jedes Mal was zu trinken, wenn sie wach werden. (Wie formulierte es eine Freundin: "Wenn man mir 3x nachts einen frisch gepressten O-Saft bringt und den Rücken krault - dafür würde ich auch aufwachen.") Dann muss man halt mal ohne Flasche (oder Mann ohne Brust) kommen und trösten. 😉 Das klappte mit 10 Monaten bei uns sehr unkompliziert. Aber: nicht jedes Bany wird aus Hunger wach! Manchmal haben sie auch einfach aufregende Phasen und müssen sich regelmäßig versichern, dass Mama und Papa da sind, um es zu beschützen. Deswegen lehne ich Schlaftraining vor dem 14.-20. Monat ab!

Mit knapp 2 Jahren wurde es dann aber so schlimm, dass unser Sohn nicht mehr mit Mama im selben Raum einschlafen konnte (weil Mama immer mal wieder ging, also wollte er wach bleiben, bis Mama geht) und gleichzeitig nicht ohne Mama im selben Raum schlafen wollte. Er hielt sich ewig wach, war unausgeschlafen, tagsüber wurde ihm dann alles zu viel, Mama war genervt, wenn das Einschlafen ewig dauerte, besonders nachts. Mit Papa ging´s gut, incl Durchschlafen. Nur fing Papa wieder an zu arbeiten - incl Dienstreisen. Also musste sich was tun.

Wie genau das klassische Schlaftraining funktioniert, findet ihr hier. Aber bitte, bitte: lasst eure Babys nicht unnötig weinen und tröstet sie mit eurem Arm und Lächeln!!

Unser Problem war dabei: ich wollte unserem Sohn nicht die gewünschte und gebrauchte Nähe entziehen, da er in der Zeit auch viele Veränderungen überstehen musste (Papa arbeitet wieder, Mama war krank,...). Außerdem wollte ich ihm das aufgebaute Vertrauen in Mama und Papa "die immer da sind, wenn ich weine" nicht nehmen. Und zu guter letzt: er war 2 Jahre -  wenn er nicht liegen bleiben wollte, stand er auf.
Es gibt auch Alternativen, bei denen das Kind nicht weinen muss. Unsere funktionierte so:
- Wichtig war, dass er wirklich müde war, also lieber mal eine Std später ins Bett gehen. Dann habe ich ihn morgens trotzdem pünktlich geweckt, ich wollte ja nicht, dass sich sein Schlafrythmus verschiebt. (Kann man aber auch machen, falls man Kinder hat, die um 5h aufstehen und man lieber später aufstehen möchte. Einfach später ins Bett, nach ca. ein bis zwei Wochen fangen sie an, die Zeit morgens dran zu hängen.)
- Ein einziges Mal habe ich ihn in sein altes Gitterbett gesetzt und das klassische Schlaftraining durchgezogen. Aber er hat so sehr geweint, das war nichts für mich/uns. Gleichzeitig hab ich dabei aus Versehen sein Gitterbett negativ konditinoniert - ich hab ihm später manchmal das Gitterbett als Alternative Schlafmöglichkeit angeboten (weil ich dachte, das kennt er und vielleicht fühlt er sich sicherer), das hat er aber jedes Mal als Strafe wahrgenommen (hatte den positiven Nebeneffekt, dass er dann lieber im eigenen Bett liegen blieb). Zum Glück war es nur das alte Bett und nicht sein richtiges. Schlafen soll ja was Schönes sein, keine Strafe! Also bitte Obacht!
- Danach haben wir jeden Abend unser gemütliches Abendritual durchgezogen (zum Mittagsschlaf leicht reduziert): aufgeräumt, gepuzzelt, gebadet/gewaschen, Zähne geputzt, umgezogen, mit Milchflasche gekuschelt und ein Buch angesehen, ins Bett gelegt und gekuschelt - Gute Nacht Kuss und Mama geht raus. Ich hab ihn oft kurz weinen lassen, allerdings nie länger als ein paar Sekunden, bevor ich wieder rein ging (bzw meist kam er mir eh hinterher). Dann hab ihn zurück ins Bett gebracht, gestreichelt bis er sich beruhigt hatte (egal wie lang das dauerte) und ganz entspannt schien - und bin wieder raus. Das "Spiel" haben wir zwei, drei Mal gespielt, dann fing ich an, ihm Alternativen anzubieten: willst du lieber ins Gitterbett, willst du noch eine Milch mit ins Bett nehmen, willst du ein Auto mit ins Bett nehmen, soll ich das Feuerwehrmann Sam Hörspiel anstellen,...
- Im Laufe der ersten Woche haben wir dann rausgefunden, was für ihn akzeptable Alternativen waren (Sam-Hörspiel und Auto mit ins Bett) und die "Trainingszeit" verkürzte sich von anfangs 1,5 Std. auf 0,5 Std. Gleichzeitig (und noch viel wichtiger) lernte er: es ist okay, egal wie oft ich weine und rufe, ich bin nicht allein, Mama oder Papa sind da und kommen zu mir, ich bin sicher. Inzwischen sind wir bei 20 Min incl Abendritual und ganz ohne weinen angekommen. Mittagsschlaf wurde auch viel, viel entspannter, freiwilliger und wieder regelmäßiger. Schlafen ist endlich wieder was Positives geworden. Nachts höre ich zwar manchmal, wenn er kurz wach wird und nach seinen Autos sucht. Aber oft schläft er dann von alleine wieder ein. Manchmal möchte er was trinken und dann muss Mama natürlich hoch und ihm eine Milch reichen. Aber erstens bin ich nach 10 Minuten wieder im Bett (statt wie vorher nach 1-2 Std.) und zweitens - hört das irgendwann von allein auf (schon mal nen 18jährigen gesehen, der nachts nach Mama ruft?!). Für den Moment, sind wir so alle sehr glücklich mit der Situation. Allerdings versteht er momentan dabei keine "Ausnahmen". Alles muss immer gleich sein, Mama darf nicht (nur weil der Tag anstrengend war oder sowas) eine Ausnahme machen und bis zum Einschlafen bleiben. Und wenn die Tage so anstrengend waren, dass er ein paar Mal neben Mama einschlief, müssen wir z. T. nochmal wieder ein paar Tage das Einschlafen trainieren.

Fazit: für uns hat es super funktioniert - aber manchmal frage ich mich doch, wenn ich damals schon so über das Schlafen im Familienbett informiert gewesen wäre, ob es nicht besser für ihn hätte sein können? Aber das muss nicht so sein und werden wir nie erfahren - und vielleicht werden wir es noch wieder so machen, falls wir unsere Tochter irgendwann ans eigene Bett gewöhnen müssen. (Noch hoffe ich, dass das einfach irgendwann von alleine läuft. 😉)

Liebste Mami, 
ich bin ganz durcheinander. Ich bin daran gewöhnt, in deinen weichen, warmen Armen einzuschlafen. 

Jede Nacht liege ich eng an dich gekuschelt; nah genug um deinen Herzschlag zu hören, nah genug um deinen wunderbaren Duft zu riechen. 
Ich sehe dein schönes Gesicht an, während ich allmählich in den Schlaf gleite, sicher und geborgen in deiner liebevollen Umarmung. 
Wenn ich aufwache, weil mein Magen knurrt, meine Füße kalt sind oder ich Deine Nähe brauche, bist du sofort bei mir und es dauert nicht lange, bis ich wieder tief und fest schlafe. 

Aber seit letzter Woche ist alles anders geworden? 
In dieser Woche lief es jede Nacht so: 
Du hast mich in mein Kinderbett gelegt, mich mit der Bettdecke zugedeckt und mir einen Gute-Nacht-Kuss gegeben. 
Und dann hast du das Licht ausgemacht und bist weggegangen. 

Zuerst war ich verwirrt und habe mich gefragt, wo du hin bist. 
Schnell wurde mir angst und bange und ich habe nach dir gerufen. 
Ich habe gerufen und gerufen, nach dir, Mami. 

Aber du bist nicht gekommen! 
Ich war so traurig, Mami, ich habe mich so sehr nach dir gesehnt. 
Ich habe noch nie vorher so starke Gefühle gehabt. 

Wo bist du hin? 
Irgendwann bist du zurückgekommen! 
Oh, was war ich glücklich und erleichtert, dass du wieder da warst! 
Ich hatte schon gedacht, du hast mich für immer verlassen! 
Ich habe dir meine Arme entgegengestreckt, aber du hast mich nicht hochgenommen. 
Du hast mir noch nicht einmal in die Augen geschaut. 

Du hast mich mit diesen warmen, weichen Armen wieder hingelegt, sagtest nur: ?Shhhh, jetzt ist Schlafenszeit.? und bist wieder weggegangen. 
Das wiederholte sich mehrmals, wieder und wieder? 

Ich weinte und rief nach dir und nach einer immer längeren Zeit bist du endlich zurückgekommen, hast mich aber nicht in die Arme genommen. 
Nachdem ich eine ganze Zeit geschrien hatte, konnte ich nicht mehr und musste aufhören. 
Mein Hals tat einfach zu sehr weh. 
Mein Kopf dröhnte und mein kleiner Magen hat geknurrt. 

Am schlimmsten aber schmerzte mein Herz. 
Ich konnte einfach nicht verstehen, warum du nicht kommst? 
Nach mehreren solchen Nächten, die sich für mich unendlich anfühlten, habe ich aufgegeben. 

Du kommst nicht, wenn ich schreie, und wenn du irgendwann doch endlich kommst, siehst du mir nicht einmal in die Augen, geschweige denn, nimmst du meinen zitternden, schluchzenden, kleinen Körper in die Arme. 
Das Schreien tut zu weh, um es sehr lange weitermachen zu können. 

Ich verstehe es einfach nicht, Mami. 
Während des Tages, wenn ich hinfalle und mir den Kopf stoße, nimmst du mich hoch und küsst meinen Schmerz weg. 
Wenn ich hungrig bin, stillst du mich oder gibst mir zu essen. 

Wenn ich zu dir krabble, um geknuddelt zu werden, liest du meine Gedanken, nimmst mich hoch, küsst mein kleines Gesicht und sagst mir, dass ich etwas ganz besonderes für dich bin und wie sehr du mich liebst. 
Wenn ich dich brauche, bist du sofort für mich da. 

Aber in der Nacht, wenn es dunkel und still ist und mein Nacht-Licht komische Schatten an die Wände wirft, verschwindest du. 
Ich kann schon sehen, dass du müde bist, Mami. 

Aber ich liebe dich so sehr, ich möchte einfach nur nah bei dir sein. Das ist alles. 
Jetzt bin ich ruhig in der Nacht? 

Aber ich vermisse dich trotzdem ? immer noch 
(Verfasser unbekannt)

Sonntag, 26. April 2015

Konsequent sein

Wenn mein "ja" nicht ja und mein "nein" nicht nein heißt - was heißt dann mein "ich liebe dich"?!

Stell dir vor, du spielst ein Spiel und dein Gegenüber ändert alle fünf Minuten die Regeln - ohne dir Bescheid zu geben und völlig willkürlich.

Konsequent sein ist nicht das gleiche wie Strenge. Konsequent sein heißt, ich bin verlässlich, mein Kind hat das Gefühl, sich auf mich und meine Reaktionen und Worte verlassen zu können. Es ist ein Sicherheitsfaktor für das Kind. Nur so kann es richtiges Verhalten lernen. Inkonsequenz führt nur zur Verunsicherung eines Kindes. Es ist unfair, Regeln täglich zu ändern. Zumal meiner Meinung nach inkonsequente Eltern oft nur zu bequem sind, sich mit dem Wutanfall oder dem Betteln in dem Moment auseinander zu setzen - sich aber das Leben auf Dauer unnötig anstrengend machen, weil ja immer alles neu diskutiert werden muss.

Konsequent sein heißt für uns noch zusätzlich, dass die Folgen einer Handlung (egal ob Belohnung oder Strafe) logisch sein müssen. Putze ich mir nicht die Zähne, macht Mama das. Esse ich kein Frühstück, habe ich später Hunger. Schmeiß ich mit dem Ball die Scheibe ein, ist es a) kalt und b) hab ich weniger Taschengeld zur Verfügung, weil ich mich an der Reparatur beteiligen muss. Wenn ich abends kein Theater mache und schnell ins Bett gehe, haben Mama oder Papa mehr Zeit zum Kuscheln und Vorlesen. Wenn ich schnell aufräume, haben wir mehr Zeit raus zu gehen. Wenn ich mich morgens schnell fertig mache, spielt Mama vorm Kindergarten noch mit mir. Das alles ergibt Sinn für Kinder, sie verstehen es und können sich drauf verlassen - und wenn man sie ab einem gewissen Alter fragt, was passieren soll, wenn sie sich so verhalten haben, werden immer Sachen kommen, die logisch sind.
Ich hab die Hände nicht gewaschen und bekomme deswegen keine Süßigkeit, ich mache Theater beim Aufräumen und Bett gehen und Mama dann auch - solange man in seinem Verhalten dabei konsequent gleich ist, funktioniert das auch, aber wir wollen einfach, dass unsere Kinder erleben, dass nicht wir primär Strafen und Belohnungen machen, sondern das jede Handlung im Leben eine Folge hat. Wir hoffen, dass sie so auch als Jugendliche und Erwachsene lernen, die Folgen ihrer Handlungen zu bedenken, die Mama und Papa nicht sanktionieren.

Immer wieder beobachte ich Eltern, die dem Betteln ihrer Kinder nachgeben oder (noch schlimmer) Strafen androhen oder verhängen, die sie dann nicht durchziehen. Ein paar dieser Eltern konnte ich jetzt schon lange genug beobachten, um die Folgen am inzwischen erwachsenen Kind zu sehen. Es sind durchweg Jugendliche und Erwachsene geworden, die a) ihre Eltern nicht für voll nehmen und denen es b) selbst im Leben schwer fällt, konsequent zu sein und etwas durchzuhalten (z. B. ein Studium).

Das ist aus der Beobachterperspektive natürlich leicht gesagt. Aber diese Beobachtungen haben unseren Erziehungsstil stark geprägt. Unsere Gedanken dahinter waren wie folgt:
- Nachgeben ist kurzfristig einfacher und bequemer, die langfristigen Folgen sind aber immer anstrengender, denn es wird nie etwas als gegeben akzeptiert und sich dran gehalten. Das macht das Zusammenleben langfristig anstrengend, von der Pubertät ganz zu schweigen.
- Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder sich 100%ig auf uns verlassen können. Wenn man das schon nicht auf die Eltern kann, auf wen dann? Wir sind es doch, die den Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit geben müssen, erst recht solange sie klein sind. Das geht nur, wenn wir uns nicht je nach Laune oder Situation drehen wie ein Fähnchen im Wind. Sonst ist diese Welt wirklich verdammt beängstigend und groß. Mama sagt, morgen gehen wir Eis essen, gehen wir auch bei Schneesturm morgen Eis essen (wenn die Kinder noch wollen). Wenn Papa sagt, am Esstisch gibt es kein Spielzeug, gibt es kein Spielzeug, egal wie gebettelt wird. Wenn Mama und Papa sagen, du musst keine Angst haben und wir haben dich lieb - glauben unsere Kinder uns.
- Bei Regeln sind wir ca 80% konsequent, für alles gibt es eine BEGRÜNDETE Ausnahme. (An Weihnachten darf man mal später ins Bett, wenn man krank ist darf man mal mehr Fernseh gucken, Omas und Opas kaufen im Spielwarengeschäft vielleicht mal was (im Gegensatz zu Mama und Papa), zum Geburtstag gibt es Muffins mal zum Frühstück,...) Solange die Ausnahme einen Sinn ergibt und nicht zu oft vorkommt, gefährdet sie weder die Regel noch das Vertrauen ins elterliche Verhalten. Im Gegenteil - durch die logische Einsicht wird es meist sogar noch gestärkt.
- Stellen wir eine Frage, akzeptieren wir alle Antwortmöglichkeiten. Machen wir eine Ansage, sorgen wir dafür, dass sie auch eingehalten wird. Wir sagen also nichts an, was nachher nicht durchgezogen wird. (Könnt ihr euch vorstellen, einen Teenager mit TV Verbot von der abendlichen Familienrunde auf dem Sofa auszuschließen?! Wenn nicht, solltet ihr auf das Fernsehverbot verzichten.) Dabei versuchen wir unsere Kinder nicht von oben zu doktrinieren und formulieren unsere Forderungen als Wahlmöglichkeit - denn das macht das Leben fast ebenso viel leichter und vermeidet Wutanfälle fast genauso oft, wie nachgeben - nur dass sie sich halt trotzdem sicher fühlen können, wir verlässlich sind, sie richtiges Verhalten und einen respektvollen Umgang miteinander lernen: statt "putzt die Zähne" - "möchtest du lieber die oder die Zahnbürste heute", statt "du musst gewickelt werden" - "soll ich dir lieber unten oder oben den Popo sauber machen", usw. Wir versuchen ihnen also einen Rahmen zu geben, indem sie dann möglichst viel selbst entscheiden können. Und umso älter sie werden, umso größer wird dieser Rahmen. Sp hoffen wir, sie zu starken, selbstbewussten Persönlichkeiten zu erziehen.

Konsequenz kann man jederzeit noch in die Erziehung einbauen, wenn man sie noch nicht hat. Man sollte nur folgendes beachten:
- Von null auf hundert ist vor allem für die Eltern schwer. Fangt mit einer Situation an (zB Bett gehen oder Essen) und überlegt euch vorher, wie ihr immer gleich reagieren wollt.
- Holt euch Partner, Großeltern, Erzieher etc mit ins Boot, damit auch sie immer genauso reagieren.
- Stellt euch darauf ein, dass es etwas dauert und immer wieder mal getestet wird, ob Mama/Papa das jetzt WIRKLICH so meint, denn vorher haben sie es ja mal so gemeint, mal nicht. Kinder müssen ja auch erst merken und lernen, dass sich das geändert hat.
- Passt einen Zeitpunkt für die Veränderung ab, in dem ihr Ruhe habt, diese durchzuhalten, und in denen das Kind nicht noch zusätzlichen Stress (zB durch Schulstart oder ein neues Geschwisterchen) hat.
- Seid konsequent und stellt Regeln auf, wenn es Sinn macht. Zahnpflege muss sein - Teller leer essen, wenn man satt ist, muss nicht sein.
- Wenn Ausnahmen für Kinder von außen verständlich sind, schaden sie nicht. (Papa kommt ausnahmsweise später heim, also darf ich wach bleiben, bis Papa kommt.) Sobald Ausnahmen unverständlich sind,  lösen sie wieder Unsicherheit aus. (Warum gibt es heute keine Geschichte? Dagegen wehre ich mich mal. Das Kind kann ja nicht ahnen, dass man weg will oder vielleicht selbst einfach müde ist.) Hinzu kommt, dass Ausnahmen nur möglich sind, wenn es Ausnahmen und nicht die Regel sind. (Bei ca 80% Regel eingehalten, sind ca 20% Ausnahmen möglich, sagt die Hirnforschung.)

Ernährung

Noch so ein Thema, bei denen sich die mütterlichen (Kampf-)Geister scheiden...

Ich habe beim ersten Kind fünf Monate voll- und bis zum 11. Monat teilgestillt. Mit ca 5,5 Monaten fingen wir mit einer Breimahlzeit an, nebenbei gab es BLW (baby-led weaning) - was nichts anderes ist als direkt Fingerfood statt Brei.

Salz ist ja so ein Ernährungs-Streitthema. Bis ca 18 Monate gab es bei uns weder Salz noch Kristallzucker für´s Baby.
Unsere Hebamme erzählte im Beikostkurs, Salz greife vor der Darmreife den Darm an, so dass später, wenn der Darm schlaffer wird (so um die 50, wenn alle Haut etwas schlaffer wird ;) ), Probleme auftreten können. (Bei extremer Salzzufuhr vor Ende der Darmreife kann es auch schon früher zu Problemen kommen - eine Baby, das meine Hebamme betreute und welches gegen ihren Rat von Geburt(!) an voll gewürztes Familienessen bekam, starb sogar daran!)
Kann das Baby selbstständig sitzen, sei der erste Grad der Darmreife abgeschlossen, so dass z. B. etwas Salz im Brot oder mal einen Löffel (Kuhmilch-)Joghurt nichts mehr ausmacht. Kann das Baby/Kleinkind laufen, ist die Darmreife abgeschlossen - bei manchen also mit 10, bei anderen erst mit 18 Monaten! Dann kann es theoretisch alles essen und trinken - außer Honig, der ist erst ab dem 2. Geburtstag unbedenklich.(Naja - und mit Alkohol würde ich noch warten... 😉 )
Das gilt heute als überholt. Fakt ist aber, dass Salz (und auch Milch) die kleinen Nieren schnell überfordert und daher im ersten halben Jahr komplett tabu sein sollte!! Danach spricht man von 1g Salz (und 200ml Kuhmilch ODER 30g Käse, Quark o.ä.) pro Tag seien in Ordnung. Wenn man aber bedenkt wie viel Salz schon im Brot,  fertigen Babybreien usw ist... 😲

Brei haben wir selbst gekocht. Zum einen ist es günstiger, zum anderen gesünder (weil ich sicher weiß, was drin ist), zum dritten füttere ich nicht was, was ich selbst nicht mag (und ich finde die Fertigbreie ekelig). Geht auch ganz einfach:
Rezept
- Obst oder Gemüse 5-8 Minuten dünsten (Dünsteinsatz für jeden Kochtopf für 3€ bei Ikea oder in der Mikrowelle mit der Tupperkanne oder (mein Favorit) mit dem Avent Kocher),
- dann bei Gemüse 1TL Beikostöl und bei Obst 1TL weißes (weil kaum Allergene) Mandelmus dazu (für die guten Fette, Mandelmus enthält auch viel Eisen und Calcium).
- Pürieren - fertig. Ich hab mit dem Aventkocher immer direkt zwei Mahlzeiten fertig gehabt - mit einem Aufwand, der auch nicht höher war, als Gläschen öffnen und erwärmen. Im Kochtopf hab ich oft wochenweise vorgekocht und eingefroren.
- Fleisch und Fisch gab´s bei uns eher selten, kann man aber auch einfach mitdünsten (ca 10 Min). Ist dank Mandelmus aber nährstofftechnisch nicht so wichtig.
- Getreideflocken beim Obstbrei einfach unterrühren und etwas ziehen lassen.

Bei Milchprodukten und Nüssen scheiden sich die Geister ja auch. Die einen sagen, im zweiten Lebenshalbjahr am besten parallel zum Stillen einführen, um das Allergierisiko zu senken, die anderen meiden es wegen den Allergenen, aber auch wegen dem Artfremden der Kuhmilch, möglichst lange. Fakt ist: 200ml Kuhmilch ODER 30g Milchprodukte wie Käse sind für die Nieren eines nicht allergisches Babys zu verkraften. Nach dem ersten Geburtstag erhöht sich die Menge auf 500ml Mich oder Joghurt bzw 80g Käse.

Kristallzucker wollten wir einerseits wegen der Gewöhnung an den süßen Geschmack möglichst lange außen vor lassen. Andererseits hemmt Kristallzucker die Calciumaufnahme und steht in Zusammenhang mit ADHS. Außerdem reagierten unsere Kinder mit leichten Pickeln etwas allergisch, wenn ich selbst in der Stillzeit zu süß aß. Heute versuchen wir, Süßes weder zu verteufeln noch anzubieten. Wenn er danach fragt und es ist nicht gerade 1/2 Std vor dem Essen, dann bekommt er etwas, anbieten tun wir es wiederum nicht. Allerdings essen wir natürlich mal was Süßes oder Kuchen oder Eis - und er darf probieren wenn er will. Er mag wohl mal was Süßes, aber er bevorzugt bis heute eher Obst oder deftig (ich in der Schwangerschaft aber auch, vielleicht besteht da ein Zusammenhang?). Selbst wenn es offen auf dem Tisch steht, ist er selten mehr als die empfohlene "Hand voll" Süßigkeiten... das finde ich total super! 😊
Unsere Diskussionen gehen eher in die Richtung: "Nein, du bekommst erst Apfel/Weintraube/Gurke/Paprika/Salat/..., wenn du auch etwas Brot gegessen hast!" Manchmal hab ich schon gedacht, andere Mütter die das zufällig mitbekamen, lynchen mich gleich. Aber er kann sich doch nicht nur von Rohkost und Milch ernähren... 😧

Was es inzwischen sonst so bei uns so gibt? Euer Blick in unseren Kochtopf

Kinderwagen vs. Tragen

Unser Sohn hat mit zwei Wochen angefangen, wie am Spieß zu schreien, sobald er in der Kinderwagen sollte. Wir haben uns dagegen entschieden, ihn "daran zu gewöhnen", sondern haben beschlossen, dass er schon weiß, was gut für ihn ist. Wir hatten zwar schon eine (nicht gute, weil zu kleiner Steg, im normalen Babyhandel erworbene und inzwischen entsorgte) Tragehilfe, mehr hatten wir uns mit dem Thema aber nicht beschäftigt.

Heute haben wir zwei verschiedene Tragetücher (genutzt ab Geburt bis ca 7-8 Monate), eine Tragehilfe (genutzt ab ca 5 Monate bis ca 3 Jahre), einen Wandertragerucksack (genutzt ab ca. einem Jahr) und einen "easy rider", um den Großen rückenschonender im Alltag mal hochzuheben.

Menschenbabys sind rein biologisch gesehen Frühgeburten - nur kann unser Körper sie seit dem aufrechten Gang nicht mehr länger als 40 Wochen beherbergen und sie auch nicht viel später mehr problemlos gebären. Daher verkürzte sich die Schwangerschaft, seit wir aufrecht gehen können. Unsere Babys sind aber weder Nesthocker noch Nestflüchter - sie sind Traglinge. Das Tragen ist also die natürlichste Fortbewegung für Babys. Untersuchungen zeigen, dass getragene Kinder später motorisch und geistig fitter und auch oft selbständiger sind, da sie schon früh mehr Eindrücke wahrnehmen können und ihren Körper mehr ausbalancieren müssen als im Liegen. Gleichzeitig stärkt die körperliche Nähe das Urvertrauen und das Selbstbewusstsein der Kinder und befriedigt ihr natürlichstes Bedürfnis (neben essen und schlafen): Nähe!
Und auch wenn es für uns manchmal eng und unbequem aussieht, die meisten Babys lieben und brauchen es!

Man hat die Hände frei und kann mit Baby 90% seines Alltags ganz flexibel regeln. Ich hab damit Fenster geputzt, war bequem shoppen (weil man überall durch kam) und war mit meinem Neffen auf dem Klettergerüst. Sohnemann fand´s toll - oder schlief. Allerdings: es lohnt sich, 30-40€ in eine gute Trageberatung zu investieren. Babyläden wissen zu diesem Thema oft nicht nur nicht Bescheid, sondern verkaufen für die Babys gesundheitlich bedenkliche Tragen. Bei einer Trageberatung können Mama und Papa verschiedene Tragehilfen ausprobieren und die für sie bequemste finden (deswegen sprech ich hier keine Empfehlung aus - es gibt zu viele, individuell gute). Auch werden Bindetechniken beim Tuch gezeigt.

Natürlich hat ein Kinderwagen auch seine Vorteile: man kann sie schlafend auf der Terasse stehn lassen, Einkäufe gut verstauen und bei 30°C im Schatten ist es deutlich angenehmer. Auch Rückenprobleme spielen bei dieser Entscheidung sicher eine Rolle (wobei richtiges und gutes Tragen den Rücken eher stärkt). Obwohl unsere Tochter kein größeres Problem mit dem KiWa hatte, haben wir ihn verkauft. Er war einfach zu unhandlich. Seit unser Sohn die 12kg Marke gesprengt hat und auch freiwillig in den Buggy geht, tragen wir ihn allerdings deutlich weniger! 😉 Obwohl er es noch immer phasenweise deutlich bevorzugt.

Wie beim Stillen auch muss ich gestehen: wenn ich es nicht so bequem gefunden hätte, hätte ich es wohl nicht so lange getan. 😆