Mother Wars

Es ärgert mich, wie oft es besonders in Erziehungsfragen nur schwarz-weiß gibt und auch alle Informationen, die man zu einem Thema findet, entweder oder sind. Oft fühle ich mich eher irgendwo in der Mitte wohl. Nicht weil ich mich nicht festlegen will, sondern weil das Leben nunmal bunt ist - und nicht schwarz-weiß!

Alles in allem - steh ich immer an irgendeiner Stelle, über die man streiten kann. Gleichzeitig frage ich gerne, wie andere etwas machen und wie die neuesten Forschungsergebnisse sind - um zu schaun, was man nachmachen kann oder was lieber nicht. Leider fühlen sich andere Mütter sofort angegriffen, wenn man ihnen nicht 100% zustimmt, oder greifen selber an, wenn man etwas anders macht. Trotzdem suche ich immer nach Gleichgesinnten mit ähnlichen oder anderen Erfahrungen zum Austausch, also kommentiert gerne! :)

Ich glaube, dass jedes Kind und jeder Erwachsene anders ist und man eine Kombination finden muss, die für alle passt.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Kind Bedürfnisse hat, die man erfüllen sollte - genau wie seine Eltern. Und nur glückliche Eltern erziehen glückliche Kinder.
Ich glaube, dass alle Erziehung sowieso kaum was bringt, wenn man´s nicht vorlebt, weil Kinder eh machen, was ihre Eltern machen.
Und ich glaube, dass Grenzen und Konsequenzen einem Kind Sicherheit geben, die es braucht, auch wenn es das nicht immer schön findet.
Nach diesen Glaubenssätzen versuche ich im Jungle von Ratschlägen und Forschungsergebnissen so zu handeln, dass wir alle vier gut und vor allem glücklich damit leben können...

Donnerstag, 5. Mai 2016

Aggressionen beim Kleinkind

Um es kurz zu machen: sie sind normal.
Der dänische Familientherapeut Jesper Juul versucht seit Jahren, den negativen Ruf der kleinkindlichen Aggression zu verbessern, denn sie sind verhaltenspsychologisch ein wichtiger Schritt zum Erwachsen werden - und nur, wenn wir Eltern sie nicht verdammen, können unsere Kinder daran wachsen.
Kinder müssen lernen, dass jedes Gefühl in Ordnung ist - nur nicht jede Handlung. Dazu muss ich die "negativen" Emotionen wie Wut, Trauer und Frust aber zulassen und nicht verbannen oder unterdrücken. Das ist für eine gesunde psychische Entwicklung ganz elementar.
Aggressionen dürfen demnach nicht als "böse" abgestempelt werden, sondern Eltern und Erzieher müssen den Kindern helfen, einen angemessenen Umgang damit zu erlernen. Laut Juul sei dies auch der Weg zu einer Welt ohne Kriege: mit Aggressionen umgehen lernen.
Die ewige "Kuschel-Pädagogik" mit ihren sanften Erklärungen verschlimmere die Aggressionen laut Juul nur - man müsse sich viel mehr darauf einlassen und versuchen, die Ursache dahinter zu verstehen. Denn offensichtlich fühlt das Kind sich nicht wohl.
Am besten sei es, dem Kind klar zu machen, dass bestimmte Verhaltensweisen inakzeptabel sind (wie z. B. Schlagen), nach der Ursache der Emotion zu forschen (Warum bist du wütend?) und ihm Handlungsalternativen anzubieten (Wenn du etwas nicht willst, darfst du laut "nein" rufen.). Dadurch fühlen Kinder sich wertgeschätzt und wahrgenommen - und würden im Laufe der Jahre lernen, Trauer, Wut und Frust einen besseren Ausdruck zu geben.
Unserer Erfahrung nach treten am häufigsten vier Ausdrucksformen kindlicher Aggression auf:
Wutanfall, Trotzanfall, emotionaler Ausbruch und Schlagen bzw. Beißen. Oft begründet sich dies in ähnlichen Ursachen beim Kleinkind.
Wutanfall
Kinder lernen mit ca 2 Jahren, dass sie von Mama verschieden sind und nicht immer auf Mama und Papa hören müssen. Umso selbstbewusster Kinder sind und umso sicherer sie sich bei einer Bezugsperson fühlen, umso größer ist die Chance eines Wutanfalls. Sie merken, sie können schon viel und sind frustriert, wenn sie an ihre Grenzen kommen. Seien es Grenzen durch Mama und Papa oder durch ihre Fähigkeiten. Sie wollen damit nicht manipulieren und etwas erreichen. Sie sind nur sauer und frustriert und geben dieser Emotion leidenschaftlich nach. Nachzugeben und die Frustrationsquelle auszuschalten, hilft dem Kind nicht, mit der Emotion umgehen zu lernen. Nachzufragen und zuzuhören hilft dem Kind, sich wahrgenommen zu fühlen und die genaue Ursache zu erkunden - dann kann man evtl Handlungsalternativen, aber zumindest Verständnis anbieten. (Ich kann verstehen, dass dir dein Kuscheltier fehlt. Tut mir leid, dass ich es vergessen habe.)
Trotzanfall
Hierbei wird eher das Verhalten der Eltern ausgetestet. Man merkt den Unterschied zum Wutanfall vor allem daran, dass das Kind nicht völlig ausflippt und Mama bzw Papa sehr gebau beobachtet - und häufig aufhört, wenn keiner hinguckt/es bemerkt. Konsequenz verhindert sicher nicht, dass Eltern mal getestet werden, aber meiner Beobachtung nach, werden konsequente Eltern vielleicht 2-3x im halben Jahr getestet, inkonsequente Eltern auch 2-3x am Tag. Kinder inkonsequenter Eltern fühlen sich oft einfach verunsichert und manchmal auch ängstlich, weil sie sich keinen Reim darauf machen können, wie die Welt funktioniert. Also müssen sie immer und immer wieder austesten, wie Mama und Papa reagieren, in der Hoffnung ein Muster zu erkennen. Konsequenz ist ein solches Muster und bietet den Kindern Sicherheit - und sie merken, dass sich Trotzanfälle nicht lohnen, weil sie nicht belohnt werden (werden sie mit Süßigkeiten bzw Wunscherfüllung ruhig gestellt bzw beruhigt, verstehen sie das als Belohnung für ihr Verhalten und werden es wieder zeigen).

emotionale Ausbrüche
Es gibt Kinder und auch Erwachsene, die müssen einfach mal Dampf ablassen, sonst ist ihre psychische und physische Gesundheit arg gefährdet. Viele Menschen leiden heutzutage unter Kiefer- und Nackenprobleme, weil sie ihm wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen beißen. Dieser nicht abgelassene Druck kann viele Folgeerkrankungen bedingen, vom Bandscheibenvorfall bis zur Migräne, von Schlafstörungen bis zu abgesplitterten Zähnen. Hier ist Verständnis wichtig und auch einen für alle erträglichen und akezeptablen Ausdruck zu finden - aber es ist ebenso wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass das völlig in Ordnung ist und es sich deswegen nicht schlecht fühlen muss! Akzeptabel kann z. B. sein, allein oder im elterlichen Arm zu weinen (je nach Vorliebe) oder auf ein Kissen oder einen Boxsack einzuprügeln oder in sein Zimmer zu gehen und einmal laut die Wand anzubrüllen oder... finden Sie etwas, was zu Ihnen allen passt!
 
Schlagen und beißen
Dies ist ein Verhalten, dass bei Kleinkindern besonders vor dem Spracherwerb zu beobachten ist. Genau wie Tiere stecken sie so ihre Grenzen ab: ich will nicht, dass du das tust. Zurück zu beißen oder zu schlagen zeigt dem Kind nur "Mama/Papa darf das, also ist das wohl ok." Es zeigt nicht, wie so oft behauptet wird, "Das tut weh, das tut man nicht." Das kindliche Gehirn funktioniert etwas anders: sie lernen durch Nachahmung, was Mama und Papa tun, ist gut und richtig - so macht man das. Ggf. lernen sie durch Zurückbeißen bzw. -schlagen noch "Wenn ich das tue, tun Mama und Papa mir weh." Dann lassen sie es evtl solange die Eltern dabei sind, sind sie nicht dabei, ist es für die Kinder wieder ok, denn Mama und Papa handeln ja auch so. An sich gilt: geben Eltern ihrem Frust durch Gebrüll, Schläge und Wutanfälle Luft, werden Kinder das als akzeptable Art, mit Wut und Frust umzugehen, übernehmen.
Unser Weg damit umzugehen dauerte lange (nach ca 4-6 Monaten merkte man eine Besserung, aufgehört hat es tatsächlich erst, als er sprachlich fit genug war, sich zu wehren). Wir haben die Erzieher mit ins Boot geholt und bei jeder einzelnen Situation unser Kind zur Seite genommen, ihn gefragt, was das Problem war und ihm eine Alternative angeboten (Du musst die Schippe nicht teilen, wenn du nicht willst, du darfst/kannst "nein" sagen. Du musst dich nicht schupsen lassen, du kannst weggehen. Usw.). Aber wir haben niemals mit ihm geschimpft oder ihm gesagt, er dürfe sich nicht wehren!! Langsam aber sicher lernte er bessere Ausdrucksmöglichkeiten als sofort zu beißen.

Begleitendes Weinen

Es gibt mehrere Arten des Weinen lassens.
1. Das von älteren Generationen oft zitierte schreien lassen ist für mich ein Unding!! Kinder (oder noch schlimmer: Babys) in ihrem Kummer allein zu lassen ist eine Qual, die das Urvertrauen und die Psyche unnötig belastet.
2. Es gibt in der Trotzphase und im Kleinkindalter immer wieder Momente, in denen ein Kind seinen Frust durch Weinen auslebt. Auch hier gilt: sie damit alleine zu lassen ist unfair! Obwohl es natürlich besser ist, mal kurz vor die Tür zu gehen und durchzuatmen, statt selbst auszuflippen!! Sie weinen nicht, um uns zu ärgern, sondern weil sie eine Emotion ausdrücken, oft sogar mit ihr überfordert sind. Man darf sie hier ruhig mal weinen lassen - aber eben nicht allein. Man muss sie auch nicht zwangsläufig ablenken oder trösten (manchmal ist das völlig in Ordnung), manchmal sollte man ihnen lieber helfen, diese Emotion sinnvoll und erlösend zu durchleben.
3. Das begleitende Weinen im Babyalter.

Besonders ab dem 6. Lebensmonat (wenn sich die Wahrnehmung des Babys nochmal verstärkt) besonders abends (wenn man einen aufregenden Tag verarbeiten muss - und aufregend kann für ein Baby schon sein, dass der Nachbar den Rasenmäher angestellt hat) kommen die sogenannten "Großmutter-Stunden" (so genannt, weil Omas, und in unserem Fall noch mehr der Opa, dafür eher die Ruhe haben, als frisch gebackene Mütter).
Das Kind hat eine saubere Windel, ist satt und auf Mamas Arm (oder im Tragetuch) - es hat also allen Grund, dass es ihm gut geht. Und trotzdem weint es. Fallen körperliche Ursachen weg (also Schmerzen aufgrund von Zahnen, Blähungen oder Erkrankungen - in unserem Bekanntenkreis schrie ein Kind monatelang vor Schmerzen wegen einer nicht diagnostizierten Laktose-Intoleranz) und beruhigt es sicj auch nicht, wenn es einen Moment allein in der Wiege liegt (selten aber manchmal doch gibt es Kinder, die manchmal eher Luft und Ruhe als Nähe brauchen) kann man davon ausgehen, dass das Kind irgendwas verarbeitet. Das kann vom Schock geboren worden zu sein bis zur Erkenntnis, dass man nicht (mehr) eins mit Mama ist, alles sein. Das kann auch ein Entwicklungsschub sein, dann wollen Kinder im Normalfall nur eins: auf den Arm und an die Brust. Und das ist ok! Es verwöhnt sie nicht, es stärkt sie. (Die Entwicklungsphasen kann man im Buch oder in der App "Oje ich wachse" gut nachlesen.) Wenn diese Phase aber nicht endet, sind wir Eltern irgendwann am Ende mit unserem Latein - und unseren Nerven.
Unser Baby zu trösten ist unser tiefster Urinstinkt. Und es ist ein guter und wichtiger Instinkt, denn er zeigt uns, was das Wichtigste für unser Baby ist: nicht alleine zu sein mit seinem Kummer! Zu spüren: ich bin wichtig und geliebt und Teil einer Familie, das Leben ist schön!

Aber ein Kind hat auch ein Recht auf seine Tränen. Es ist die einzige Art der Kommunikation, die ihm zur Verfügung steht! Jede Intervention (Schnuller rein, mal Arm, mal Wiege, wickeln, Rassel,...) stört nicht nur diese Kommunikation, sondern ist evtl. sogar noch ein neuer Reiz, der verarbeitet werden muss. Ein Baby kann nicht anders ausdrücken, was ihm auf der Seele liegt. Sei es "Ich hab dich lieb, ich will so gern bei dir sein." oder "Ich bin müde, aber zu aufgeregt zum Schlafen."

Ähnlich wie Jesper Juul beim Kleinkind, plädiert Brigitte Hannig (Hebamme, Früherziehungsberaterin und Festhaltetherapeutin) dafür, Kinder ihren Kummer ausleben (und damit verarbeiten und abhaken) zu lassen - aber eben nicht alleine. (vgl. Broschüre des Bundes deutscher Hebammen "Tränenreiche Babyzeit")
Sie unterscheidet zwischen Beruhigung (was oft eher Ablenkung ist) und Trost (im Sinne des begleitenden und haltenden Weinens).

Im begleitenden Weinen gibt es meistens ca. fünf Phasen:
1. Das Baby weint - und statt es abzulenken, sind wir einfach da, halten es im Arm und sprechen beruhigend mit ihm (wichtiger als die Worte sind dabei der Tonfall - ich hab meistens nur langsam und ruhig "ich bin ja da, es ist ok, du bist nicht allein" gemurmelt).
2. Das Baby schreit seine Verzweiflung heraus und wehrt sich vehement gegen das Gehalten werden - dabei ist es so wichtig, es zu halten (dazu mehr weiter unten) und ihm Sicherheit zu geben. Es kämpft nicht gegen die Sicherheit gebenden Eltern an, sondern gegen das, was es so belastet, also gegen den Grund, warum es weint. Wichtig ist dabei, dass es merkt: auch jetzt sind Mama oder Papa für mich da und halten mich.
3. Spätestens jetzt weinen die meisten Eltern mit. Und das ist in Ordnung und authentisch! Weinen Sie zusammen um den Kummer ihres Babys - aber bleiben Sie da und spüren Sie die Verbundenheit!
4. Das Schreien reduziert sich zu einem Wimmern und Aufschluchzen. Zwischenzeitlich schläft das Kind oft kurz ein.
5. Nach dem letzten Aufschluchzen erfolgt ein entspanntes Schlafen.

Bei uns haben diese fünf Phasen ca eine Stunde gedauert.
Wir haben das begleitende Weinen lassen praktiziert, als wir sicher waren, dass keine körperlichen Ursachen (Besuch beim Kinderarzt UND beim Osteopathen, sowie kein Zahnen) oder Entwicklungsschübe (App "Oje ich wachse") der Grund für die Unruhe war. Trotzdem war die Sorge da: schläft sie jetzt, weil es ok ist und sie ihren Kummer los ist - oder weil sie einfach zu erschöpft ist, weiter zu machen. Ich hielt sie danach beim ersten Mal die ganze Nacht im Arm, um bei ihr zu sein, wenn sie aufwachte und ihr das Gefühl zu geben, dass wir das zusammen durchstehen - und damit sie nicht das Gefühl hat, ich will sie nur weglegen. Stillen hat bei uns immer getröstet, aber nach 8 Wochen mit nur Baby-an-der-Brust-Nächten und mind. eine Woche ohne Zahnen, Erkältung und Schub, haben wir es nach Besuchen beim Kinderarzt und Osteopathen zum ersten Mal getestet. Da haben wir dann mal nicht die Brust gegeben, sondern es gemeinsam durchlebt - und danach schien es besser... bis zum nächsten Zahn. 😅
Eine Babysprechstunde (beraten bei Schlaf-, Schrei- und Essensproblemen) kann auch oft helfen, wenn man vorher wirklich alles abgecheckt haben will.

Beim begleitenden Weinen achtet man auf eine bestimmte Art des Haltens:
- das Baby wird möglichst fest aber zärtlich gehalten: der Kopf so, dass das Baby ihn nicht selbst halten muss, sondern sich entspannen kann - Arme, Beine und Körper so, dass es sich auch bei heftigerem Gestrampel nicht löst oder fällt, sondern sich eng gehalten fühlt, wie beim Pucken!
- Den Kopf des Babys möglichst ähnlich wie beim Stillen bzw. möglichst nah am Herzen.
- Den Körper seitlich wie beim Stillen oder längst vom Herz bis zum Bauch.
- Wenn man das Gefühl hat, zu wenig Hände zu haben, besonders wenn das Kind sich wehrt und strampelt, kann ein Stillkissen als Stütze helfen!
Oft half ihr diese Art des Gehalten Werdens auch nach aufregenden Tagen beim Einschlafen - ganz ohne Weinen. Sie meckerte und zappelte einen Moment und kam dann zur Ruhe.

Es gibt inzwischen einiges an Werken zum "begleitenden Weinen". Leider muss ich sagen - wie so oft sind diese Werke sehr dogmatisch. Jedes Kind müsse mal weinen, Trösten im beruhigenden Sinne sei dabei immer falsch, sogar "Troststillen fördere Essstörungen" habe ich gelesen. Das halte ich ehrlich gesagt für Blödsinn.
Stillen erfüllt neben Nahrung so viele Bedürfnisse, z. B. nach Nähe, Mamas Herzschlag und Geruch, Geborgenheit. Dadurch wirkt es natürlich auch Angst reduzierend. Nuckeln entspannt, Schnuller heißen ja nicht umsonst Beruhigungssauger. (Das Annehmen eines Schnullers ist für manche Kinder aber etwas Übungssache.) Stillen senkt sogar das Schmerzempfinden. Zu stillen, um auch andere Bedürfnisse als Nahrung zu erfüllen, kann damit meines Erachtens nicht falsch sein. Trotzdem wurde das Schlafen bei uns nach dem begleitenden Weinen erst wirklich besser, als ich das Gefühl bekam, das nächtliche Nuckeln ist jetzt kein Bedürfnis mehr, sie wirkte nicht mehr so verzweifelt dabei, sondern total entspannt. Es war halt zur Gewohnheit geworden. Das zu trennen war eine Sache von ein paar Abenden leichtem Gemecker. Dazu hab ich sie wie oben geschrieben gehalten und ihr den Schnuller (an den ich sie schon vorher gewöhnt hatte und den sie zumindest ab und zu mal zum Nuckeln nahm und kannte) anbot.
Außerdem denke ich, es gibt Menschen, die sind eher für Ruhe und etwas Ablenkung zu haben. Mein Mann und mein Sohn brauchen nach stressigen Tagen Sofa, Hörspiele, kuscheln... - wenn es mir nicht gut geht, dann schimpfe oder erzähle oder weine ich. Nimmt man mich dann nicht ernst, verletzt mich das sehr. Würgt man mich dabei ab, schleppe ich es ewig mit mir rum, bis es schließlich doch herausbricht und es mir danach endlich besser geht. Deswegen sprach mich das begleitende Weinen vermutlich an - denn es besteht ja keine geringe Chance, dass meine Tochter evtl. genauso tickt...

Zum Schluss möchte ich berichten, wie sie sich in den zwei Wochen nach dem begleitenden Weinen entwickelte:
- Papa wurde plötzlich als Bezugsperson ganz anders akzeptiert, angestrahlt und konnte sie beim Weinen beruhigen und sogar ins Bett bringen.
- Nahrung wurde ganz anders akzeptiert, so dass ich innerhalb von zwei Wochen nicht mehr voll stillte.
- Motorisch machte sie einen riesen Satz: robben, klatschen, hinsetzen, Kniestand, hochziehen, mit Hilfe stehen, krabbeln - alles in den zwei (!) Wochen danach...
Alles in allem wirkte sie glücklicher und zufriedener.

Dienstag, 19. April 2016

Homöopathie

Das Buch "Die Homöopathie-Lüge" (Weymeyr/Heißmann) heizt die Diskussion um die Wirksamkeit von Globolis neu an.

Zusätzlich bringen mich meine eigenen Beobachtungen zur etwas provokanten Frage: sind Globolis eine Einstiegsdroge? Kleinkindern wird bei jedem noch so kleinen Sturz was Homöopathisches (z. B. Arnica) gegeben, Schulkindern nehmen dann als Steigerung schon gegen alles pflanzliche Mittel statt Umgangsarten zu lernen und/oder nach Ursachen zu fragen (z. B. Baldrian statt Atemübungen gegen Nervosität), Abiturienten treten als Steigerung dessen oft schon mit verschreibungspflichtigen Aufputsch- oder Beruhigungsmitteln zur Prüfung an... was kommt danach?

Ich habe verschiedene Fronten zu dieser Frage ausmachen können: welche Position vertretet ihr?

- Die Homöopathie-Fans: geben bei jedem Kratzer das passende Globoli, unterstützen das Immunsystem beim ersten Anzeichen einer Krankheit homöopathisch und sind von der Wirksamkeit überzeugt bzw haben sie erlebt.

- Die Schulmediziner: auch bei ihnen ist gegen alles ein Kraut gewachsen, nur halt ein chemisches mit vielen Wirksamkeitsstudien. Fieber wird schon bei 38 Grad gesenkt, eine laufende Nase behandelt und dem Immunsystem möglichst alles abgenommen. Der Körper soll schnellstmöglich wieder fit werden.

- Die Mittleren: lassen dem Körper/dem Immunsystem erstmal selbst Zeit zu reagieren: Fieber brennt Viren aus, eine Beule schadet nicht, ein Kratzer heilt von selbst. Bei längeren Sympthomen (z. B. hartnäckige Grippe, Zahnungsproblemen) greifen sie zuerst mal zur Homöpathie oder zu sanften pflanzlichen Mitteln (deren Wirksamkeit meist eindeutiger ist) und greifen bei stärkeren oder anhaltenden Sympthomen auch mal zur Schulmedizin.

- Die psychischen Skeptiker: sind besorgt über die Mentalität, die mit der wahllosen und häufigen Gabe von Homöopathie und Globolis bzw Medikamenten aller Art anerzogen wird: gegen alles ein Medikament nehmen.

- Die medizinischen Skeptiker: die Wirksamkeit himöopathischer Mittel sei nicht nachgewiesen, Studien die das behaupten oft nicht aussagekräftig, der "Glaube" an Homöopathie sei logisch-wissenschaftlich überholt, es besteht eine Gefahr durch Selbstbehandlung bei schweren Erkrankungen oder im besten Fall ein Gewöhnungseffekt bei zu häufiger Globoli-Gabe, die jede eventuelle Wirkung auf Dauer ruiniert.

- Die Placebo-Fans: setzen auf den Placebo Effekt bzw darauf, dass Eltern z. B. entspannter sind, wenn sie ihrem kranken Kind irgendwie helfen können, wodurch die Kinder entspannter werden und es ihnen besser geht. Sind doch nur Globolis - was soll es schaden?!

Prinzipiell würde ich uns irgendwo zwischen Skeptiker und Mittelweg einordnen. Vor der ersten Schwangerschaft hatte ich mit Homöopathie nichts am Hut. Trotzdem habe ich bei beiden Kindern einiges ausprobiert, vor allem gegen Unruhe, Koliken und Zahnungsschmerzen. Geholfen hat - eigentlich nix.
Bei Weleda Fieber und Zahnungszäpfchen hatte ich manchmal das Gefühl es hilft - aber vielleicht auch eher gegen Blähungen wegen der rektalen Stimulation. Ansonsten eher erstmal den Körper alleine machen lassen, dann "Techniken" (wie z. B. Atemübungen, Dampfinhalation, etc.), SchüsslerSalze oder Pflanzliches als Homöopathie (wobei ich es trotzdem noch immer mal probiere) - und dann Schulmedizin. 😊

Mittwoch, 30. März 2016

Belohnung und Strafe

Ein gewisser Herr Pawlow machte bei seinen Hunden eine interessante Entdeckung: vor jedem Füttern wurde eine Glocke geläutet - beim Füttern sabberten die Hunde (ein angeborener Speichelreflex). Nach einer gewissen Zeit, sabberten die Hunde schon, wenn sie nur die Glocke hörten, die Glocke war durch die Verbindung mit Futter ebenfalls zum Auslöser des Reflexes geworden. Das Konditionieren war entdeckt.
Skinner entwickelte das Ganze unter dem Namen Behaviorismus noch weiter: er belohnte z. B. Tauben immer mit Futter, wenn sie den Kopf in eine bestimmte Richtung bewegten - und hatte sie so in kürzester Zeit soweit, dass sie das Gesicht einer bestimmten Person seiner Wahl aus einem Foto pickten.
Was bei Tieren funktioniert, funktioniert genauso beim Menschen. Wird eine bestimmte Situation wiederholt mit einem bestimmten Reflexauslöser verknüpft, löst irgendwann schon die Situation den Reflex aus. Häufig ist das z. B. bei Kindern zu beobachten, die geschlagen werden: eine laute Stimme zusammen mit einer hecktischen Bewegung führt dazu, dass sie zusammen zucken oder sich ducken.
Der Behaviorismus ist das, was viele Eltern und Erzieher täglich anwenden, um das Verhalten ihrer Zöglinge zu beeinflussen.
Man unterscheidet dabei vier Arten, ein gezeigtes Verhalten zu beeinflussen: positive und negative Belohnung sowie positive und negative Strafe. Negativ ist hier nicht als schlecht, sondern als Wegfall von etwas gemeint.
- Eine positive Belohnung gibt einen guten Reiz, z. B. Belohnung durch Süßigkeiten für ein erwünschtes Verhalten.
- Eine negative Belohnung lässt einen schlechten Reiz wegfallen, z. B. wenn Schüler besonders gut mitgearbeitet haben und darum keine Hausaufgaben machen müssen.
- Eine positive Strafe gibt einen schlechten Reiz, z. B. Zimmerarrest.
- Eine negative Strafe entzieht einen guten Reiz, z. B. Fernsehverbot.
Diese Art der Verhaltensmodifikation zeigt schon bei Kleinstkinder Erfolg: Schreikinder, die bei jeder noch so kleinen Schreipause sofort durch Lächeln und körperliche Zuwendung belohnt wurden und während der Schreiphasen ignoriert wurden, schrien schon nach kurzer Zeit weniger (diese Experimente stammen aus den 1960er Jahren und sind mit dem heutigen Wissen von Urvertrauen nicht mehr zur Nachahmung zu empfehlen, zumindest nicht das Ignorieren - die positive Belohnung für Schreipausen kann immer noch hilfreich sein!)

Uns stellte sich jedoch die Frage, wollen wir unsere Kinder dressieren oder sie zu selbständig denkenden Menschen erziehen? Letzteres ist zwar anstrengender (Kinder mit eigener Meinung ;) ), aber wie schon Hannah Arndt wusste: die Kinder und Jugendlichen, die wir als Erzieher anstrengend finden, weil sie alles hinterfragen und kommentieren müssen, sind die Erwachsenen, die wir brauchen, um zu verhindern, dass sich so etwas wie der Zweite Weltkrieg wiederholt. Wer nur lernt, sich an Autoritäten und deren Lob/Strafe zu orientieren, wird auch im späteren Leben eher unhinterfragt Autoritäten folgen. Wer nicht versteht, warum etwas richtig oder falsch ist, wird seine Handlung nicht aus Einsicht, Mitgefühl oder Mitdenken ändern, sondern nur bezogen auf sich selbst ändern: ich will eine bestimmte Reaktion meiner Eltern auslösen oder vermeiden, also muss ich mich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Sind meine Eltern nicht da, tu ich, was ich will.

Für uns bestand der Weg dorthin u. a. darin, dass wir nicht mit Lob und Strafe zur Verhaltensmodifikation arbeiten wollten. Statt dessen wollten wir konsequent sein - und sie die Konsequenzen ihrer Handlungen erfahren lassen, damit ihnen immer bewusst ist, dass all ihre Handlungen gute oder schlechte Konsequenzen haben, unabhängig von Mama und Papa. Wir erhoffen uns davon auch, dass sie schon als Teenager, aber erst recht als Erwachsene, wissen und bedenken, dass alles Folgen hat und bedenken, ob sie damit leben können.
Natürlich loben wir unsere Kinder (wenn es angebracht ist und nicht für jeden queren Pups, z. B. eher "ich find's toll, dass du dich mit deinem Malbuch so gut alleine beschäftigt hast" als für drei krakelige Striche in Begeisterung auszubrechen - oder auch mal "ich find es toll, dass du Spaß am Malen hast, aber nur dreimal um das Ausmalbild zu kreisen mit dem Stift ist nicht so schön, komm, wir malen es zusammen ganz aus" - es ist für die Kinder oft viel schöner, wenn sie wirklich WAHRGENOMMEN werden und nicht einfach nur alles "super" ist).
Natürlich empfinden sie einige Konsequenzen als gut/Belohnung, andere als blöd/Strafe. Darum geht es auch nicht - wir Erwachsenen finden manche Folgen im Leben ja auch schöner als andere. Wichtig war uns nur, dass die Konsequenzen logisch im Zusammenhang zur Handlung steheen - und nicht primär von Mama und Papa gemacht werden. Wichtig war uns, dass sie lernen, (vorher) über ihre Taten und deren Wirkung (auch auf andere) nachzudenken - und nicht nur bzgl dessen, was sie evtl damit erreichen wollen. Umgekehrt heißt das nicht, dass wir sie nicht vorwarnen, was die Konsequenzen sind (z. B. dass es draußen ohne Schuhe kalt sein könnte) und/oder die Intensität der Konsequenzen etwas beeinflussen (z. B  heimlich die Gummistiefel einstecken, damit man eben nicht den ganzen Weg ohne Schuhe laufen muss). Dafür sind wir schließlich die Eltern - Konsequenzen statt Strafen befreien uns nicht von unserer Fürsorgepflicht, sie verlangen von uns nur etwas mehr Überlegung und mehr Aufmerksamkeit/Wahrnehmung unserer Kinder.
Einige Beispiele aus unserem Alltag:
- Wenn man sich nicht die Hände wäscht, passiert eigentlich erstmal nichts. Wenn man sich vorm Kochen die Hände nicht wäscht, darf man nicht helfen (weil Mama erklärt, dass es auch unsichtbaren Dreck gibt und den wollen nicht alle von deinen Händen mitessen). Wenn man sich gar nicht mehr waschen will, kommt Mama mit dem Waschlappen und verhandelt (weil man sich ab und zu mal sauber machen muss, um gesund zu bleiben und das Haus sauberer zu lassen - weil ich meine Kinder aber nicht zwangswaschen will, es ist ihr Körper).
- Um 20h ist Feierabend für Mama und Papa. Macht man sich abends schnell fertig, haben Mama und Papa noch viel Ruhe zum Spielen, Vorlesen und kuscheln. Vertrödelt man die Zeit mit bockig sein oder was anderem, fällt die Kuschel- und Vorlesezeit kürzer aus.
- Ohne Helm gibt es kein Fahrrad (na gut, die ganz logische Konsequenz wäre eine Schädelverletzung beim Unfall zu riskieren, das haben wir auch mal spielerisch so erklärt, aber die in unseren Augen doch relativ logische Regel, haben unsere Kinder auch eingesehen).
- Stößt man sein Glas um, wird nicht gemeckert, aber man muss aufwischen helfen.
- Macht man etwas kaputt, ist es kaputt. Macht man etwas von anderen kaputt, muss man für Ersatz sorgen.
- Manchmal kann man auch statt Verbote/Strafe/Wutanfälle Alternativen anbieten. Statt "du musst jetzt Zähne putzen" - "welche Zahnbürste möchtest du heute benutzen", statt "wenn du das Puzzle mit zum KiGa nimmst und ein Teil verlierst, bist du traurig" - "willst du nicht lieber denn Bagger mitnehmen?", statt "ich möchte nicht, dass du die Schublade ausräumst" - "guck mal, hier ist ein ganzer Schrank mit Tuppertöpfen" oder auch "würdest du diesen Schrank ausräumen, sauber putzen und wieder einräumen?"
- auch Erklärungen funktionieren früh, bei uns war eins der ersten Sachen "Wenn du mit dem Besteck auf den Tisch haust, bekommt der Tisch Macken und Mama aua im Kopf, weil das so laut ist. Kannst du auch in die Hände klatschen, zum Musik machen?" (Man muss halt meistens nur wissen, WARUM sie etwas tun.)
Bis jetzt funktioniert es ausnahmslos gut. Das Meiste machen die Kinder eh so, wie wir es vorleben (z. B. viel Bitte und Danke sagen, sich die Hände waschen, wenn man heim kommt, mit Helm Rad fahren...). Sollte es bei Verhaltensregeln, die uns wichtig sind, mal nicht funktionieren, müssten wir uns überlegen, wie wir reagieren wollen - aber bisher war das nicht nur nicht nötig, wir erleben unseren Großen auch als sehr überlegt. Als ich mal ein fremdes Auto aus Versehen beschädigte und noch geschockt da stand, nahm mein 3-Jähriger mich an die Hand und meinte: "Ist nicht so schlimm, Mama. Das war ein Unfall. Du musst jetzt die Polizei anrufen und Bescheid sagen.":D
Manches dauert jedoch länger. Z. B. kenne ich kein Kind, dass mit 2-3 Jahren nicht plötzlich zum schlechten oder hampeligen Esser wird. In meinem Bekanntenkreis haben einige es so gelöst, dass die Kinder für jedes vernünftige Essen eine Belohnung bekommen, meist Süßigkeiten. Es funktioniert durchaus viel schneller wieder besser als bei uns - nur frag ich mich, was man dabei mit dem natürlichen Körpergefühl und Essverhalten macht, wenn man es so manipuliert.
Ein interessantes Beispiel habe ich vom Beißen. Manche Kinder stecken so vor der Sprachentwicklung ihre Grenzen ab. Wir haben unseren Sohn nie dafür bestraft, denn wir fanden es ok, dass er deutlich machte, was er nicht will. Wir haben ihn jedoch immer erklärt, dass es ok ist, etwas nicht zu wollen, aber nicht ok, anderen weh zu tun. Man kann statt dessen "nein" sagen oder zu Mama/Papa/Erzieherin laufen oder weggehen usw. Allerdings haben wir ihm auch erklärt, wenn ein anderes Kind zurück haute, dass das halt mal passiert, wenn man jemanden weh tut - das kann die Konsequenz daraus sein und es ist nicht schön, wenn man anderen weh tut. Ich gebe zu, es hat mehrere Wochen gedauert, bis es weniger wurde und verschwand erst mit der Sprachentwicklung komplett.
Ein anderes "Beißer"-Kind wurde von der Mutter immer zurück gebissen "damit es lernt, dass das weh tut". Es hörte viel schneller auf zu beißen als unser Sohn - zumindest solange ein Erwachsener dabei war. Fühlt er sich unbeobachtet, haut er bis heute andere Kinder, wenn er etwas nicht will. Erstens denkt er, dass ist als "Strafe" ok, Mama macht das ja auch so; zweitens hat sich sein Verhalten nur geändert, wenn eine strafende Instanz in der Nähe ist; drittens hat er ja keine anderen Handlungsalternativen gelernt, er weiß ja gar nicht, wie er anders reagieren könnte.

Montag, 21. März 2016

Fremdbetreuung

Die Institution Familie hat sich in den letzten 100 Jahren mehr verändert als in den 1000 Jahren davor.
Früher lebte man mehr in Mehrgenerationsfamilien, hatte evtl noch Dienstpersonal und lebte intensiver mit den Nachbarn zusammen. Die Redensart "Man braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen." stammt aus diesen Verhältnissen, betreut im heutigen Sinne wurden die Kinder fast gar nicht, beaufsichtigt von allen mal, "Qualitätszeit" miteinander existierte so gut wie nicht.
Heute gibt es Klein-, Kleinst- und Patchworkfamilien. Groß- und Mehrgenerationsfamilien sind selten geworden, die Mutter als Hausfrau ebenso, umgekehrt wollen Eltern ihre Kinder ganz anders erleben und kennen lernen als früher, die Betreuungsfrage wird immer neu verhandelt. 

Wir waren bei unserem Sohn froh, ihn bis 2.5 Jahren zu Hause betreuen zu können, weil wir uns nicht vorstellen konnten, so früh jemand Fremden ihn betreuen zu lassen und evtl Dinge wie das erste Wort oder den ersten Schritt zu verpassen. Zwar forderte er mit 1.5 Jahren mehr Kinderspaß ein als das wöchentliche Turnen, die Betreuungsarten konnten wir dann aber frei wählen und seinen Bedürfnissen anpassen, z. B. Spielgruppen - wir mussten halt nicht.
Als er dann mit 2.5 Jahren in den KiGa kam, dachte ich zuerst, ich müsse ihn ja nicht bis 16h dort lassen, da ich zu der Zeit in Elternzeit war. Aber schnell wurde mir klar, dass ich ihm und mir keinen Gefallen tat, ihn eher abzuholen. Er wollte lieber mit seinen Kumpels Mittagessen und machte im KiGa auch anstandslos Mittagsschlaf. Zwischen 15.15h und 15.45h holte ich ihn dann täglich ab - bis dahin hatte er früher Mittagsschlaf gemacht, wir hatten also nicht weniger vom Nachmittag als vorher. Nur war ich entspannt, weil ich nicht für Essen und Mittagsruhe sorgen musste, das Baby war entspannt, weil sie Mittagsschlaf mit Dauerstillen auf Mamas Arm in Ruhe haben durfte und der Große war entspannt, weil er ganz bei Mama im Mittelpunkt stand, wenn er nach Hause kam, und nicht mit dem Baby konkurrieren musste (das Baby beobachtete oder schlief gut verpackt im Tragetuch derweil). Entgegen meinen Erwartungen ("wie kann man Kinder nur so lang weggeben, wenn es nicht sein muss" hatte ich vorher gedacht) tat es uns also sehr gut, den Ganztagsplatz zu nutzen. Ich glaube, er hatte das Gefühl, viel mehr von Mama zu haben als vorher, als Mama nebenbei noch alle mögliche andere machte (z. B. Haushalt), statt wie jetzt zwischen KiGa und Abendessen nur bei ihm zu sein.
Zu Hause betreuen beinhaltet bei uns aber auch mal einen Nachmittag oder eine Nacht bei Oma und Opa oder Tante und Onkel - ebenso wie auch eine Phase mit AuPair, die wir sehr genossen haben.
Prinzipiell finde ich es eher positiv für das Kind (fühlt sich von vielen geliebt) und die Eltern (werden entlastet), wenn das Kind sich bei mehreren Menschen wohl fühlt. Aus meiner eigenen Erfahrung als Kind weiß ich, dass wir Eltern deswegen nicht weniger Bezugsperson sind und schon in den 1980er Jahren fanden Untersuchungen in Ost- und West-KiTas heraus, dass nicht die Menge der Zeit die Eltern-Kind-Beziehung prägt, sondern die Qualität der Zeit.

Bei unserer Kleinen sah es aus beruflichen und finanziellen Gründen anders aus. Sie musste schon mit einem Jahr in die Krippe. Das fiel mir sehr schwer und wir haben lange nach Alternativen gesucht. Aber alle Alternativen waren in unseren Augen schlechter (z. B. zu Haus Betreuung von Papa, Oma und Opa, dafür arbeitet Mama 50 Std die Woche - für ein noch gestilltes, totales Mamakind, wie sie es ist, eher schlechter...)
In dem Alter ist Fremdbetreuung meiner Ansicht nach Stress für die Kinder (dachte ich). Geholfen haben mir ein wenig folgende Gedanken:
- Wir haben die Betreuungszeit zunächst möglichst kurz und über den Mittagsschlaf gehalten, so dass sie sich effektiv nur 4x pro Woche drei Wach-Stunden mit dem Trubel aus anderen Kindern und Erziehern auseinander setzen musste. Bald wirde aber klar, einerseits genießt sie die KiTa sehr (sie wurde richtig weinerlich, wenn wir den Großen wegbrachten und sie mit heim sollte), andererseits brauchtbsie möglichst viel Regelmäßigkeit. Daher ging sie dann doch bald 5x pro Woche 6 Std.
- Stress ist sicher nicht schön, kann aber auch (positiv) spannend, an- und aufregend sein und ist nicht schädlich, solange man dafür auch Ruheinseln schafft und lernt, damit umzugehen. So haben wir die Kleine z. B. zu Beginn mind eine Std. vor dem Großen abgeholt, um ihr die Ruhephase mit Mama zu gönnen. Später haben wir an einem Tag den Großen, am anderen Tag die Kleine mal eher abgeholt.
- Unsere Kinder erleiden keinen Verlust, wenn sie mehrere Bezugspersonen haben (so z. B. die Erzieherinnen), sondern einen Gewinn an Menschen, die sie mögen und sich um sie kümmern.
- Unsere Kinder verlieren nicht Eltern-Zeit, sondern gewinnen Eltern, die in Ruhe gearbeitet haben und evtl auch schon die ein oder andere Minute für sich bzw. zum runter kommen hatten: sie gewinnen also Eltern-Qualität!
- Wir haben einen Rhythmus eingehalten: egal wann wir fertig waren mit arbeiten oder frei hatten, Kindergartenzeiten waren fest. Diese Konsequenz half den Kindern im Alltag (weil sie z. B. einschätzen konnten, wann Mama kam und nicht unnötig warten mussten, weil Mama mal so und mal so zum Abholen kommt) und ermöglichte uns Eltern, unsere eigenen Bedüfnisse wahrzunehmen - und damit entspannte Eltern und ein entspanntes Paar zu bleiben. (Das ist allerdings was, was ich bei anderen Paaren auch anders erlebt habe - das sollte man ganz nach den eigenen Bedürfnissen entscheiden können, ohne zu (ver-)urteilen.)

Mit etwas Abstand kann ich jetzt sagen, dass unserer Kleinen die regelmäßige Betreuung im festgelegten Rahmen deutlich besser getan hat, als dem Großen die Betreuung mal so, mal so. Das liegt sicher auch an unserer tollen KiTa und dass wir uns viele Gedanken dazu gemacht haben, wie unsere Kinder fremdbetreut werden sollen. Z. B. gibt es in unserer KiTa kein offenes Konzept (unsere Kinder sind eher lärm-/reizempfindlich), dafür aber Ruheräume.

Verwöhnen vs Bedürfnisse

Wir verwöhnen unsere Kinder - bekommen wir zumindest oft genug zu hören. Manchmal nerven mich diese Kommentare, manchmal erwiedere ich lächelnd "und das aus Überzeugung". Aber hier jetzt mein Plädoyer FÜR das Verwöhnen.

Vorweg ein Wort: ich lehne materielles Verwöhnen grundsätzlich ab, denn meiner Meinung nach lernen Kinder so von allem den Preis - und von nichts den Wert. Außerdem kann kein Spielzeug der Welt Nähe und Geborgenheit ersetzen - was es meiner Beobachtung nach oft genug leider tun soll.
(Nichts desto trotz macht es mir natürlich auch Spaß meinen Kindern materielle Freuden zu machen - aber zu ihren Gunsten versuche ich mich so gut es geht zurück zu halten und das auf ein größeres Teil zu Weihnachten und zum Geburtstag zu beschränken. Dass das auch nicht anders nötig ist, zeigte mein Sohn mir erst kürzlich. Als er sich mal außer der Reihe ein Puzzle aussuchen durfte, weil er seine vorhandenen innerhalb von Sekunden zusammen baute und ich den Schwierigkeitsgrad steigern wollte, wollte er das Malbuch, dass ich ebenfalls kaufen wollte, nicht haben. "Ich hab doch schon ein Puzzle", sprach's und ging.)

Was ist denn dann Verwöhnen?
Wir verwöhnen unsere Kinder mit Liebe, Aufmerksamkeit und dem Erfüllen ihrer Bedürfnisse.
Die Nazis brachten einen Erziehungsratgeber heraus, der davon sprach, man müsse Kinder abhärten, die Lungen durch Schreien stärken und ihnen schon früh Disziplin beibringen. Nach diesem Ratgeber erzog eine ganze Generation ihre Kinder - und deren Kinder erzog ihre Kinder wiederum so, wie sie es von ihren Eltern gelernt hatten, ohne zu ahnen, auf was für einem Mist das fußt. Bis heute ist Deutschland das einzige Land, in dem sich hartnäckig die Vorstellung hält, man könne Babys durch Aufmerksamkeit verwöhnen. Auf die dadurch verursachten psychischen Probleme komme ich weiter unten zu sprechen.
Babys haben kein wenn-dann-Verständnis. Ihr Gehirn gibt das viel zitierte "WENN ich schreie, DANN kommt Mama" gar nicht her. Sie schreien, weil etwas ist: Hunger, Durst, müde, Angst, Einsamkeit, zu kalt, zu warm,... all die Dinge, gegen die wir auch sofort was tun würden, wenn sie uns quälten. Gleichzeitig haben sie auch noch kein Zeitverständnis. "Einen Moment noch" und 100 Jahre sind für sie ungefähr gleich lang.
Das wenn-dann-Verständnis entwickelt sich langsam rund um den ersten Geburtstag. Ab da kann ich ein Kind natürlich gewöhnen (wenn ich mich im Supermarkt auf den Boden schmeiße, dann bekomme ich was Süßes - sowas lernt ein Kind schnell), trotzdem schreien sie immer noch nicht primär, weil sie etwas Bestimmtes wollen, sondern weil sie so ihren Emotionen Luft machen. Das ist prinzipiell nichts Schlimmes und wir Eltern sollten lieber lernen, ihnen da durch zu helfen, statt ihnen Manipulation zu unterstellen oder sie zu bestechen.
Gleichzeitig lernen Babys durch unsere Reaktion auf ihr Schreien natürlich schon etwas. Entweder: ich bin wichtig genug, dass mir jemand hilft, wenn ich mir nicht selbst helfen kann, ich werde geliebt und umsorgt und bin nicht allein. Das nennt man Urvertrauen und ist die Grundlage für einen psychisch gesunden Menschen!
Oder sie lernen: ich bin allein, keiner hilft mir, die Welt ist kalt und einsam, schreien nützt nichts, ich muss meine Kräfte besser sparen. Diese Babys schreien sich kein zweites Mal in den Schlaf - nur nicht, weil sie gelernt haben "wer hier das Sagen hat",  sondern weil etwas Wichtiges in ihnen zerbrochen ist.
Natürlich ist man mal auf dem Klo und nicht sofort da. Natürlich kann man gegen Bauchweh nichts tun, außer da zu sein (was in Babys Welt unfassbar viel ist - Mama und Papa lassen mich nicht alleine, wenn es mir nicht gut geht). Natürlich müssen sie auch mal unzufrieden quengeln, wenn sie z. B. nicht ans Spielzeug kommen, um zu lernen vorwärts zu wollen und zu kommen.
Aber das ist ein Unterschied dazu, sie alleine weinen zu lassen oder immer zu Kindern zu gehen und ihnen zu zeigen: wir sind da, du kannst uns vertrauen, die Welt, in der du lebst, ist nicht grausam und einsam, sondern voller Liebe.
Babys haben ein extremes Bedürfnis nach Nähe, Körperwärme, Geborgenheit und Sicherheit. Das war evolutionär gesehen überlebenswichtig! Die kleinen Baby-Urinstinkte haben noch nicht verstanden, dass Gitterbett, Kinderwagen und Laufstall genauso sicher sind wie Mamas Arm. Für sie bedeutet weg von Mama und Papa primär: meine Nahrungsquelle und mein Beschützer sind nicht da - ich muss vermutlich sehr bald sterben, oh nein!
Dieses Grundbedürfnis nach Nähe zu erfüllen steigert nicht nur das Urvertrauen, sondern in Wirklichkeit auch das Wohlbefinden der Eltern, weil die Babys zufriedener sind, weniger Quengeln und Weinen und die daraus wachsenden Kleinkinder selbstbewusster und selbständiger sind. Der häufigste Satz neben "ihr verwöhnt eure Kinder" ist, "ihr habt aber auch zwei entspannte, fröhliche Kinder!" - ein Schelm, wer da einen Zusammenhang vermutet.
Mit Verwöhnen im negativen Sinne, hat das nichts zu tun. Wobei ich mich frage, wann genau Verwöhnen überhaupt zu etwas Negativem geworden ist...? Ich verwöhne mich gerne und regelmäßig: mit leckerem Essen, mit einem Kuschelabend mit meinem Mann, mit einem Saunaabend, mit einer Massage, mit einem Abend mit guten Freunden, mit einem leckeren Glas Wein... kurz gesagt: mit Nahrung, Wärme und menschlicher Nähe. Warum meinem Kind nicht das Gleiche gönnen, schlimmer noch: es ihm/ihr vorenthalten, weil es sich das ja noch nicht selbst anderweitig besorgen kann!!

Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass auch Mama und Papa Bedürfnisse haben, die sie nicht vernachlässigen sollten. Zum einen haben glückliche Eltern glücklichere Kinder - kein Kind will, dass es Mama und Papa nicht gut geht. Zum anderen lernen Kinder am Vorbild - so auch in diesem Fall: es ist ok, mich nicht selbst zu Gunsten anderer aufzugeben, sondern mich auch mal um mich und meine individuellen Bedürfnisse zu kümmern. Zum dritten: ein Kind braucht seine Eltern nicht nur als Eltern, sondern auch als Paar. Als funktionierende Einheit - sei es als Paar oder als getrennt lebende Freunde - genauso sehr wie als Vorbild dafür, wie Beziehungen funktionieren können. 
Und wenn ich meine Beziehungen und Freundschaften permanent dem Kind unterordne, hätte ich Angst, das nichts davon bleibt, wenn die Kinder dann aus dem Haus sind...
Das heißt aber auch: wer sich also im Familienbett oder mit Tragetuch oder beim Stillen nicht wohl fühlt, sollte es nicht zu Gunsten der Kinder "durchhalten". Natürlich brauchen Kinder Nähe (die u. a. so gegeben werden kann), aber geschieht diese Nähe ungewollt, fühlen sie das auch - und sich damit sicher nicht wohl.
Auch andere Bedürfnisse sollen und müssen und dürfen Eltern wahrnehmen: nach Zweisamkeit genauso wie mal nach Einsamkeit, nach Hobbys genauso wie nach Schlaf. Früher sagte man, man braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen. Früher lebte man mit mehreren Generationen zusammen und in einer aktiven Nachbarschaft, evtl sogar noch mit Personal. Heute gibt es Klein- und Kleinstfamilien, Alleinerziehende und Patchwork. Die Idee Kinder müssten möglichst lange allein zu Hause von den eigenen Eltern (am besten Mama) betreut werden (mit den dazugehörigen Schuldgefühlen wegen der Fremdbetreuung) ist sicher schön, aber relativ neu - und anstrengend. Ich glaube nicht, dass es meinen Kindern schadet, zu erleben, wie viele Menschen sie lieben: Eltern und Großeltern, Tanten, Onkel, Freunde, Paten und Erzieher. Klar sind wir als Eltern die Hauptverantwortlichen und sollten uns bemühen, immer die Hauptbezugsperson zu bleiben. Aber ab und zu mal einen Nachmittag allein mit den Großeltern oder eine Nacht bei der Tante oder einen Vormittag allein mit Papa schadet bestimmt nicht - ermöglicht den Eltern aber auch mal ihre eigenen Bedürfnissen nachzugehen. Sei es das Mama mal ausschläft oder Papa zum Sport geht oder Mama und Papa gemeinsam ins Kino.

Zuletzt noch ein Wort zum Urvertrauen:
Den Begriff prägte der Freud-Schüler Erikson in den 1950er Jahren. Er bezeichnete damit ein Grundvertrauen, das Babys im ersten Lebensjahr entwickeln und dass es ihnen ermöglicht, Selbstvertrauen ebenso zu entwickeln wie die Grundgefühl dafür, welchen Menschen und Situationen man vertrauen kann.
Unabhäbgig davon entwickelte der Soziologe Claessen in den 1960ern den Begriff Urvertrauen. Bei ihm geht es um die Entwicklung der Fähigkeit, überhaupt Vertrauen in irgendwas zu haben, die im ersten Lebensjahr stattfindet und danach nicht mehr inbdem Maß nachzuholen sei. Alle zukünftigen Beziehungen und Charakterentwicklungen seien davon geprägt, ob dieses Urvertrauen gelernt wurde.
Bei beiden ist es die Grundlage für:
- Vertrauen in sich selbst und Selbstwertgefühl
- Liebesfähigkeit („Ich bin es wert, geliebt zu werden.“)
- Vertrauen in andere, z. B. in Partnerschaft und Gemeinschaft
- Vertrauen in das Ganze, in die Welt.
Eine mangelhafte Ausbildung des Urvertrauens kann zu Beziehungs- und Bindungsproblemen von Menschen führen. Folgestörungen können Misstrauen, Depressionen, Angstzustände, Aggressivität u. a. m. sein. Von allem, was sich aus mangelndem Selbstwertgefühl nochmal wieder als "Symptom" ableitet, ganz zu schweigen.
Mit diesem Wissen und Gedanken, haben wir bestimmten "Wünschen" unserer Kinder (z. B. nach Tragetuch oder Familienbett) auchbgerne nachgegeben.

Samstag, 19. März 2016

Familienbett

Eigentlich sind wir gar nicht so öko - wirklich nicht. Noch im 9. Monat der ersten Schwangerschaft gingen wir davon aus, dass wir mal Kinderwagen schieben und Gläschen kaufen werden.
Einzig wichtig war uns: konsequent zu sein und auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen.
... nur sind unsere Kinder leider total öko...

Während unser Sohn uns nach zwei Wochen klar gemacht hatte, was er vom Kinderwagen hält (nämlich nichts) und unsere Hebamme, was sie von Gläschen hielt (ebenfalls nichts), verdeutlichte unsere Tochter uns sehr genau, was sie von Brei überhaupt (Spielzeug) und Familienbett (sehr viel) hielt. Das gehörte jedoch definitiv zu den "Öko-Dingen", die mir persönlich etwas schwerer fielen - my bed is my castle...

Sohnemann schlief nach der Geburt zwei Wochen lang in einem kleinen Nest aus Stillkissen und Wiegenmatraze in unserem Bett und wanderte dann in sein eigenes Bett neben unserem. Mit fünf Monaten wachte er von mir und ich von ihm gefühlte 100x in der Nacht auf - das war der Zeitpunkt, wo er in sein Zimmer wanderte und bis heute (meist) gern dort schläft.
Wir haben nie zu den Eltern gehört, die ihr schlafloses Kind nachts durch die Wohnung schleppten. Da hab ich lieber stillend in meinem Bett gelegen und hatte es wenigstens warm - wenn ich schon kaum schlafen konnte. Zig mal nachts hoch, Angst im Dunkeln - kannten unsere Kinder nicht. Wenn was war, kam er in unser Bett und gut war's. Allerdings dann meist auf Mamas Bauch liegend, da er Bauchschläfer ist. Einzig eine blöde Einschlafphase aufgrund zu vieler Veränderungen rund um seinen zweiten Geburtstag gab es. Auf die Idee diese Phase mit dem Familienbett durchzustehen sind wir damals nicht gekommen. Wir haben eine abgeschwächte Form des Schlaftrainings ohne Ferbern (= schreien lassen) ausprobiert, die für uns auch gut funktioniert hat. Allerdings mochte er später immer eigentlich nicht zum Schlafen in unser Bett - wenn dann sollte eher einer von uns bei ihm schlafen. So war er zum Glück auch nie eifersüchtig, als seine Schwester das anders sah und bei uns schlafen durfte.

Töchterchen schlief dann direkt ab Geburt in der Wiege neben unserem Bett... zumindest solange bis wir beim Stillen nachts beide im Bett einschliefen. Siehe da, plötzlich konnte ich so einschlafen. Vielleicht weil es das zweite Kind war oder weil sie ruhiger schlief, für uns funktionierte es diesmal besser.
Mit 4.5 Monaten verjagte Papas Bronchitis sie aus unserem Schlafzimmer in ihr Kinderzimmer. Klappte problemlos, sie kam nur einmal nachts zum Stillen. Mit 6.5 Monaten war das vorbei. Man merkte deutlich, sie wollte und brauchte mehr Nähe. Also wurde ein Gitter an unserem Bett befestigt und wir zogen ins Familienbett.
Zwar ging sie immer noch abends zuerst in ihr Bett (uns war das Ritual wichtig, außerdem dass sie dort nicht rausfallen konnte, während wir noch auf waren, und so konnten wir ab und zu abends unser Ehebett auch nochmal für uns haben), aber wenn sie wach wurde, wurde sich zu Mama ins Bett gekuschelt und besser geschlafen - zumindest sie. Ich nur leider nicht - ich wachte immer geräderter und verspannter auf. Also wieder zurück zu dem, wie es beim Großen war: bei Bedarf gern, sonst im eigenen Bett. Etwas besser schlief ich mit ihr gemeinsam im Schlafsessel.

Mittags schläft sie mal in ihrem Bett, mal macht Mama mit ihr im großen Bett Mittagsschlaf, manchmal auch einfach auf Sofa oder Sessel in Mamas Arm. Natürlich machte ich mir Gedanken, wie das in der Krippe wird oder wenn sie mal bei Oma und Opa schlafen soll... aber ihr deswegen sofort schon oder überhaupt die offensichtlich benötigte Nähe und Sicherheit zu entziehen war für uns keine Option. Außerdem ist es meistens für Kinder als andere Situation einzuordnen und oft kein Problem. Und auch, wenn man Babys nicht VERwöhnen kann, wird es natürlich dann irgendwann mal eine UmGEwöhnung sein, im eigenen Kinderzimmer zu schlafen. Aber mit unserem Abendritual im eigenen Bett und unserer leichten, liebevollen Art des Schlaftrainings, sind wir nie auf Probleme gestoßen. Eigentlich hofften wir auch, dass das irgendwann einfach von alleine klappt, wenn sie genug "getankt" hat. ... Nachtrag: Und dem war so. KiTa kein Problem, und mit 13 Monaten fing sie auch an von ca 19.30h bis mind 5.30 durch zu schlafen
- Man merkt vielleicht, wir sind nicht völlige Überzeugungstäter, mir geht es damit einfach nicht gut auf Dauer. Aber es ist bequemer als ein schreiendes Baby und gemütlicher als durch die Gegend zu laufen und stillt Babys Bedürfnis nach Nähe ebenso wie mein Bedürfnis nach Schlaf. Also passt's schon für uns - mal so mal so.

PRO
- Untersuchungen zeigen, Kinder im Familienbett werden seltener wach (sie müssen ja nicht aufwachen und rufen, um Nähe zu bekommen) und werden (ähnlich wie beim Tragen) selbstbewusster und selbständiger - vermutlich weil sie sich einfach jeder Zeit volltanken können mit Nähe und Sicherheit.
- Besonders beim Stillen: man muss nicht nachts aufstehen, ja nicht mal wirklich aufwachen.
- Oft bekommt man in schwierigen Phasen der Kinder mehr Schlaf oder zumindest mehr Ruhe, wenn man gemeinsam in einem Bett liegt.
- es fühlt sich schön an, gemeinsam und kuschelnd zu schlafen
- Kinder sehen schlafend sooooo süß aus! 
- evolutionär betrachtet ist es die natürliche Form des Schlafes für Babys und Kleinkinder und wird in vielen Ländern noch so praktiziert
- Untersuchungen zeigen, Mütter schützen ihre Kinder während des Schlafens instinktiv vor zu warm, zu kalt, rausfallen etc
- Liebensleben auserhalb des Ehebettes kann was Aufregendes haben 

CONTRA
- Nicht jeder kann gut und tief oder überhaupt so schlafen.
- Keiner garantiert, dass man im Schlaf das Kind realisiert - ich hab die Kleine schon mal mit dem Ellbogen erwischt...
- für Babys, die nur auf dem Bauch schlafen, nicht geeignet - es sei denn auf Mamas oder Papas Bauch, solange diese wach sind.
- für Raucher nicht geeignet
- man gibt das eigene Bett als Rückzugsort zumindest zeitweise auf
- Sex mit Kleinkindern ist manchmal schon schwer genug zu haben - und dann noch das zweisame Bett aufgeben kann manchmal belastend sein
- Aber das Wichtigste ist: Familienbett funktioniert nur, wenn alle Beteiligten (BEIDE Eltern + Kind ... es heißt Familienbett, nicht Mutter-Kind-Bett) das wirklich wollen und so gut schlafen können!

Klar gibt es auch hier ein paar Dinge zu beachten:
- im Familienbett schlafen keine Haustiere, Raucher, Betrunkene, schwer Kranke oder unter Einfluss starker Medikamente (erhöht die Gefahr des plötzlichen Kindstodes und/oder die Wahrscheinlichkeit so tief zu schlafen, dass man das Kind bei sich nicht mehr realisiert)
- das Kind schläft im Schlafsack auf dem Rücken
- das Bett sollte je nach Alter und Fähigkeiten des Kindes gesichert sein (bei uns reicht z. B. ein Gitter an einer Seite, falls sie mal außen schläft, da sie nie allein im Familienbett liegt)
- zwischen zwei Kindern schläft ein Erwachsener